Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1842)
- Date
- 1842-11-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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D e r Fs r a e t i t des neunzehnten Jahrhunderts. Ein WochenbkMt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in MgM-kirchlicher Beziehung. Her aus § e g eben von «kr M. H e U, GroßherZogl. Wcimarschem Land-Rabbinen zu Stadt-LengSfcld bet Eisenach. 49» Sonntag, de« SV. Rovernde* 184S. ID. JahkgßMA. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und tvahr. Die religiöse Tknschannng -er Borzeit ander Gegenwart. (Schluß von Nr. 46.) Spotte darum der Vorzeit nicht, du erleuchteter Sohn der Ietztheit, wenn sie dir auch ein düsteres, trauriges Bild zeigt; hinter diesem Bilde wohnt dennoch ein hoher, himmlischer Geist, ein Lebensernst, eine Glaubensinnigkeit, eine Hingebung und Aufopferung für den einigen Gott, wie ihrer kaum die jetzige Zeit fähig ist. Jenes traurige Bild war nur der Widerschein von der Trauer und Unbill der Zeit überhaupt, von ihrer Verkennung und Herabwürdigung alles dessen, was dem Menschen heilig und theuer ist, in dem Sohne und der Tochter Israels; es .mußte der Lebensbaum derselben sich enge zusammenziehen, mußte nur nach innen seine Blüthen und Früchte treiben, weil er nach außen keinen Boden fand, weil man selbst seinen Stamm zerstört und unterwühlt hätte, würde er sich nicht nm einer so harten Rinde umgeben, würde er nicht für seine Pfleger ein so schattenreicher Baum geworden sein, unter welchem sie ausruhen konnten von des Tages Last und Hitze. Doch dieser Tag ist nun milde und freundlich geworden, und der israelitische Lebensbaum, der sich einst fo stark verzweigen mußte gegen die Stürme von außen, darf feine Wipfel frei und frisch in die Sonne wehen, von seinem Lebenssaft die Erde befruchten und erfrischen lassen. — Man hat viel darüber gesagt, daß mit Mendelssohn und seine Schüler deßchalb eine neue Aera in dem Lehen des Judenthmns begann- «eit sie die ersten waren, weiche wieder der Wissenschaft und dem Geiste freier Forschung sich zuwendeten. Glaubet bo* nicht, lieben Leser! Mendelssohn und feine Schüler hätten nichts gewirkt, nichts gewirkt für die Reform!,ung des Volksbewußtseins, der religiösen Anschauung der israelitischen Gemeinde, wäre mcht hie Welt eine andere geworden, hatte sie nicht den, Sohne Israels eine freiere Bewegung gestattet, Menschenwürde und Menschenrecht auch in ihm geschätzt und geehrt. Die freiere Stellung, welche seit der französischen Revolution dieeuropäischen Staaten dem Israeliten eimävmten, der. Antheil an gemeinnütziger Wirksamkeit, welche sie chm gestattete», haben feine religiöse Anschauung erweitert, haben sie aus dem beschränkten Gesichtskreis des Jsoaeliten zu dem des freien, thatkräftigerz Menschen erhoben^ .ES ist darum eine Oberflächlichkeit, wenn man hje bald »ach Mendelssohn eingetretene Vernachlässigung des rabbinischeu Zeremomakgesetzes Seitens der nichrgelehrten Jsi-eliten einem Leichtsinn, einer eitlen Genußsucht zuschreibt. Nein, vielmehr lag derselben schon das dunkle Gefühl zu Grunde, daß mit dem Eintritt der Juden in die europäische Gesellschaft jenes nur für ihre gesonderte Stellung angemessene Zeremonialgefetz feine Bedeutung verlieren müsse, daß mit dem Erwachen eines höheren menschlichen Bewußtseins außerhalb Israels, jener pharisäische Glaubenssatz von der besonderen Beseliqung des letzteren durch eine größere Anzahl ritueller Vorschriften aufgehört habe eine Wahr-