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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-11-13 · Heft 46 (13.11.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 46 (13.11.1842)
Date
1842-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit veS neunzehnten Jahrhunderts. Ei« Wochenblatt für, die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Br. M. Heß, Großhcrzogl. Wcimarschem Land-Rabbinen;u Etadt-LengSsclV bei Eisenach. Rr. 46* Sonntag, -en 1» November 1842. III. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Die religiöse Nknschauung -er Borzeit und der Gegenwart. Es ist eine der erhebendsten Seiten der neuesten Weltanschauung, daß sie gelernt hat, die Geschichte zu verstehen, daß sie nicht mit Kolben darein schlägt in die Gedanken einer früheren Zeit, und Alles, was sich mit der Ansicht der Jetztheit nicht verträgt, darniederschmettert, sondern die Geschichte als eine heilige begreift, in welcher jede Periode das Göttliche so zum Bewußtsein brachte, wie das Bedürfniß der Zeit es erheischte, es gleichsam in ihr Kleid wickelte und kleidete, aber gerade dadurch es erhielt, gepflegt und weitergebildet, der Nachwelt überlieferte. Wie dieses im Allgemeinen der Fall war, ist hier nicht der Ort zu zeigen; aber an der Geschichte des Judenthums soll euch dieses nachgewiesen, es soll euch gezeigt werden, daß auch diese eine heilige, eine im steten Fortschreiten begriffene sei, daß die religiöse Anschauung der Vorzeit und der Gegenwart nicht im direkten Widerspruche sich befinden, sondern daß auch jene dazu diente, den Grund, auf welchem das Jsraelitenthum beruht, zu erhalten, zu sichern. „Das Judenthum der Vorzeit — entgegnet man uns — dieser eiserne Rabbinismus, der das ganze Leben in seinen düsteren Kreis hineinklemmte, der uns vorschrieb, wie viel Stunden wir auf weltliche Beschäftigung verwenden *), wie viel Mahlzeiten wir am Sabbath essen *), welchen Schuh wir zuerst an- und welchen zuerst ausziehen sollen **), der Folianten mit der Frage füllre, ob ein am Festtage gelegtes Ei gegessen werden dürfe, der überhaupt die rituelle Satzung bis in's Unendliche vermehrte, während er dem Rein-sittlichen nur sechs kurze Abschnitte widmete". ***) Und doch ist es so, liebe Leser! und doch steht Vergangenheit und Gegenwart des Judenthums in inniger und heiliger Beziehung zu einander, und ihr werdet euch davon überzeugen, wenn ihr folgender Betrachtung eure Aufmerksamkeit schenken wollet: Als die Zeit unseres Unglücks herannahte, als Israel bald seinen heimarhlichen Boden verlassen, und auf dem fremden die theuersten Güter: Selbstständigkeit und Freiheit und das heilige ewige Recht des Menschen entbehren sollte, da hatten sich drei verschiedene religiöse Ansichten in seiner Mitte gebildet; die eine, der Pharasäismus, hielt strenge fest an das traditionelle Ritualgesetz und an die separatistische Auffassung der mosaischen Lehre; die andere, die der Sa du z ä er, verwarf diese Tradition und beschränkte sich auf den buchstäblichen Inhalt des mosaischen Gesetzes; die dritte endlich, die der Essaer, erweiterte die messianischen Hoffnungen, kämpfte an gegen rituelle Frömmigkeit und lehrte, daß man Gott nur im *) "n"N V"V Kap. 291. . **) bw rbyso rt’irra , r&rm ny bm bw ntnn d-W (Das. 2). ***) Die nEK pns* *) "n"a v"v Kap. 156.

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