Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1842)
- Date
- 1842-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2566802-2566848--0477-2568125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bürg; und was uns betrifft, so wünschte« wir srhnlichst, daß unser eigenthümlicher Parr würde, nachdem er unser einziger Deputirte gewesen. Dank den Wählern von TarbeS, Herr Achille Fould kann gehen und den Platz in der Kammer einnehmcn, der von seinem Bruder warm verlassen wurde. Ohne gerade die hohe finanzielle Weisheit seines Bruders zu haben, ist Herr Achille Fould durch seine Bank- und Handels-Verbindungen und durch sein außerordentliches Glück dazu bestimmt, eine sehr ehrenvolle Stelle in der Kammer cinzunehmen. Wäre cs auch so, wie man uns sagte, daß Hr. A. Fould seine Wahl der Macht einer Shawl- Fabrik verdankt,, welche er in dem Departement, das ihn ernannte, errichtet hat, so hat er ja gerade als ein Mann von Geist gehandelt, indem er sich der Frauen als HülfStruppen bediente. Ist es ja eine Hauptrcgcl: der geläufigste Weg, um in das Herz der Männer zu kommen, ist mitten durch den Geist der Frauen zu schreiten. Herr A. Fould ist überdieß ein Mann von Welt; er hat aristokratische Formen; er nimmt einen schönen Rang unter dem Finanz-Adel ein, welcher den alten Adel ersetzt hat; er ist Mitglied des Jockey -Klubbs, er zeichnet sich bei den Sportmen aus, und seine Pferde machen sich bei den Wettrennen des Marsseldcs bemerklich. Wie viel sitzen im Parlament, die nicht so viele Titel haben. Höret ihr diese fürchterliche Stimme, welche aus einem Kopfe zu kommen scheint, dem die Haare zu Berge stehen? — Es ist Herr Adolph Cremieux, welcher eben die Tribüne besteigt. Herr Cremieux ist der Advocat, von dem ihr wisset; seine Taille ist schlank, seine Züge wenig hervorstechend, seine Tracht nachlässig; aber seine Beredsamkeit ist so mächtig, seine Sprache so blühend, ^sein südliches Feuer so hinreißend, sein Wissen so tief, daß im Augenblick der Begeisterung er wahrhaft schön ist: er gleicht alsdann einem wilden Strome, welcher zwischen Blumen und Gold- Theilchcn dahin rauscht. Der neue Deputirte von Chateau-Chinon scheint uns dazu bestimmt, eine brillante Nolle in der Kam- .mer zu spielen; die israelitische Interessen werden nicht aufhvren, in ihm einen heißen Beschützer zu haben. Herr Obrist Max Cerfbcrr, Deputirter von Wcissenburg und Ofsseier der Ehrenlegion, ist der würdigste Vertreter, den die Israeliten Frankreichs in der Kammer haben können. Es ist eiu ernster und kaltblütiger Mann, imposant durch seinen Wuchs, und mit einem verbindlichen und angenehmen Wesen begabt. Als ein ausgezeichneter Militair hat er das ehrenvollste Andenken in dem Kabinet des Ministers, welchem er als Chef Vorstand, und wo er noch jetzt Sckretair beim KriegS-Comitt-'e ist, zurückgelassen. Don einer vollkommen erprobten Loyalität und einer skrupulösen Pünktlichkeit wird Herr Ccrfberr einer von den guten Deputirten sein, welche in den Commissionen die schwierigen Arbeiten verrichten, die ihrm College» bescheiden die Frucht ihrer Einsicht zuführen und in die Wahlurne das gewissenhafteste Votum niederlegen. Die Israeliten haben Herrn Cerfberr, welches ein vorzügliches Mitglied des israelitischen Central - Consistoriums von Frankreich ist, mit Vergnügen in die Kammer kommen sehen, und wir dürfen wol voraus sagen, daß dieses Gefühl bald von den Protestanten im Elsaß gethcilt werden wird, welche unter allen Umständen in ihm den gesetzlichen und treuen Repräsentanten finden werden, der seine parlamentarische Carriere in den Worten zusammcnsaßt: Gut denken, gut sprechen, gut handeln. Die Wahl des Hm. Fould hat weder jemanden erschreckt noch erfreut, die des Herrn Cremieux, welche eben so sehr seinen politischen Meinungen, als seinem Talent gebührte, hat nothwendigerweise seine Gegner erschüttert; die des Herrn Cerfberr ist von allen Meinungen mit Vergnügen gesehen worden. Diese .drei Deputirten drücken würdig die Stellung der Elite der israelitischen Gesellschaft in Frankreich aus. Herr Fould repräsentirt die Finanzen und die Industrie, Herr Cremieux die Wissenschaften und die Literatur, und Herrn Cerfberr die Armee und die Verwaltung. Herr Cerfberr repräsentirt noch besonders die Israeliten des Nordens, Herr Cremieux die des Süden und Herr Fould die der rechten Mitte. Herr Fould ist konservativ, Cremieux tritt unter das Panier der monarchischen Opposition; Hr. Cerfberr hält es mit der großen Fraktion der Kammer, welcher Noyer-Collard eine so schöne Stellung anwies, indem er sagte; Frankreich ist das linke Centrum. . (Fortsetzung folgt.) Pädagogische Revue. (Schluß von Nr. 4L.) Erzählungen aus den heiligen Schriften der Israeliten, von B. H. Flehinger. (Darmstadt bei Pabst.) Ein gleichfalls zu empfehlendes Schriftchen, das noch mehr die Kindcsnatur berücksichtigt und mit noch größerer Vorsicht bei der Wahl der Themate verfahren ist, wenn es auch an Reichhaltigkeit des Materials und Grazie des Ausdrucks dem vorhergehenden nachstcht. Hingegen lernen wir in dem Verfasser des Derech lcmuna, I. H. Dessauer, (Erlangen bei Palm) einen Mann kennen, der durch Reichhaltigkeit des Stoffes, Klarheit und lichtvolle Anordnung interessante Darstellung der einzelnen Charaktere, warme und eindringliche Empfehlung der Religiosität und Sittlichkeit, seine Schrift zu einem höchst erfreulichen Geschenk für die israelitische Schuljugend gemacht hat. Wir dürfen ihr daher die vielfältigste Verbreitung versprechen. A n g e k o m m e n: Kohn, Antrittspredigt. Dmck nnd Verlag von F. Schuster in Hersfcld.