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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-11-06 · Heft 45 (6.11.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 45 (6.11.1842)
Date
1842-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei« Wochenblatt für^ die Kenntniß deS israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großhcrzo.il. Wcimarschem Land-Rabbin-n;n Stavt-Lengsfeld bei Eisenach. Nr. 45. Sonntag, den 6. November 1843. III. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Lheologifche Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen israelitischen Tempels in Hamburg. Mit einer Einleitung. (Hamburg bei B. S. Berendsohn.) (Schluß von Nr. 44.) „Aber — sagt man — der Tempel hat sich durch dieses rasche Verfahren isolirt." Es liegt in dieser Bemerkung ein Verkennen der Aufgabe. Der Cultus sollte geläutert und der Gegenwart naher gebracht werden. Der Tempel that dieses in seinem Kreise in der vorliegenden Form, deren Mängel keineswegs in Abrede gestellt werden sollen, die aber als wirksam erachtet wurde und sich als solche bewährt hat. Er mußte so weit gehen *) und Andere haben auf ihn, als den Trägrr einer zeitgemäßen Idee, zu achten, und dieselbe in ihren Kreisen nach den ihnen zulässigen Bedingungen zu realisiren. Indessen steht er im Grunde auch nicht isolirt; er hat sich nicht nur in Leipzig in ganz gleicher Form wiederholt, sondern ist auch anderwärts bei Reformen anregend und förderlich gewesen. Man erwäge noch außerdem, *) Seltsam! Während man dem Tempel von den meisten Seiten den Vorwurf macht, er sei zu weit gegangen, warfen ihm Andere mit Bitterkeit vor, er sei nicht weit genug gegangen. Aber der eine Vorwurf ist eben so ungerecht, wie der ''rre. daß die alte Cultusform als eine abgelebte und unwirksam gewordene kein allgemeines Band mehr binden kann, daß aber eine Gleichförmigkeit der Cultusreform, bei der endlosen Zersplitterung Israels und dem autonomischen Geiste so vielen seiner Führer, in's Reich der Einbildung gehört, und sich daher noch nirgend gezeigt hat. Wo ist der Wiener Tempel, wo die Kopcnhagener oder, irgend eine andere verbesserte Synagoge ohne Weiteres nachgcbildet worden? Welche steht nicht in diesem Betlachte isolirt? Jede Gemeinde berücksichtigt ihre Bedürfnisse und ihre Stellung und ist sich fast immer selbst maaßgebend, daher finden wir überall Verschiedenheit. Nur die Einheit der Idee ist überall nothwendig, die Form Idbt Verschiedenheit zu; der Idee aber entspricht die Forderung: bewahrt den eigenthümlichen Kern des Jsraelitenthums, und tragt ihn fortbildend durch alle Zeiten. Als den Centralpunkt, und somit als die religiöse Gesammtaukgabe, betrachten wir die Einheit der religiösen Idee mit dem Leben im.Geiste der Fortbildung. Die practischen Lebenselemente müssen von der religiösem Idee durchdrungen sein, die geläuterte Religionslehre muß sich mit den Lebensverhältnissen in einer reinen und erhebenden Harmonie befinden, das Wort muß eine That, das Bekenntniß eine Wahrheit werden. Hiezu ist dreie, lei erforderlich: 1) Verbesserung des Gottesdienstes, 2) wissenschaftliche Durchdringung und Läuterung des Rcligionsstoffes, 3) kirchliche Sanction des Bekenntnisses.

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