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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-10-16 · Heft 42 (16.10.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 42 (16.10.1842)
Date
1842-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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190 nicht dahin bringe«, wieder in seine Funktionen eingesetzt zu werde». Er reiste nach Deutschland, Polen, Italien und Piemont, um Subscriptionen zu sammeln, damit er seine Familie erhalten und eine vollständige Widerlegung'der Klagpunkte gegen ihn veröffentlichen konnte. Gegenwärtig befindet er sich in Paris, und hofft dort die Aufnahme zu finden, welche man ihm überall gewährte und wovon uns die zahlreichen Subscriptioncn, welche ihm geworden, überzeugen. Wenn man diesen Menschen sieht, so vermag man auch nicht einen Augenblick zu glauben, daß er mit Recht die Lcrfolgung verdiente, mit welcher der Fanatismus ihn überhäuft zu haben scheint. (Fortsetzung der Zuschriften der Holländischen Behörden an den Advokaten Lippmann.) III. Schreiben des Justizministcrs. Im Haag, den 21. April 1812. Es ist für mich eine angenehme Pflicht, der Forderung zu genügen, die Sic an mich gerichtet haben, indem ich Ihnen die schriftliche Erklärung zukommen lasse, daß, wie die Niederländer im Allgemeinen sich durch ihren ruhigen Charakter und ihre treue Anhänglichkeit an Vaterland und König auszeichnen, ebenso diejenigen unter den Niederländern, welche die jüdische Religion bekennen, sich dadurch ehrenvoll unterschieden haben. In den letzten Jahren gab es in diesem Lande Gelegenheiten genug, Beweise von Patriotismus und Bürgcrtreue zu geben. Die Juden haben sich ihrerseits auf eine Weise hierin betragen, die gleicher Weise ihr Herz und ihren Geist ehrt. Deshalb sind sie auch in unserm Vaterlande allgemein als gute Bürger anerkannt und betrachtet. Die Regierung ehrt sic als solche gern, und persönlich empfinde ich ein wahrhaftes Vergnügen, daß Ihr Wunsch mir die Gelegenheit gibt, dieses Zcugniß zu Gunsten einer zahlreichen und achtungswerthen Klasse von Niederländern abzugeben. Der Justizminister: Van Hall. IV. Schreiben^des Kriegsministers. Ter General-Direktor des Krieges erklärt durch Gegenwärtiges auf das Verlangen des Herrn S. P. Lippman, Ritters des niederländischen Löwenordens und Advokaten zu Amsterdam: daß nicht allein auf Grund der Anordnungen des Grundgesetzes des Königreiches und der Gesetze über die Nationalmiliz, die Israeliten dieses Landes ihre militärischen Verbindlichkeiten mit derselben Treue erfüllen, wie alle anderen Bewohner des Königreichs, sondern daß sie auch sehr häufig freiwillige Dienste nehmen, so daß cs letzterer Art gegenwärtig in aktivem Dienste Offiziere und viele Unteroffiziere und Militärs untern Ranges in den verschiedenen Korps der Armee, so wie auch Militärärzte, sowol in den Niederlanden als auch in Ost- und Weftindien giebt; daß sie sich stets gut und lobenswerth in ihrem verschiedenen Rang und Acmtern betragen, ohne jemals Ursache zu mehren Klagen oder zur Unzufriedenheit zu geben, als andere Militärs von anderm Glaubensbekrnntniß, so daß man in der Niederländischen Armee keinen Unterschied, keine Ausnahme in Betracht ihrer macht, und junge Leute jüdischer Religion, sobald sie die Befähigung und nothwendigen Eigenschaften besitzen, auf gleichem Fuß mit anderen jungen Leuten, Söhnen von Bewohnern des Königreichs, um Zulassung zu der königl. Militärakademie, bestimmt Offiziere im-Armeedienste und Beamte in der Marine zu bilden, im Königreich und in den Kolonieen, konkurriren. Im Haag, den 23. April 1812. List." (Schluß folgt.) (Fortsetzung des Artikels aus der Rheinischen Zeit.) „Die Zurücksetzung und Bedrückung der Juden, geht sie nicht aus derselben finstern Engherzigkeit, demselben unaufgeklärten Hasse hervor, welcher (zu schweigen von den Christenverfolgungen durch die Heiden) auch Christen gegen Christen gehetzt ha(? Will man den. Judeudruck rechtfertigen, so muß man cs auch loben, daß Protestanten von Katholiken feindselig behandelt wurden und noch nicht aller Orten zu ihrem Rechte gekommen sind, so muß man es auch ganz in der Ordnung finden, daß irländische und andere Katholiken noch protestantische Ungerechtigkeiten erdulden müßen. Oder will man behaupten, es dürften wohl Christen unter einander, aber nicht die Juden ihnen gleichgestellt werden? Dann müßte man cs den Juden übel nehmen, wenn sie aus ihre Religion denselben Werth legen, wie die Christen auf die ihrige; man müßte Anderen dasselbe Recht, welches man sich selbst nimmt, absprcchen. Kann eine Verblendung größer sein? Ist nicht die Religion zarteste Gcwissenssache? Und glauben denn nicht alle Religionspartcien an einen und denselbigcn Gott? Meinen sie nicht alle dasselbigc höchste Wesen, wenn sie Gott aurufen? Der Gott der Christen ist um nichts besser noch höher, als derjenige der Juden oder Muhammedaner. Wenn also ihr Christen die Juden oder andere Nichtchristcn wegen abweichenden Glaubens und Gottesdienstes von gewissen bürgerlichen Rechten ansschließt, so handelt ihr irreligiös. Die Feindseligkeit des „christlichen" Staates gegen die Juden ist noch aus einem besondern Grunde unerklärbar. Das Judenthum ist ja der Vater des Christenthums; nach der christlichen Rechtgläubigkeit selbst ist die mosaische Religion nothwendige Vorbereitung der christlichen. Welche bodenlose Undankbarkeit beging also das Mittelalter, indem es die Juden wie Hunde hielt! Und wie soll man es nennen, wenn noch das neunzehnte „christliche" Jahrhundert das Geburtsvolk seines Erlösers, des „Gottmenschen," in unwürdige Schranke» bannt? Wäre etwa die Nachwirkung des Hasses Schuld, mit welchem eifrige Christen auf die Mörder Jesu Christi blickten? Soll denn Rache sein, warum grausamer verfahren, als Gott selbst, welcher blos bis in's dritte und vierte Glied heim sucht? Aber zur Rache ist gar kein Eirund vorhanden. Nach der christlichen Glaubenslehre war ja Christi Tod nothwendig." (Schluß folgt.) Frankel in Dresden ist als Oberrabbine in Berlin mit großer Stimmenmehrheit gewählt worden. Das neue Betty-Heinesche Krankenhaus in Hamburg ist seiner Vollendung nahe. Desgleichen hat der Bau des neuen Tempels begonnen. Schließlich empfehlen wir unseren Lesern den bei Franz von Schmid und I. I. Busch in Wien herausgckommen jüdischen Kalender und Jahrbuch auf das Jahr 5603. Er enthält sehr schätzbare Gaben von den ausgezeichnetesten jüdischen Gelehrten, die um so allgemeineren Werth haben, als sie auch interessante Zeitschemate in populärer und dennoch gediegener Weise besprechen. An ge kommen: Die Juden in Oestrcich, erster und zweiter Band. Truck und Verlag von F. Schuster in Hersseld..

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