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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-09-18 · Heft 38 (18.9.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 38 (18.9.1842)
Date
1842-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ihrer Beurtheilung deS BildungSzustandrS und Fortschrittes der Juten einseitig nur von einzelnen ihnen bekannten Individuen aus der niedrigsten Klaffe auf das Ganze und Allgemeine schließen und somit auch, ohne irgend weitere böse Absicht, nur in dem Glauben, nach dieser ihrer eigenen Erfahrung pflichtgetreu ihr Unheil abgebrn zu müssen, uns außerordentlich viel Schaden zufügcn für jetzt und die Zukunft. Dieses letztere möchte sich noch wol jüngst bei de» Berathungcn über unsere bürgerlichen Verhältnisse bei Manchen bewährt haben. Denn bekanntlich (Allg. Zeit. d. Judenth., die Tricrsche und Rheinische Zeit.) sind jetzt alle Negierungen Preußens von dem Ministerium aufgefordert, Bericht zu erstatten über jden Bildungszustand und die Moralität der Juden in ihren NegierungSbezirken, ,von welchen Berichten die Berbcffcrung oder Verschlimmerung unserer Lage großentheils abhängt. Unter den vielen Gegenständen, über welche in den verschiedenen Provinzen berichtet werden soll, ist für die Rhcinprovin; auf dem linken Rheinufer angefragt worden, ob die Beibehaltung des sogenannten „kaiserlichen Trekrcts von 1808," also von über 30 Jahren her, noch ferner räthlich sei oder ob die Gründe, welche damals seine Einführung nothig machten, jetzt aufgchört hätten. Hierzu wurden natürlich gewiß zunächst von den Herren Ober-Slaatsprokuratoren Gutachten eingrfordert. Nach dem gewöhnlichen Geschäftsgänge zu schließen, ziehen die Regierungen wahrscheinlich wieder Berichte ein von! den Landräthen und diese von den Bürgermeistern, die Obcr- Staatsprokurakoren besonders von den Friedensrichtern. — Wenn nun auch die höheren Beamten — was ich zu meiner innigsten Freude selbst erfahren, sich längst zur Idee des 19. .Jahrhunderts, zur Idee der allgemeinen Menschheit und des gleichen Rechtes erhoben haben und überzeugt sind, daß auch der ungebildete Jude nur durch Erweckung seines Ehrgefühls gebessert, durch Erniedrigung und Verachtung hingegen verschlechtert werde, daß daher und aus vielen andern Ursachen die Abschaffung jenes veralteten und schmachvollen Gesetzes nothwendig sei, wenn sie auch längst fühlen, daß wir der Emanzipation würdig und daß wir für ein Jahrtausende lang ausgcstaudenes Unrecht, für frühere Unterdrückung und Knechtschaft endlich entschädigt werden müssen; wenn sie auch mit uns wünschen, daß bald alle Schranken, jeder Unterschied aufhörcn und wir unseren übrigen Mitbürgern gleichgestellt werden mögen, wenn sie selbst sogar hierfür begeistert sind und laut und kräftig das Wort führen: so ist doch gewiß auf der andern Seite sehr leicht möglich, daß der eine oder andere dieser cdcln Männer durch das Unheil der niedrigeren Beamte^ die nur mit Juden aus der untersten Klasse in Berührung kommen und dabei auf nicht ganz reine Thatsachen — wie dies doch bei Christen nicht weniger stattfindet und was sich bei den Juden durch ihre so mißliche Stellung noch eher entschuldigen läßt, — stoßen, von diesen einzelnen ungünstigen Fällen aber den Stab über die Gesammtheit zu brechen gewohnt sind, weil sie die edleren Bestrebungen und die schönen und guten Seiten meiner Glaubcnsbrüdcr nicht kennen, — ungünstig gestimmt werden und, wicwol ihr biederes Herz und die innige Ueberzeügung, daß Wir fast in keiner Beziehung unserttchnstlichen Mktbrübcrn nachstehend dagegen find, dennoch sich nicht zu unseren Gunsten aus sprechen. So betrübend dies auch für uns ist, deßungeachtet werden wir wenigstens das Unsrige thun und, wie sich auch immerhin unsere Verhältnisse gestalten mögen, ohne unsere Mangel und Fehler zu verkennen oder auch nur zu verschweigen, das Bewußtsein eines edcln Strebens nach dem Bessern in uns bewahren; dann wird uns auch die Anerkennung des Guten nicht fehlen und wir werden uns so immer mehr der Achtung und Liebe unserer Milbrüdcr, der Gunst unserer Vorgesetzten und der Gnade und des Rechts von Oben herab zu erfreuen haben. Damit diese aber immer größer und fester werden, ist Nichts wünschenSwcrchcr, als daß die jüdischen Zeitschriften und Zritblättcr mehr von Christen gelesen werden, wodurch alle eine vonheilhaftere Meinung von UNS gewinnen werden. Und nun erlaube ich mir noch schließlich die bescheidene «Bitte auszusprechrn: Möchten besonders die verehrten LandtagSabgeordnetrn,! denen laut Zeitungsnachrichten die n?ue Organisation der Juden zur Berathung vorgelegt werden soll, eine noch größere Kenntniß von den Verhältnissen und Fortschritten der Juden sich durch diese Schriften zu verschaffen suchen; möchten diese edlen Männer bei diesem ihrem heiligen Geschäfte doch bedenken, daß das Wohl und Wehe, das Glück und Unglück von 200,000 im Ebenbilds Gottes erschaffenen und ihrem Vaterlande und König treuen Menschen aus viele Generationen hinaus von ihnen abhängt. „Gott, der da Herz und Nieren Prüft, vergeltet Jeglichem nach seinem Thun!" Langsam und bedächtig, aber sicher und fest schreitet die dänische Regierung auf der Bahn des Rechtes "in Bezug ans die Bekenner der mosaischen Lehre fort. So hat sie jetzt an die zu NoeSkilde versammelten Stände eine Proposition gelangen lassen, in welcher sie für eine Verordnung -her die Art und Weise,, wie die Juden künftig beeidigt werden sollten, die Zustimmung der Stände fordert, um die bisher gültige inhumane Perordnung vom 15. September 1747 ausheben zu können. Hingegen will leider! Berlin in Beziehung auf die Rechte der Juden nicht einmal das ihnen von einer früheren erleuchteten Zeit Gewährte anerkennen. So meldet man von dort» „Kürzlich kam hier hei einer Stadtvcrordnetenwahl der Fall vor, daß ein Jude quf die Liste», der Kandidaten gesetzt wurde und die Majorität der Stimmen erhielt- Obgleich die Städte» Verordnung und das Judengesetz von» 11. März 1812 die Juden keineswegs von der Bckteidung der städtischen Aemter ausschlicßen, so machte doch der Vorsitzende den Grund der Religion geltend, um die Wahl für ungiltig zu erklären. Die mitstimmenden Juden sahen sich dadurch zu der Erklärung veranlaßt, daß sie künftig nicht mehr in den Versammlungen erscheinen würden. In Cassel ist der Landrabbiner Dr. Romann am 17. Aug^ mit Tod abgcgangcn. Er bekleidete diese wichtige Stelle'sechs Jahre und stand noch im kräftigsten ManneSalter. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersftld.

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