Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1842)
- Date
- 1842-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit veS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben. von Dr. M. Heß, Großherzogt. Wcimarschem Land-Rabbincn;u Stavt-Lengssclv, bei Eisenack,. 9tr. 37* Sonntag, -en 11 September 1842. III. Zahrgarrg» Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Die Rabbinatsangetegenheit in Breslau. Zweiter Artikel.' Unsere Leser erinnern sich, was wir in Nr. 28 und 29 dieser Blätter, über die vorbemerkte Angelegenheit gesagt haben. So viel uns auch damals schon Nachtheiliges über das Benehmen des Ober-Rabbinen Tiktin bekannt geworden, so mochten wir doch aus Schonung der amtlosen Stellung desselben und da uns jene Nachrichten nicht vollkommen verbürgt waren, keinerlei Gebrauch davon für die Oeffentlicbkeit machen, vielmehr tadelten wir die Fassung des Berichtes des Ober - Vorsteher - Collegiums und fanden die Maßregel der Suspension Tiktins zur Zeit noch nicht gerechtfertigt. Aufrichtig müßen wir es daher beklagen, daß der Letztere durch die Schrift, welche er selbst in der fragl. Angelegenheit veröffentlicht hat *) uns nun nöthigt, die schonende Rücksicht, welche wir seinem Stande schuldig zu sein glaubten, bei Seite zu setzen und dem Publicum «in nicht erfreuliches Bild von ihm zu geben. Fragen wir uns nämlich ganz unbefangen: Wie hätte Herr Tiktin, nachdem Geiger einmal ausgenommen *) Dieselbe ist betitelt: „Darstellung des Sachverhaltnißes in seiner hiesige« Rabbinats-Angelegenheit. Von S. A. Tiktiu, Ober-Rabbiner in Breslau." war, ihm und der Gemeinde gegen über handlen müßen? so können wir keine andere Antwort finden, als folgende: Es mußte allerdings kränkend für denselben sein, daß die Gemeinde, da er dem so mächtig gewordenen Bedürfnisse der Anhörung eines gebildeten gottesdienstlichen Vortrages nicht genügen konnte, sich genöthigt sah, deshalb zur Berufung eines als tüchtig bekannten Redners zu schreiten. Doch wäre derselbe nur in dieser Eigenschaft von der Gemeinde ausgenommen worden, so würde das weniger empsindlich für Hrn.lTiktin gewesen fein; er batte sich in seine Rabbinats-Würde gehüllt und mit Stolz aut den Gemeinde-Redner herabgesehen. Allein da die Gemeinde den Redner eigentlich als zweiten Rabbinen ausnahm, also damit zu erkennen gab, daß sie die Haltung erbaulicher Vorträge als den wesentlichen Beruf ihres Seelsorgers ansah, so mußte das allerdings Herrn Tiktin im Bewußtsein seiner eignen Unfähigkeit schmerzen, ja seiner persönlichen Verletzung einen tieferen, religiösen Character leihen, da die Gemeinde, ob ne seine Protestrtion zu achten, gerade einen Mann wählte, der entschieden dem von Hrn. Tiktin gehaßten religiösen Fortschritt zugethan war. Was mußte nun derselbe bei solcher Sachlage thun? daß er die Aufnahme Geigers für die erledigte zweite Rabbinenstelle zu Verbindern nicht das Recht' hatte, wußte er wohl; aber eben so wenig konnte cs ihm entgehen, daß die Gemeinde mit sehr wenigen Ausnahmen*) durch die Wahl Geigers *) Geiger wurde bekanntlich mit 56 Stimme» gegen eine ge..