Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1842)
- Date
- 1842-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei« Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben» von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wcimarschem Land.Rabdineu;u Sravt-LengSfeld, bei Eisenach. Rr. 3S. Sonntag, -en 4 September 1842. III. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Vermehrung -er Ceremonialsatznngen durch -ie späteren Rabbinen. *) Nach Maimonides versuchten es mehrere Gelehrte, Auszüge aus dem Talmud zu machen. R. Ascher, ein geborner Deutscher und zu Toledo in Spanien wohnender Rabbi war der erste, der sein Buch unter dem Titel Oscheri (n&'N) nach den Zeiten des Maimonides herausgab. Ihm folgten mehrere, aber keiner hat das Ansehen wie Maimonides erhalten. Seit dieser Zeit verlegten sich viele Rabbinen auf die Cabbala, viele commentirten einzelne Abhandlungen, oder Traktate (mrODß) des Talmuds, und einige den ganzen Talmud. So z. B. commentirte R. Jsimc Iarihy den ganzen Talmud. R. Jsaac aus Paris vertheilte die sechzig Traktate des Talmuds unter sechzig seiner Schüler, und gab einem jeden auf, den ihm zugetheilten Traktat, nebst den Commentar von Raschi wohl zu studiren. Als nun das geschehen war, _ trug er in Gegenwart aller dieser Schüler, durch dreißig Jahre alle Traktate des Talmuds vor, und jeder dieser Schüler machte die auffallenden, wirklichen oder anscheinenden, Widersprüche bemerkbar, welche auch mit vielem Scharfsinn (Chariphot ND'IN) und mit außerordentlicher Belesenheit (Bekioth mN'p2) widerlegt wurden, und so entstanden die Thosephot (ni£Cin) oder Zugaben, die gewöhnlich dem Talmud nebst dem Con mentar Raschis, als Randglossen beigedruckt werden. Mehrere verlegten sich auf die Casuistik. Sie schrieben die an sie ergangenen Fragen über zweifelhafte oder verwirrte Fälle in Betreff der (Zeremonien und beantworteten sie mit vielem Scharfsinn und Belesenheit, oft auch mit der albernsten Soplystik. Schriften dieser Art sind unzählige, indem jeder berühmte oder berühmt sein wollende Rabbi ein (Zollectaneum. zusammen trug, und so seine Gelehrsamkeit zur Schau ausstellte. Diese Art Schriften werden „Schaaloth uteschuboth^ nraT;l) genannt. Andere verlegten sich darauf, die Schriften des Mai. monides zu commentiren, und noch Andere verfertigten (Zommcntare über diese Commentare, und so kam es, daß was Einer zu verein rachen und zu conccntrircn suchte, Mehrere sich darauf verlegten, ihre eigene Brühe darüber zu gießen, und vermeinten durch ihre Eommentare zu verdeutlichen, indcß sie es mehr verwirrten, uno in die Lange und Breite zogen. So z B. war das mosaische Gesetz, wie der große und göttliche Lehrer es medergeschrieben hat, sehr einfach und verständlich, in einem mäßigen Buche zusammen getragen. R. Jehuda Hakadosch schrieb das mündliche Gesetz als Commentar des Schriftlichen, und es wurden daraus sechs Bolumstm. N. Aschy commentirte die Mischnah und daraus emsu.m die Gemara in zwölf starken Foliobanden, und diese - wurden abermals die Erklärung Raschis und der Thesi Phot beigedruckt. Dieses alles commentirten aber::/.'. Biele, als z. B. R. Salomon Luria , R. Z. muel Edel (xsnnc), N. Mayer Schiff uul. *) Nach P. Beer, Geschichte der jüdischen Scctcn.