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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-08-14 · Heft 33 (14.8.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 33 (14.8.1842)
Date
1842-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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134 Aegypten sagen, „wenn eine Maus den Käse angefressen, so heißt es gleich: die Mäuse sind's gewesen.« Aus der Praxis der Gerichte zum Glück verbannt, soll dieser Grundsatz, der jede Faser eines heutigen Menschen beben macht, nun als der Gipfel der Verwaltungsweisheit, natürlich nur in Betreff der Juden, gelten.« — Gegensätze. (Schluß von Nr. 32.) »Wie es nun auf der Hand liegt, daß die untere Stufe der Bildung der Zeit nach, die erste sein werde, und daß Völker, wie Individuen, in ihren ersten Lebcnsepcchen auf der Stufe des Materiellen, des Eigennutzes, der List und Gewalt, sich befinden: so zeigt es sich auch in der Entwickclungsgeschichte der Civilisation. Da, wo aller Wahrschciulichlcü nach, die Uranfänge des Staatslebcns zu finden sind, in Asien, entstanden zuerst die menschlichen Verbindungen unter diesen Urformen des Nicht-sittlichen, des animalischen Gesetzes, als Despotismus und Sklaverei, Gebundcnsein des Menschen in seinen ersten Interessen an die Gesetze der Thierheit, an die Generation wie die Pferderacen, und diesen analog; ferner als das Gebrauchen eines Andern, als wäre dieser ein bloßes Ding, kein Geist, kein moralisches Wesen; d. i. als Mancipium, als willenlosen Ein nothwendiges Correlat dieser Stufe der Jmmoralität des humanen Lebens ist das System herabsteigender Verachtung. Das einzig Achtungswürdige ist ja der Geist, der Geist in seiner Ursrcihcit; denn mit der Unfreiheit hört auch der Geist auf, zu sein. Ist dieser unter die Nolhwcndkgkeit organischer mechanischer Gesetze gezwungen, so ist auch die Achtung überwunden. Statt gegenseitiger Achtung eines Geistes vor dem Andern, ist jenes allgemeine Princip der Verachtung und, ihr entgegen, des Hasses, das Turchhcrrschcnde. Auch diese Wirkungen des Zustantes der Roheit der menschlichen Gesellschaft finden wir, als versteinerte Reste jener Urzeit, in Asien, besonders in Hindostan, wo sich noch gegenwärtig alle verschieden nüancirtcn Formen des unsirttichcn Sraatcs, die Kastcncinrichlung, Hierarchie der verwegensten Art (Ta-aismus) und das Feudalsystem neben einander finden. Jenes System von Verachtung das vom Allerhöchsten im Staate gegen den Hohen, von diesem gegen den Niedern hcrabsieigl uno eine immer größere Masse umfaßt, schließt endlich die große Volksmasse von jeder Berechtigung aus, die sodann sich nur noch dcß getröstcn kann, daß das gesammte Volk sich höheren Ursprungs, als alle andern Völker der Erde dünkt, und sich durch den Haß und die Verachtung gegen andere Völker wieder gewissermaßen emschädigt. Dieß ganze System der rohesten Staatcnbildung, die Stufe der Thierheit im Staaislebcn, finden wir, wie gesagt, in seiner alten Urgestalt in Asien, und von dort aus durch Geschichtsent- Wickelung abnehmend und gemäßigt bis in unfern Welttheil verbreitet. In Björnstierna's Werk, das britische Reich in Ostindien. 1839. p. 99 heißt cs: „In Rajestan dünkt man „sich ins Mittelalter zurückversetzt und ins ganze Wesen der „Lchnsherrschast. Auf jeder Bergesspitze sieht man befestigte „Schlösser mit Wällen und Wachtthürmen, die denjenigen nichts „nachgcben, deren Ucberreste noch die Ufer des Rheins und der „Donau zieren. Dort wohnt der Ratjcput umgeben von seinen „Vasallen gleich dem ehemaligen Lehnsherrn Europa's.« Die Lehre der Brahminen steht auf ähnlicher Stufe, und bildet eine Vermischung des Menschlichen und Animalischen, wie wir sie oben erklärt haben. Nach ihrer Lehre hat Brahma aus seinem Leibe den Menschen erschaffen und zwar aus seinem Haupte die Caste der Brahminen; aus seinen Armen die Krieger; aus seinem Bauche Kaufleute, Handwerker, Arbeitsleute, und aus seinem Fuße die unterdrückten Pariacasren; aber diese haben noch Untcrcasten unter sich selber in gleicher Abstufung wie bisher, von denen die letzte also verachtet und verfolgt ist, daß sie sich nicht am Tage sehen lassen, nicht ackern und pflanzen darf, und gcnöthigt ist, während der Nacht, um ihr elendes Leben zu fristen, Töpfe in die Dörfer zu stellen, in welche die Einwohner den Abfall ihrer Mahlzeiten werfen, die denn die folgende Nacht wieder von jenen Verstoßenen abgeholt werden. Lassen sie sich am Tage blicken, so werden sic ohne Erbarmen todt geschlagen, oder mit Pfeilen, wie wilde Thiere erschossen. Es ist begreiflich, daß die höhere Denkweise des Volkes diesem Zustande der Civilisation entspricht, es ist ihre Religion nach allem, was wir von ihr wissen, ein Naturdienst und dessen hohes Mysterium ein sexuelles, die natürliche Liebe. Der thierische Prozeß der Zeugung, dargcstellt im Gotte Ligam, dem Phallus und Priapus anderer Völker gleich an Bedeutung, gicbt uns die höchste geistige Idee jener Völkerschaften; das nothwendige Gesetz der Natürlichkeit übcrhcrrscht alle ihre Institutionen, und in ihr liegt die ganze Fülle der Unterdrückung und der Verachtung des Geistes im Menschen. Dieses Princip hat sich denn von den Hochebenen Asiens aus wahrscheinlich mit den fortwandernden Völkern bis nach Europa verpflanzt; doch ist cs offenbar in Europa erst im Mittelalter herrschend geworden, während ihm vermuthlich eine Verfassung vorangegangen ist, die eine noch frühere Epoche darstellt, nämlich die, der wilden Stämme Amerika's, wo sich die ungeordnete Masse des Volkes von dem Ertrage der Jagd, von den Gaben der Hausthiere und von dem nothdürftigen Ackerbau ernährt und sich gelegentlich nur, wenn'S zum Krieges-, zum Rache- oder Raubzuge geht, den Stärksten zum Führer setzt, ohne daß diesem damit bleibende Vorrechte eingcräumt würden, wie die der Heroen und des Adels. Dieß ist denn die allcrniedrigste Stufe der Gesellschaft, und dieß war ungefähr die Gestalt des übrigen Europa, namentlich Deutschlands, als es mit Rom zuerst im Conflict kam.« Truck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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