Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1842)
- Date
- 1842-06-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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98 Franz kurz vor seinem Hintriti ausgesprochen wurde, deren Ausführung aber an finanziellen Rücksichten scheiterte. Wo Gewissensfreiheit und Achtung des heutigen Menschenrechtes so lange heimisch ist, wie in den Vereinigten Staaten Nordamerikas, muß sic auch in Hinsicht der Gesinnung gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens von der heilsamsten Wirkung sein. Dort ist keine Spur von der verächtlichen Meinung über den Israeliten, die der Europäer öfters mit der Muttermilch einsaugr. Der christliche Bewohner der Vercinstaatcn hat, dem Juden gegenüber, gegen kein Vorunheil anzukämpfen, er ist daran gewöhnt, den Menschen nach seinem Wandel, nicht aber nach der Art und Weise zu beurtheilen, wie er zu Gott briet. Dadurch daß die Civilehe eingeführt ist, sind die Verbindungen zwischen Juden und Christen nicht selten, und als Beispiel der Toleranz der katholischen Geistlichkeit wird erzählt, daß ein aus einer Jüdin und einem Protestanten bestehendes Brautpaar, nachdem cs die Ehe vor dem Märe geschlossen hatte, dieselbe von einem katholischen Geistlichen einsegnen ließ. Ueberschwänglich klingt auch die Freisinnigkeit der Gemeinden. So sind unter den 700 jüdischen Familien in Louisianna nur vier, welche die thalmudischen Speisegesetze beobachten, nur zwei, welche den Sabbath feiern, und kaum ein Drittel, der die Kinder beschneiden läßt. Die reichen Israeliten in Hamburg bewährten ihren Wohlrhäkigkeitssinn sowohl während der drei Schreckcnslage, als nachdem diese vorüber, die Noth aber erst recht sichtbar ward. Außer den vielen abgebrannten jüdischen Wohnungen verzehrte auch das Feuer die Svnagoge in der alten Wallstraßc, die Svnagoge der poriugiesischen (Gemeinde, und eine Klaus, die durch eine fromme Sriilung begründet ward. Die portugiesische Gemeinde ist am übelsten daran, da sie sehr klein ist, und nur über geringe Mittel verfügt. Äußerungen eines christlichen Gekehrten über die E-rancipation der Juden. (Schluß von Nr. 23.) #»Xic Juden und immer noch ein fremdes Volk unter den europäischen Völkern: stc haben in ihrer erzwungenen Absonderung cigcnthümlichc Tugenden und rasier, sie haben einen fremdartigen Natienalcharacktcr mit einer Treue bewahrt, die mehr zur B.wunderung, als zum Hasse stimmen sollte. Jndcß sie haben auch bewiesen, daß dieser Charakter sich mit den verschiedensten Zuständen zu vertragen weiß, und unter römischer, christlicher, mubamcdanischer Herrschaft, überall sind sic gehorsame, ruhige Umerrhanen gewesen. Diejenigen Eigenschaften, die man bei ibncn bemerken will und ans denen bei verderblicher Ausartung Nachtbrile für die bürgerliche Gesellschaft erwachsen könnten, scheinen wesentlich durch die Gcschäftsweisc erzeugt oder verstärkt worden zu sein, aus welche christliche Intoleranz die Juden beschränkt har, nur jedenfalls werde'.! sie durch fernere Absonderung nicht verdrängt, sondern beftftigl werden. Die Gesetzgebung Zrv.il und Verlag v-.u sollte aber dahin streben, dieses Volk, das man noch als ein fremdes betrachtet, dessen Väter aber schon unter unS gewöhn, haben, und das wir von seiner und unsrer Heimath nicht vertreiben können, so mit dem übrigen Volke zu verschmelzen, daß eö nicht mehr ein abgesondertes Volk, sondern nur noch eine verschiedene ReligionSparthei bilde. Die Gegenwart schämt sich des früheren NeligionshasseS, obwohl sie sich noch lange nicht ganz desselben entäußeri hat. Es ist nicht gerade lebhafter Antheil, den man an der Sache der Religion nähme — eine wahre und reine Religiosität könnte natürlich nie zum Haß führen, — aber cs ist die so vielen Menschen eigne Mcinungstvrannci, der Widerwille gegen eine abweichende Denkweise, der noch immer Biele bei ihren Handlungen leitet. Jndeß man gesteht das weder sich noch Andern ein und wagt es nicht, den Latz zu läugnen, daß Niemand um seines GlaubcnSwillcn bedrückt werden dürfe. Den Inden gegenüber aber soll man noch immer, wenn es nach den Wünschen so Mancher gicnge, an den alten Beschränkungen festhalten und da die Gegner der Juden eS nicht mehr wagen, die Beschränkungen durch Gründe des NeligionshasseS zu rechtfertigen, so suchen sie nach allerlei Ursachen, denen es nur zu deutlich anzumcrken ist, daß es nur Gesuchte sind. Die Erfahrung lehrt uns, daß in den Staaten, wo das EmancipationSwcrk vollendet worden ist, sich keine praktischen Nachtbeile ergeben haben. Es ist auch sehr erklärlich, daß, wo die Juden von einzelnen Gcwcrbszweigen ausgeschlossen sind, sie sich in denen dafür bemerklicher machen, die ihnen noch offen stehen, und so lange noch RechtSunglcichbe.k zwischen Juden und Christen ist, werden die Juden immer den Charakter der Absonderung zu bewahren veranlaßr sein. Machen die Christen keinen Unterschied mehr zwischen sich und den Juden, begründen sic wenigstens keine künstlichen Unterschiede, so werden auch bald die Inden keinen mehr machen und mit der entfernten Verschiedenheit der bürgerlichen Lage, werden auch noch viele andere Verschiedenheiten schwinden." □ 'mro c’N's: mir. Bei Veit und Comp, in Berlin sind erschienen und durch F. Schuster in Hersseld und Homberg zu beziehen: Die vier und zwanzig Bücher der heiligen Schrift. Oder Bivel fit* Zfraeliten. Nach dem masoretischen Texte. Unter der Nedaction von I-r. Zrrnz übersetzt von H. Skrnheim, ®r. Kulms Fürst, »r. M. Sachs. Nebst der gratis beigefügten Zeittafel über die gcsammte heilige Schrift von Dr. Zun;. 52 Bog. tfrr. 8. auf weißem Druckpapier lür 1 Schuf:7 7 in Hersseld.