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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-06-05 · Heft 23 (5.6.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 23 (5.6.1842)
Date
1842-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit veS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, C'roß!,er;ogl. W-imarschcm Lanv-Rabbinen;« Sravt L-nqsrclv, bei Sisenacb. 3fr. 23 Sonntag, den 5. Juni 1842. III. Jahrgang. AI Otto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Das Geben Jef« und feine Gehre. Aus dem Französischen von H. Jacobson. (Dresden. Walther'sche Hofbuchhandlung.) (Beurtheilt von L. Adler in Stadt Lengsfeld. *) „Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun." Denn nichts Geringeres als Könige im Reiche des Geistes find die Verfasser der Evangelien. Wie der Knabe über dem Schmetterling, den er am Faden flattern läßt, wie der Jäger über dem Falken, der rubt, steigt und auf seine Beute stößt, nachdem die Kappe ihm sitzt, so hoch stunden jene Männer über einem großen — und wahrlich! nicht eben schlechtesten — Theile der Menschheit. Keine Straße der Wissenschaft sehen wir seitdem so beharrlich und reich befahren, wie die nach jenem Königsitze. Königsitze? Das ist eben erst eine der vielen Fragen, welche seit anderthalbtausend Jahren die Kärrner mit kostbgrer und minder kostbarer Fracht beschäftigt. Wohnt wirklich das Erhabenste, das Reinste, die schlakkenlose Moral in den Evangelien? Ist Alles Gold, was im Strahle der frohen Botschaft glanzt? Und wenn auch, so bleibt doch noch die Frage: Ist denn auch die lautere Moral mit dem Evangelium erst geboren, wie die Schnecke mit dem Hause? Findet sich nicht auch das *) Der enge Raum unseres Blattes nothigt uns das vor uns liegende Manustript des vcrebrllchcn Verfassers nur im AuSzuge zu geben. Red. Höchste in frühem und gleichzeitigen Schriften? Diese und unzählige ähnliche Fragen werden von christlichen und jüdischen gelehrten Kärrnern verschieden beantwortet. Was die Letzteren betrifft, so theilt sich der Kreis ihrer Ansichten in drei Winkel von verschiedener Größe, deren Schenkel ihren gemeinschaftlichen Scheitelpunkt in der Annahme haben: Jesus war ein Wesen, das da menschlich lebte, menschlich lehrte, menschlich fehlte und menschlich starb. Der eine Theil schweigt scheu, ja denkt scheu über das Panier des christlichen Lagers, es sind die gebrannten Kinder des Mittelalters; der andere schimpft grimmig, er laßt nur das gelten, was der Verfasser des berüchtigten W' n"6in erzählt; der dritte Theil endlich, ein gar mannigfach schatrirter, ist derjenige, welcher in der Erscheinung Jesu und deren Erfolge eins der größten weltgeschichtlichen Ereignisse erkennt, und es für -unverzeihlich halt, ein so wichtiges Blatt in der Geschichte des menschlichen Geistes ungelesen und unerforscht zu lassen. Von dem Augenblicke an, da das Christenthum auf Katholizismus Anspruch machte, und Nüancen in seinem Schooße nicht duldete, dem Philosophen wie dem Theologen ein Christusbild vorgehalten ward mit der Forderung: „Entweder davor gekniet, oder zu zeitlicher und. ewiger Qual verurtbeilt!" war das Zeitalter der religiösen Schroffheit gegeben. Das Häuflein Juden folgte natürlich der gegebenen Richtung. „Ihr verschließt euren Glauben hinter Schloß und Riegel, daß nichts aus und eingehe, ihr befestigt euer neues Zion und bestellet Wächter drüber Tag und Nacht, da waren wir

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