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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-29 · Heft 22 (29.5.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 22 (29.5.1842)
Date
1842-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Das gibt abermals unseren Hoffnungen die froheste Bürgschaft, das zeige abermals, daß dieselben nur ein Thcil von demjenigen bilden, was alle Erleuchteten von dem Fortschritte unserer Gesetzgebungen erwarten; denn nähern sich diese mehr ihrem Ziele, verwirklichen diese die Ideen der früheren Gerechtigkeit und Humanität, die da längst in den Herzen aller Wohlgesinnten glühen, so wird und muß auch die jüdische Frage ihre Erledigung im Sinne der Gerechtigkeit und Humanität finden. Ein seltenes Beispiel aufopfernder Menschenliebe gab aber kürzlich ein Israelit in Rußland. Auf einem Edelhofe brach Feuer aus und bereits stand das Haus dcS Amtmanns iu Flammen. Der Israelit dieses gewahrend stürzte sich in die Wohngemächer und rerrcte die Familie des Amtmanns. Tages darauf starb er an seinen Brandwunden. Geiger hat durch die edle Freimüthigkeit, mit welcher er sich in dem neuen Hefte seiner Zeitschrift ausspricht, sich ein neues Denkmal des Ruhmes gelegt. Zn einem Artikel erklärt er sich unumwunden für das biblische Zudenthum, und dringt auf energischen Fortschritt in Wissenschaft, Cultus und Vvlksunterrichr. Der Abschluß (sagt er) im Gebiete des Geistes ist der Tod und auf den Tod folgt die Verwesung. Laßr doch den Geist, wie er lebt und kräftig ist, im Zudenihumc, den Geist der Wahrheit, der immer baut und nicht zerstört, höchstens zerstörend baut, laßr-ihn doch walten und tretet ihm nicht mit euren Bauplänen entgegen, und setzet ihm nicht die Grenzen, bis wie weit er vordriuge. Zn einem anderen Artikel bezeichnet er eine nüchterne, wörtliche und inhaltliche Auffassung der Bibel zugleich mir dem Bewußtsein über den Gegensatz, welchen der Tbalmudismus und Rabbinismus dagegen bilden, als die Ausgabe der wissenschastlichen Thätigkeit der Neuzeit, und weist nach, daß der Thalmud es mit seinen sonderbaren Deutungen im vollen Ernste gemeint babc, und nur im Norhsallc sich aus das Gebiet dcS natürlichen Schriftsinncs zurückziehc. ^rrrze Anzeigen und Kritiken. j. Die Probe- und die Antritts-Predigt von Dr. M. Loewe, Religionslebrer und Prediger in Güstrow. 2. Den Eltern wohtthun, der Kinder höchstes Glück, Predigt von demselben. (Güstrow, bei Opitz und Comp.) Bei der Krisis, in welcher das heutige Judenthum sich befindet, bei dem neuen Wege zum Heile und zur Wahrheit, den jeder neue Rabbine anbahnen soll, muß auch jede Probe- und Antritts-Predigt ein Jmerege haben. Die Vorliegenden bekunden aber einen solchen Fluß der Rede, eine so geschickte Handhabung bibliicher unk thalmudischcr stellen, überhaupt eine so vollendete Form, daß sic als die Gaben eines Mannes, der eben erst den Beruf der Verkündigung des göttlichen Wortes übernommen, aus das Freudigste überraschen müßen. Ein Gleiches ist bei der unter 2 der Fall, und wir können „ns demnach von der Zukunft des Vrrraßers einen reichen Gewinn für die israelitische Homilc- '•t versprechen. Der jüdische Alexandrinismus eine Erfindung christlicher Lehrer. Von I)v. Kirsch bäum (Leipz. Fritzsche.) Wahrlich eine merkwürdige Schrift, merkwürdig durch die Paradoxa, welche sie vertritt. Nicht nur sucht sie darzuthun, daß der jüdische Alexandriiu'smus eine Erfindung christlicher Lehrer sei, daß diese eine Sammlung von Aufsätzen in Umlauf gebracht, denen sic den Namen Philo vorangesctzt, sondern es wird auch behauptet und mit vielem Scharfsinn zu begründen gestrebt daß die babylonische Gefangenschaft zweihundert Jahre gedauert, daß man nicht wiflc, oh Moses, Likurg u. A. Personen, oder Verhältnisse bezeichnen; daß das hohe Lied erst zu den Zeiten des Barkocheba gedichtet worden, daß der Verfasser des Ezechiel dem Cicero nachkopirt, u. A. m. Wir können nicht in eine nähere Prüfung dieser jedenfalls interessanten Schrift eingchen, sondern begnügen uns, unsere Lehrer auf sie aufmerksam gemacht zu haben. K. Sidon, Geschichte der Juden in Sachsen (Leipzig bei Fritzsche). Bei dem Dunkel das wegen der dürftigen geschichtlichen Quellen über der späteren Geschichte der Juden schwebt, muß jedes Schristchen, das zur Aufhellung dieses Dunkels beiträgt, willkommen sein. Dem Verfasser gebührt noch das Lob, daß er keine Mühe scheute, zum Besitze der vorhandenen Quellen zu kommen, und sie mit einer Umsicht und einem Fleißc benutzte, der den vortheilhastestcn Einfluß auf seine Schrift ausübte. Der Werth derselben wird noch durch die Vorrede, mit welcher Professor Bülau in Leipzig sie begleitete, erhöht. So edel, freisinnig und human hat lange kein deutscher Professor sich über chic Rechtsansprüche der Israeliten vernehmen lassen. Wenn diese Gesinnung das Gemeingut des sonst so biederen Sachsen-Volkes wird, so wird der Wunsch, welchen der Verfasser dieser Geschichte am Schlüsse ansspricht, dass es von jetzt an keine Geschichte der besonderen Rcchlsverhattniße der Juden im Vatcrlandc mehr geben möge, nicht bloß ein frommer Wunsch sein. Frankel (Oberrabbiner in Dresden), Di?Eidesleistung der Juden. (Dresden und Leipzig, Arnold'sche Buchhandlung). Gern bringen wir diese Schrift mit der Anzeige der vorgenannten rn Verbindung; denn der geehrte Versager hat ganz Reckt, wenn er sagt: der sogenannte Jndencid steht nicht als ein Jsolirtcs, Abgerissenes da, sondern er ist ein Eckstein des in sich so fest gegliederten, in seinen Grundfesten nicht mehr erschütterten Vornrkhcilrs, das sich dem Inden in allen Lagen des Lebens hemmend cntgcgenstcllt. In der Weise, wie eine Staatsrcgicrung den Juden die Eidesleistung vorschrcibt, liegt die Manifestation der Meinung, die sic von dem Inden hegt. Das beweist leider das bunte Gemisch der Gesetze über die Ableistung des jüdischen Eides, wie wir es noch in den deutschen Staaten vorfinden, und dem das arge Vorurtheil zu Grunde liegt, daß der Israelit den Eid nicht verbindlich halte, wenn dcgen Ableistung nicht unter Fluchen und Verwünschungen, und allen den abschreckenden Formen, die der finstere Geist des Mittelalters cingeführt, vor sich gehe. Ter Versager weist nun ganz auf dem Standpunkte des jüdischen Kirchcnrechtcs nach, wie der Eid ganz einfach abgenommen werden könne. Bereits war seine gediegene Schrift in dem sonst noch nicht vorurtheilsfreien Sachsen von dem besten Erfolge, und wir wünschen daher um so mehr, daß sie recht vielen Staatsmännern und Regierungen in die Hände kommen möge. Druckfehler in Nr. 20, j> 80, Itc Sp., Z. 14 v. o. muß eS heißen „ewigen" statt „einigen"; Z. 1b das. ist zwischen „sie" und „bcurrheilt" das Wörtchen „milder" cinzuschalten; Z. 27 ist das Wörtchen „es" zu streichen. Truck und Verlag von F. Schuster iu Hcrsselr.

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