Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1842)
- Date
- 1842-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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86 aatreibt zum Fortschritte, zur nützlichen, segensvollen Entwickelung unserer Kräfte und Anlagen, wenn es uns hinanzicht zur Höhe der menschlichen Bildung, zur Theilnahme an Allem, was groß ist und herrlich auf Gottes Erde, in Gottes Menschheit, wenn! es jedes Hindcrniß der freien Selbstbestimmung, der freien zwanglosen Entsagung und Entfernung von böser Gemeinschaft zu be- I siegen und zu beseitigen uns bestimmt, wenn es dem Einflüße der Schlechtigkeit und der Niedrigkeit, mit denen wir so oft im Leben in Berührung kommen, uns entzieht. Das ist die wahre Erfüllung des Gesetzes." »Einst (bemerkt der Vcrfaßer weiter in Beziehung auf die Jugend-Erziehung) war diese Ausgabe einfach und leicht. Die Väter und Mütter, sie waren die Wegweiser ihrer Söhne und Töchter auf dem Rcligionsgebietc, das Beispiel und Vorbild jeuer genügte diesen zur Nachahmung, wenn auch schlecht waren Lehre und Lehrer und Schulen. In den engen Kreis der Familie meistens eingcschlosscn, in Umgang und näherer Berührung auf den engen Kreis der Glaubensgenossen beschränkt, blieb auch die Jugend in der Regel ohne viele künstliche Mittel der Religion erhalten und zugcchan. Das hat sich geändert, der Kreis hat sich geöffnet, die Schranken der Ausschließung, die Schlagbäume der GlaubenSverschiedenheit im Leben sind gefallen, fallen täglich mehr. Deine Söhne und Töchter treten jetzt gar bald hinaus in die Wclr und lernen sie kennen mit ihrer Lust, mit ihren Freuden, und schlürfen oft mit vollen Zügen den Becher dieser Lust, und werden dahin und dorthin gezogen zur Theilnahme und zum Mitgenusse, und werden erfüllt von gar manchen Eindrücken, und werden ergötzt und zum Anrhcil an gar Manches, was die Gegenwart Neues bietet, hcrangcrufcn. Und der Anthcil an die alte Religion, an das alte Erbe der Väter? O, wie oft ist der dabei gefährdet, besonders dann gefährdet, wenn die rechte Lehre gefehlt hat und die rechte Leitung, wenn die Jugend nur das Aeußrrr, in manchen Theilcn Baufällige des heiligen Tempels und nicht auch die inneren lichten Räume geschaut." (Schluß folgt.) Wie jeder Kamps gegen das Bcßcrc den Eifer für dasselbe nur mehr stählt und seine Vertreter mit größerer Energie auftrrrrn läßt, beweist auf's Rene das Beispiel der Londoner Wcstfvnagogc. Zu was hat cS geführt, daß das Rabbinat sic so heftig anftindetc, daß Monrcfiorc sich weigerte, selbst ihren Sekretär als einen Beamten der Synagoge anzuerkcnncn? Der Verein har durch das Organ jenes Predigers nun erklärt, daß er sich nicht zu dem mündlichen Gesetze in der gewöhnlichen Weise bekenne, sondern demselben nur historische Wichtigkeit beilege. Dieses Errigniß ist von großer Bedeutung und wir sehen seiner Entwickelung mit gespannter Erwartung entgegen. Auch Polen scheint nach und nach in die höhere Richtung der Zeit einzi,gehen. So hat Wrcschcu (Großherzogthum Posen) neuerdings einen wissenschastlich - gebildeten Rabbinrn gewählt und Gncsen und Brombcrg wollen bald diesem Beispiele ./Der Nachtheil (bemerkt eine jüngst erschienene Schrift), den der Gesetzentwurf über die Eorporationsversirssung der Juden in Preußen dem Staatsganzen bringen würde, liegt in dem Verluste von so vielen tausend bisher dem Staate in Liebe hingegcbcnen Bürgern, die zwar mit ihren materiellen Gütern dem Staate angehören, Ausgaben machen, Abgaben zahlen würden nach wie vor; aber die mit ihren geistigen und moralischen Kräften dem Staate verloren wären. Auch ist in einem Militärstaate, wie der preußische zu sein gezwungen ist, die Mannschaft von zwcimalhundcrttauscnd Seelen kcrncswegcs etwas so ganz Unbedeutendes. Im Frieden kann der Staat allerdings des jüdischen Militärs entbehren — aber auch im Kriege? Wird der Staat in der Provinz Posen, bei der eigcnthümlichen Beschaffenheit der dortigen Zustände, die waffenfähigen Männer von 77,000 Einwohnern jüdischen Glaubens, an deren acht preußischer Gesinnung nicht gczweifelt werden kann, im Kriege unbenutzt am heimischen Heerde lassen? Im Falle der Noth aber die Vaterlandsliebe und die Tapferkeit von Männern anrufcn, die man früher ohne Grund für Acraricr gehalten: das vertrüge sich mit der Ehre des preußischen Staates nicht." In gleich edlem Sinne spricht sich die Aachener Zeitung aus. »Hier (sagt sie) ist von mehr als den Juden, hier ist von einem Rechtsprinzipe, von einer weiter eingreifenden Staatsmaßrcgcl die Rede, und Niemand darf schweigen, wenn man die Negierung nur dem Verdachte aussetzen will, als konnte sie das eine verletzen, in dem andern Punkte einen Rückschritt machen wollen. Ten Juden wurde 1612 völlige bürgerliche Gleichheit versprochen. Es mögen — wir kennen sie nicht — Verhältnisse cingetrctcn sein, Gründe obwalten, welche cS nöthig machen, die Erfüllung eines Versprechens aufzuschieben, denn vor höher» Rücksichten müssen geringere zurücktrctcn. Aber w.e kann einem Versprechen-so zuwider gehandelt werden, daß man, im Gegensatz zu den Wünschen der Bcthelligteu, etwas thut, was die Erfüllung desselben auf alle Zeiten unmöglich macht? Wenn ein Thcft des Volkes sich bereit gezeigt hat, alle seine Pflichten -gegen den Staat zu erfüllen, wenn er diese noch erfüllen und sich würdig machen will, auch aller Rechte thcilhaftig zu werden, so hat man nicht nach einer Nationalität zu fragen. Was heißt hier Nationalität? Worin liegt sic? In der Physiognomie,, im Glauben, in der Beschäftigung? Die erste ist dem Stcuerempfängcr sehr gleichgültig, an der letzter» ist der Staat Schuld, welcher die andern unmöglich macht. Etwa im Glauben? Und hier wird die Frage schon allgemeiner und erregt größere Furcht. Der Staat soll unabhängig von der Kirche sein, aber darum auch der Glaube unabhängig von dem Staate; es ist besser für den Staat, wie für den Glauben." Auge kommen: Meyer, Israelitischer Musen - Almanach; Fraenkcl das Bckcnntniß de§ Proselyten. Zur Nachricht: Nicht geeignet zur Aufnahme ist der Aussatz von L. Sar in P. über die Nccension des »6hz'Q2' pr*. Druck und Verlag vvri Z- Schuster in Hers»cld.