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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-05-22 · Heft 21 (22.5.1842) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 21 (22.5.1842)
Date
1842-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit deS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Gro»!,er;oal. Weimar,'chcm i'and-Raooinen;u Sravt LenqSfelV, bei Eisenach. Rr. TL Sonntag, den 22. Mai 1842. III. Jahrgang. Alotto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Kubische Briefe. Zur Abwehr und zur Verständigung. Von Gabriel Rießer. 2tes Heft. Berlin, Beit u. Comp. 1842. (Schluß von Nr. 20.) Du fragst, (beginnt der zwölfte Brief) ob ich in Nro. 45 und 46 von Gutzkow's Telegraphen die Recension des Herausgebers über S t'e inheims Meditationen über die Verhandlungen der Holsteinischen Stande» Versammlung gelesen habe, und was ich dazu sage. Von der Lectüre komme ich so eben, sie enthält Manches, was der Widerlegung bedarf und werth ist, und ick für mein Lheil bin dazu um so mehr berufen, da sich ja der Tadel des Recensenten an einer Stelle beiläufig auf mich mit erstreckt. Ich fange mit der Stelle an, da sie gerade zu den bezeichnenderen gehört. „Sie" die jüdischen Schriftsteller, heißt es hier, „kämpfen nur gegen unsere christliche Tyrannei und vergessen, daß die Stellung der Juden in Deutschland eine Folge des Vorurtheils ist. Vormtheile laßen sich allerdings beim Gebildeten wirksam bekämpfen; aber auch selbst' bei diesem nicht so schnell ausrotten, als sich Rießer, Stein heim u. A. einbilden." Aus welcher Stelle meiner Schriften hat der Recensent diese Einbildung herausgelesen? Mein unmittelbares Streben war nicht einmal auf Beseitigung des Vorurtheils, sondern des politischen Unrechts gerichtet. Letzteres läßt einen schnellen Fortschritt ohne Zweifel eher zu, als ersteres, bei dem einen kann ein bestimmter Act der Gesetzgebung, die Schöpfung eines geschichtlichen Augenblicks helfen, bei dem anderen nur die Umgestaltung der Gesinnungen. Auch fallt der Anfang meiner allerdings bisher fast erfolglosen Bestrebungen in eine Zeit, wo ein flüchtiger Aufschwung des Völkerlebens die täuschende Hoffnung auf rasche Fortschritte, auf Tage des Sieges entschuldigen mochte. Dennoch habe ich gleich in der Vorrede zu meiner ersten Flugschrift mein Streben als die Aufgabe eines Lebens bezeichnet. Wo ist denn die Einbildung von „schnellem Ausrotten," von einer Wirksamkeit „über Nacht" wie es weiterhin in demselben Zusammenhänge heißt, auch nur auf dem politischen Gebiet, geschweige auf dem moralischen? An die Anklage sind wir übrigens gewöhnt; sic ist eine der häufigsten und, ich glaube, der ungerechtesten, von denen jedes freisinnige Streben, auf welchem Felde es sei, betroffen wird. Weil der Gedanke die Gewißheit seiner Verwirklichung in sich tragt und sein Ziel daher stets in lebendiger Gegenwart vor sich sieht, weil er die Schranken der Zeit nicht kennt und mit Geistesschnelle mißt, weil die Idee in dem Bewußtsein ihrer Ewigkeit den Augenblick nicht achtet und seinen zähen, Widerstand, darum glaubt man denen, die von ihr erfüllt sind, den Vorwurf machen zu dürfen, daß sie alles auf einmal zu erreichen hoffen. Kennt der die Weite des Weges nicht, der das Ziel klar und fest im Auge halt? Kennt der den Kampf nicht, der des Sieges 'der guten Sache ge-

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