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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-04-24 · Heft 17 (24.4.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 17 (24.4.1842)
Date
1842-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«8 sein Selbstbewußtst!» und durch fein Selbstbestimmcn ein selbstständiger, freier Geist, er ist Gott." — Kann aber dieser Beweis als zureichend erkannt werden? Nach des Verfassers Grundidee ist die Welt nicht die Schöpfung, sondern die Manifestation Gottes, das, wodurch die höchste Idee zur Erscheinung, rur sichtbaren Wirklichkeit gekommen. Wenn dem aber so ist, woraus will er denn beweisen, daß die Welt nur ein wahrnehmbarer Gedanke Gottes sei, und nicht vielmehr dieser ihr immanire? Ueberhaupt hat uns das unangenehm berührt, daß der Verfasser mit ein Paar Federstrichen die letzte Consequenz der neuesten Philosophie zu beseitigen suchte, da die Wichtigkeit der Sache zumal bei dem philosophischen Standpunkt, auf welchem der Verfasser sich von vorn herein stellte, ihm ein tieferes Eingehen in die neueste Weltanschauung und ein ausführlicheres Besprechen derselben, zur Pflicht machte. Wahrhaft erhebend ist, wie wir schon gesagt, die geschichtliche Ansicht des Verfassers, die sinnigfromme Weise, mit welcher er die Entwickelungsgeschichte des Iudcnthums verfolgt. Doch darf man auch hierin nicht zu weit gehen. Das geheime Räderwerk der Welt bleibt dem kurzsichtigen Mcnschenauge gar oft verborgen. Wir müßen daher auch nicht glauben, jede geschichtliche Erscheinung verstehen zu müßen. Genug, daß die Zdee der göttlichen Erziehung der Menschheit (oder, wie die Hegelianer sagen würden, die Weltgeschichte, die ewigfortschreitende Manifestation Gottes) uns die Ueberzeugung gibt, daß die Menschheit im Ganzen stets fortschrciten, und daß demnach das, welchem absoluter Werth mangelt, doch einen relativen haben müsse, d.h. nach der Beschaffenheit einer gewissen Zeit doch zur Weiterführung der Menschbeit beigetragen. Dieses überall nachzuweisen ist aber schwer, ja oft bei unserer mangelnden Kenntniß des Ganzen nicht einmal möglich, vor Allem aber muß man sich hüten, die Geschichte nach gewissen Kategorieen formuliren zu wollen, da man weiß zu welchen Ueberlreibungen dieses schon oft geführt hat. Dennoch schlagt der Verfasser einen solchen Weg ein, und es ist daher kein Wunder, daß sein Werk sich gl.ichfalls nicht von so manchen Deuteleien und Hypothesen frei gehalten bat. So, um nur eines zu erwähnen, bezeichnet er zu Gunsten seines Schemas die Periode von der Redaction des Lhalmuds bis zu Mendelsohn als die der objectiven Subjectivität, wahrend ihm der frühere vom Erlöschen oer Prophetie beginnende Zeitraum der Tradition die der subjectiven Objectivität war. So viel Mühe aber auch der Verfasser sich gibt diese Bezeichnung zu rechtfertigen, so leuchtet es doch nur zu sehr ein, daß die Zeit, wo man das im Thalmud nieder gelegte als etwas Abgeschlossenes, das man nicht antasten dürfe, betrachtete, viel eher eine unfreie, objective gewesen, als die ihr vorausgegangene, ja daß letztere wieder weit weniger eine subjective war, als die der Prophetie, welche rein aus dem religiös - sittlichen Bewußtsein schöpfte, wahrend jene die freie Bewegung des Subjectes dadurch hemmte, daß sie sich an das ihr in der Schrift Gegebene, insonders an das äußere rituelle Element, band. Ist aber überhaupt dem Philosophen zu empfehlen, daß er vorsichtig und besonnen in der Beurteilung des geschichtlichen Fortschrittes zu Werke gehe, und sich namentlich vor übertriebener Anwendung von Kategorieen und Einzwängung der Gcschichte unter dieselben hüte, so tbut eine solche Vorsicht besonders dem jüdischen Geschichtsforscher Roth, da keine der übrigen Religionen durch den Druck von außen so oft in ihrem Fortschreiten gehemmt, ja zur Verknöcherung, zum Rückschritt gebracht wurde, als das Iudenthum, daher die ewig fortschreitende Bewegung, welche die Geschichte der Menschheit enthalt, wenn auch unser Auge sie nicht immer gewahrt, hier zu mancher Zeit gar nicht einlreten konnte. Doch kommen wir nun zu dem Schlußurtheile über die fragliche Schrift: Der denkende, namentlich theologisch - gebildete Leser wird zwar eine besondere Tiefe der Auffassung und einen Rekchthum von Ideen nicht darin finden; er wird sich auch sagen, daß gar manche Ideen nicht neu sind; gleichwohl wird er der Grundansicht des Verfassers und ihrer Durchführung auf jüdisch-religiösem Gebiete Orginalitat nicht absprechen können; er wird bekennen, daß diese Durchführung mit großer Gewandtheit und überraschender Consequenz bewirkt worden, er wird nicht minder gestehen, daß das Abstrakte überall so klar, populär, und anschaulich verarbeitet ist, daß es auch dem Laien und angehenden Studirenden leicht zugänglich wird, wenn auch der höher gebildete Leser zuweilen durch Wiederholungen desselben Gedankens in nur anderen Worten _uiib Wendungen über die Gebühr aufgehalten wird. Der Ltyl hat auch nichts Gigantisches, Energisches, Hinreißendes ans der Tiefe ein s begeisterten Herzens Sprudelndes, sondern bewegt sich mehr in fließender ruhiger Rede, wie denn der. dem Referenten persönlich bekannte Verfasser, weniger den kühnen, sprudelnden Geistern als solchen beizuzahlen sein dürfte, die die vorhandenen philosophischen Ideen sich niif Klarheit aneignen, sie mit gleicher Klarheit auf ein bestimmtes Gebiet, was hier die Mission und Geschichte des Iudenthums ist, anwenden, dieses Gebiet aber mehr mit besonnenem Blicke und ruhiger Begeisterung, als mit Scharfsinn und hinreißender Gluth verfolgen. Dem sei indeß wie ihm wolle, der Verfasser hat durch diesen ersten Versuch einer systematisch-wissenschaftlichen Darstellung des Iudentbums und seiner Geschichte, uns ein sehr schätzbares Geschenk gegeben und sich selbst.ein Ehren - Denkmal gesetzt. Sein Werk wird eine Menge neuer Ideen auf dem noch so dürftig bearbeiteten Felde der wissenschaftlichen jüdischen Theologie anregen, und ganz besonders wird der jüdische Homilet in der mit so viel frommem Sinn bearbeiteten Entwickelungsgeschichte seiner Religion viel schätzbares Material zu seinen eignen Vorträgen finden.

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