Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1842)
- Date
- 1842-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit deS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für. dicKenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großlicr;oc,l. Wcimarschen vanv-Radbinen;u Statt LenqSsclV. bei Sisenacb. Re. 14 Sonntag, de« ». «peil 1842. III. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Die Religion -es Geiftes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judenthums nach seinem Ebaractcr, Entwickelungsgange und Berufe in oer Menschheit von Dr. G. Formfkecher, Prcdlgcr an V^r Synaqogr zu Onenback. (Fortsetzung von M 13.) „Die Erkrnntniß der historischen Offenbarung ist als eine Folge der Freiheit durch die Individualität des Wahrnehmenden gänzlich bedingt. Der Eine stehet darum an dieser Erkenntnißleiter auf einer höheren Stufe als der Andere, und derjenige, welcher unter allen seinen Zeitgenossen auf der höchsten Sprosse sich befindet, stehet außerhalb der Erkenntnißspbäre seines Zeitalters, lebt in dessen Zukunft und weiß sie schon in dessen Gegenwart. Solch ein Bevorzugtscheinender, welcher im Erkennen des Ideals und im Streben nach dessen Realisirung höher als seine ganze Umgebung sich weiß, ist derjenige, welchen die Religion einen Propheten nennt. — Wenn aber der Menschengeist durch seine weiterschreitende Weltanschauung sich selbst und sein Verhältnis zu Gott und zu dessen Schöpfung immer deutlicher und klarer erfaßt, io fangt jenes ekstatische Gefühl, welches die im Menschengeiste sich verkündende Stimme Gottes als von Außen herkommende Stimme hypostasirte, an, immer mehr zu schwinden, das erwachte Sichselbstkennen des Geistes verdrängt es durch die Reflexion und der Mensch fühlt, daß er die Gabe der Prophezeihung nicht mehr besitzt. Der Geist sich nur als Menschengerft und sich nicht zugleich auch als Manifestation einer Gotteskraft fühlend und dadurch fürchtend, mit seinem Gotte aus aller unmittelbaren Relation getreten zu sein, umklammert nun im Gefühle seiner Unmacht mit aller Kraft das überlieferte Prophctenwort als ewig geltendes Gotteswort, um doch stets dem Willen Gottes genügen zu können; sucht es ^dadurch der Macht der Zernichtung zu entreißen, daß er es mündlich und schriftlich den kommenden Geschlechtern zu vererben strebt und bildet dadurch eine heilige Schrift und eine heilige Tradition." „Die Theologie des Judenthums, welches seinen Gott als ein von der Natur unabhängiges Wesen erkennt, kann weder von einer Theogonie nach von Emanationen sprechen, und weist deßhalb in seinen rein prophetischen und ungemischt traditionellen Lehren alle jene Theologumenen zurück, deren das Heidenthum bedarf. Die Welt, so lehrt das Judenthum, ist die Manifestation Gottes, in seiner Hand ist alles Leben (Jjob 12, 10.), sein Odem ist das Lebensprincip aller Geschöpfe (Pf. 104, 29.), sein Geist pulsirt in allen Wesen, weßhalb er allwissend und allgegenwärtig ist(Ps. 139., Jerem.23,24.), Gott ist Träger der Welt und getrennt von ihm hat sie sein Dasevn, aber er bleibt ewiglich, wenn auch die Weit,