Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1842)
- Date
- 1842-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit deS neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von »r. M. Heß, (?>roßher;ogl. Weimar,'chen vand-Ravvl„en;u Etarr »eng§fclv, bei Eisenach. Nr. LL Sonntag, den 18. März 1842. III. Jahrgang Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Rationalismus im Jsraelitenthum. (Don B. Hellwitz in Berlin. *) Es ist ein Eigenthümliches der neuesten Zeit, daß alle ihre Productionen, sei es im politischen, sei es im merkantilischen, sei es endlich im literarischen Gebiete, mit einer für die Aelteren fast unglaublichen Schnelle begonnen, durchgeführt und vollendet werden. Wozu in früheren Zeiten Jahrhunderte erforderlich waren, was der Großvater erst im Entstehen, der Sohn im Werden, der Enkel im Vollendetsein erblickte, das reift in unserer Zeit binnen Jahrzehnten zu seinem Ziele. — Nicht nur daß im Staatenleben durch das Riesen^ geuie eines einzigen Mannes eine urplötzliche Umwälzung zu Stande gekommen, deren sich die Staaten selbst kaum bewußt sind; nicht nur daß die Handelswelt durch bie Kraft des Dampfes einer noch nicht zu berechnenden Umwälzung entgegen siebt, so sind auch in der Thätigkeit des Geistes neue Momente ausgenommen worden, die ihr eine von den früheren wesentlich verschiedene Gestaltung gegeben haben. ' Vor Allem ist es hier der immense Fortschritt, den in unftrm Jahrhundert die Philosophie gemacht hat. Von der kalten, unfruchtbaren, den Geist in starre Formeln fesselnden Betrachtungsweise des Aeußern als Aeu- ,*) Deo Verfasser ist der Sobn des hochverdienten, und auch unseren Lesern bekannten Overvorste!'ers Hel!wltz in Soest. ßeren, hat sich der menschliche Geist zur Erkennung seiner selbst im Objekte erhoben, und im Gegensätze des Objekts zum Subjekt die wahre Vereinigung deS Endlichen mit dem Unendlichen gefunden. Wenn eine solche Betrachtungsweise schon auf allen Zweigen der wissenschaftlichen Thatigkeit mehr oder minder Einfluß übte, so ist vorzüglich die Umwandlung der religiösen Begriffe diejenige, welche nicht sowohl auf das Denken — denn auch durch dieses wird sie eben so hervor gebracht, als sie wieder auf dasselbe zurückwirkt — als vielmehr im Gefühlsleben, im Innersten des Menschen sich auf eine Weise geltend macht, die wir hier nicht erst näher beschreiben zu müssen glauben. Es ist Nichts was den Menschen so tief ergreift, als eine, wie er glaubt, Anfeindung seiner Gefühlswelt, und vorzüglich dessen was die Spitze der Gefühlswelt ist, des religiösen Glaubens. Auch greift in keinem Zweige des Wissens der Kampf um die Principien so tief in das Innere des Menschen ein, als in dem religiösen, weil man hier das Theuerfte, das Innigste, das Eigenste des L-eins gefährdet sieht. Es kann jedoch nickt der Zweck dieser Zeilen sein hier den Fortschritt zu schildern, dendie religiöse Anschauung gemacht hat; vielmehr sollen sie dazu dienen, zu untersuchen, ob derjenige, welcher sich zu den von den Ideen der absoluten Philosophie geläuterten Ansichten der neueren Zeit über Jsraelitenthum bekennt, noch imJsraelitenthum stebe. Zwei Gegner hat ein solcher zu bekamvfen; erstens den Orthodoxen, der nur in der strikten Observanz