Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1842)
- Date
- 1842-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2566802-2566813--0297-2567910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Her ausgegeben von l)r. M. Heß, Sreß'.'crzc>ql. Wcimarschen Va»V - Radbnie» zu Studt Lengsrcld, bei Tifenacb. Rr. IO. Sonntag, den 5. März 1842 in. Jahrgang. Jlotto; Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Uever Die Werlegnng des jüdischen SaVbaths auf den Sonntag. (Aus Schlesien eingesendet.) (Schluß.) Die göttliche Einsetzung des Samstags als wöchentlichen Ruhetages laßt sich nur dann begründen, wenn man die Stelle I. B. Mos. 2, 3. „Und es seegnete der Herr den siebenten Tag und heiligte ihn" so versteht, als ob Gott schon'damals den Samstag als wöchentlichen Ruhetag angeorduet und dieser nun auch ununterbrochen als solcher gefeiert worden sei. Dieser Annahme steht aber Folgendes entgegen: Einmal ließe es sich nicht erklären, warum in der ganzen Lebensgeschlchte der Patriarchen nichts von der Feier des Sabbaths vorkömmt und dann ist es auffallend, daß unter den Geboten, die vor der Verkündigung des Dekaloos promulgirt werden, weil sie in sehr naher Beziehung zu der Befreiung aus Egypten stehen, auch der ©abbatt) sich befindet (2. B. Mos. Kap. 16) obgleich dieser eine solche Beziehung nicht hat. *) Demnach ist es wahrscheinlich, daß die stelle im 1. B. Mos. sich auf die spatere Einsetzung des Sabbaths beziehe, daß nur die Feier eines Ruhetags überhaupt von wesentlicher Bedeutung sei, die Wahl des Samstags aber mit einer momentanen Erscheinung Zusammenhänge. Wie nämlich ') Das, was die alteren Auileger hierüber an führen, ist bekanntlich sehr erzwungen. die Geschichtschreiber berichten, (S. Jdeler Handbuch der Chronologie S. 178), so begann man bei mehreren alten Völkern und namentlich auch bei den Egyptern nach dem Ptolomäischen Systeme, wo die Sonne mit in die Reihe der Planeten gezogen ward, die Zahlung der Woche vom Sonntag an, und feierte dann den Tag des Saturn, den Samstag, als Ruhetag. Von einer solchen Einrichtung mochten auch die Israeliten unter ägyptischer Hei rschaft sich nicht frei gehalten haben, und darum mochte denn auch dieser Tag noch vor Verkündigung der zehn Gebote als wöchentlicher Ruhetag bestätigt, aber zugleich ausgesprochen worden sein, daß er nicht einem Götzen, sondern dem einigen ewigen Gott vmrr1? 2*"p prztf) geweiht sein solle. Es würde ferner die ursprüngliche Einsetzung des Samstags als öffentlichen Ruhetags sich nur dann begreifen lassen, wenn man die Schöpfungsgeschichte buchstäblich auffaßte, und demzufolge annähme, Gott habe wirklich sechs Tage sich dem Schöpfungsgeschafte gewidmet und am siebenten geruht. Damit würde man aber einen großen Anthropomorphismus begehen, da ja Gott, als der vollkommenste Geist über alle Schranken der Zeit erbaben ist. Ist ja die Zeit selbst,, wie die Alten sagen, erst von Gott erschaffen T^zc pn^. Darum nehmen auch die frömmsten Schriftgelehrten die Schöpfung in sechs Tagen nicht in Beziehung auf Gott, als ob dieser sechs Tage zur Erschaffung der Welt gebraucht habe, sondern die letztere,