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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-02-20 · Heft 8 (20.2.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 8 (20.2.1842)
Date
1842-02-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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32 ja feinem eigenen, ju seiner entfernten GlaubenSbrüder Unglück." Unerfreulich contrastirt mit den Hochherzigen Entwürfen der russischen Regierung zur Verbesserung -es religiös-sitt' lrchen Zustandes der Israeliten, das beschrankte System, wel> ches sie hinsichtlich -er äußeren Stellung derselben befolgt. So wirkt es äußerst nachtheilig, daß man die polnischen Zuden von dem eigentlich russischen Gebiete ausgeschlossen hat. Der Handel mit Rußland (nach dem Westen können siewegen dek strengen Eperrsystems sich ohnehin nicht wenden) ist ihnen dadurch so gut wie abgeschnitten und die Folge davon ist Verarmung und Elend, zu dessen Abhülfe sich um io weniger Aussicht -arbietet, als die Regierung selbst die von ihr gewünschte Uebersiedelung der ackerbauenden Israeliten im Verhältniß zu denen der übrigen Eonfessionen beschränkt hat. O möchte man doch einmal einsehen, daß alle Anstalten zur Förderung deS religiös-sittlichen Lebens nichts frommen, so lange das leibliche Leben mit Armuth und Noth ringen muß; so lange der Geist jedes freien Aufschwunges und jedes äußern Mittels zu einer sorgfältigen Erziehung entbehrt; und \o lange das Herz all' den Lastern und Versuchungen preis gegeben ist, die nur zu ofr tut Gefolge der Armuth sind. Am Grabe des kürzlich verstorbenen Professors Krug m Leipzig sprach auch ein israelitischer Student aus Odessa; er äußerte u. A.: „Ich stehe hier, vielleicht der Einzige von den Vielen meines entfernten Vaterlandes, die bet der Trauernachcicht von dem Tode dieses Edeln tiefer, inniger Schmerz erfüllen wird. Im Geiste dieser Vielen, im Drange meines eigenen Herzens, rufe ich Dir, Verklärter! den letzten Friedenßwunsch in die Ewigkeit nach, obgleich Du droben vor dem Throne des Allwaltenden der Frtedenswünsche eines Sterblichen nicht bedarfst; und daS rufe ich nicht allein für die Vielen, die mit mir ein Vaterland theilen, auch für die Zahlreicheren, die m,t mir keines haben, oder nur so selten eines, für dessen heiligste Rechte Du zuerst die Stimme freien begeisterten Menschensinnes erhoben. O, eine herrliche Saat voll Liebe hat der Ewige in das Herz gelegt, das nun unter dem Hügel zerfallen wird, deu wir mit unfern Thränen netzen/-' (Fortsetzung der Aeußerungen eives neuen Schriftstellers über Juden und Iudenthuw.) Bei solchen traurigen Umständen konnten auch die vielen Mißbräuche nicht ansbleiben, die das Judenthum verunstalten, und es sammt ihren Anhängern in den Augen der übrigen Welt noch mehr herabwürdigten; unter solchen bedauernswerthen Umständen mußte es auch kommen, daß die Bedrängnisse der Juden in jenen Zeiten ihre größte Höhe erreichten, und die traurigen Schicksale der damaligen Glaubensgenossen werden gewiß einen wehmüthigen Anklang in dem Herzen eines jeden Juden, ja in dem Herzen eines jeden Menschen finden, nur wird diese Empfindung um so bitterer, wenn man zugleich erwägt, daß sie die Züchtigung des Him« mels, gelinde gesagt, N'.cht ganz unverschuldet getragen.(?) So war und blieb es bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Da sendete der Himmel wieder einen Mann, klein, hök» kerig, mißgestaltet, einen ganz unansehnlichen Mann; aber in diesem unansehnlichen Körper wohnte ein Geist, ein Rie« sengeift, der weithin seine Strahlen sandte, die dem Juden« thume und der ganzen Welt zur Leuchte dienen sollten. Er trat auf, die Finsterniß zu bannen, sein Volk zu belehren und es aus der Sklaverei deö Fanatismus und deS Aberglaubens zu befreien; ferne Bibel, seine Psalmen, seine Worte über die Unsterblichkeit der Seele, vertraten die Stelle der ägyptischen Wunder (?); er zeigte dem Volke den Pfad, den es zu wandeln habe, um sicheren Fußes in das gelobte Land des Jenseits zu gelangen, es war ein zweiter Moses, — MoseS Mendel so hn! Ja, eS war Mendelsohn, der Mensch, der Philosoph, der Jude, — eS war Mendelsohn, den das Iudenthum Mit Stoli den Seinen nennen kann. Kaum hatte er den ersten Schritt gethan, als trotz deS Widersträubens der alten Fantasten, die Besseren seinen Weg einschlugen, und ihm nachfolgten. Von diesem Zeitpunkte an begann die Reformation deS Iudenthums, und dem Himmel mochte dieses Werk gar wohl gefallen haben, denn in allen Ländern traten Herrscher aus, die wohlgefällig auf diese endlich erfolgte, zeitgemäße Neue« rung nlederschäuten, und sie ihres hohen Schußes würdigten. Der Jude ist nicht mehr der ausgeftoßene Paria, er ist wieder Mensch in der bürgerlichen Gesellschaft, und wenige Jahre werden hmreichen, den Cultus des mosaischen Glaubens, trotz dem Schreien und Toben des hartnäckigen, an seinen alten Schlendrian gewohnten Pöbels, so einfach und erhaben hcrzustellen, daß der unsterbliche Geist des ersten Gesetzgebers gewiß mit Wohlgefallen auf sein Volk herabschauen wird. Bekanntmachung. Unter der Presse befindet sich: Dev Hamburger Dempelfkreit, eine Zeitfrage. Won vr. Abraham Geiger, Rabbinen in Breslau. Preis 7\ Sgr. Der Gegenstand dieser Schrift, welcher die jüdische Gemeinde Hamburgs in zwei Parteien spaltete, bei allen umsich« tigen Juden, sowie auch bei denen, welche in den Bewegungen des Judenthumö die Dissnanzen unserer Ze r zu erkennen vermögen, eine lebhafte Theilnahme findet, wird hier, abgesehen von dem Localen und dem Rrtualgesetzlich - bestehenden, noch zugleich von demgeschlchtlichen Standpunkte und in seinen Beziehungen zu den allgemeinen Ideen, welche das Juden, thum jetzt dnrchdringen, aufgefaßt. Wir dürfen das Publi« kum schon jetzt auf diese kleine, aber gehaltreiche Schrift aufmerksam machen und Vorausbestellungen auf dieselbe ent« gegen sehen. Die Verlagshandlung F. E. C. Leuckart in Breslau. Zu Bestellungen empfiehlt sich F. Schuster in Hersfeld und Homberg. Berichtigungen. S. 1-1 Sp. 2 Z. 27 v. 0. lies G e onim statt Gi onun; S- 13 Sp. 1' Z. 14 ur-.r st. nie. Druck und Verlag von F. Schuster rn Hersfeld.

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