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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-02-13 · Heft 7 (13.2.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 7 (13.2.1842)
Date
1842-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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28 larr-L dergleichen Sympathien für ihre entfernten Glaubens, brüder in Zeiten deS Raths und derNoth laut werden lassen und durch die That beweisen können, ohne Rückhalt und Furcht vor dem Geschrei über miSversiandene Nationalität, wie eS auf dem Continente so oft erhoben wird, desto mehr muß es ihnen am Herzen liegen, diese erlaubten Schritte zu thun und Mittel und Wege zu finden, hier die durch die Ger waltthätigkeit Einzelner hecbeigeführte Noth zu mildern, dort die Regierungen günstiger für sie zu stimmen. Nicht zu ver« kennen ist eS nun, daß gar zu manchen Zeiten der englische Jude diese Aufgaben für die seinigen erkannt hat. Durch eclatante Unternehmungen hat derselbe seinen Genossen im In, und Auslände hülfreiche Hand geboten. Schon oben ist der zum großen Therl durch jüdisches Gold geschehenen Gründung der londoner Universität Erwähnung geschehen. Den orientalischen Juden ist in harter Bedrängniß wiederholt Succurs von jenseit des Kanals geschickt worden, den der letzte zu Damaskus geleistete Beistand am glänzendsten beurkundet- Ein englischer Verein, Montefiore an der Spitze, sprengte der Gekerkerten Fesseln und wirkte den Hattischerif m Betreff des Rechtsschutzes der Juden aus. Ist dieses Versprechen auch nicht erfüllt worden, und läßt der wiederum getrübte politische Horizo.it nur trübe Aussichten für die nächste Zukunft offen: so ist doch der erste mühselige Schritt auf der steilen Bahn gethan worden. Das hat ein englischer Sheriff mosaischen Glaubens vollführt! Mit ihm wirkte freilich ein jüdischer Advokat Frankreichs. Aber bei allem Edelmuthe, bei aller Rednerkraft war es diesem, so scheint es, doch nicht gelungen, in so kurzer Zeit eine Versammlung in seinem Vaterlande zu diesem Zwecke zu veranstalten. Denn wäre dies der Fall gewesen, ec hätte wol seinen Franzosen den Ruhm gegönnt, selbstständig das ersehnte Ziel zu erreichen, ohne seinerseits den Kanal erst überschreiten zu müssen. Und warum war dies weder in dem liberalen Frankreich noch in dem philosophischen Deutschland möglich? Suchen wir dort den Grund nicht darin, daß der französische Jude sich ungern anders als Fran^ais israellte betiteln läßt, und daß er darum mehr Franca» als lsraelite erscheinen mußte. (Der Name juif ist dort bekanntlich noch zur Zeit eben so wenig ixm tün, als ehedem, und zwar vor der Ricffer'schett Periode, inDeutfchland der„Jude" einen gurenKlang hatte; was auch kein Wunder, da hier den „Juden" zu Ehren zu bringen die Prälrmrnarien der Emancipation bilden muß; während dort dieses Maoeuvre nicht vonnölhe» war, weil ern ReoolutionSgeseß das Vorurtherl vertilgt hat.) Der'Franzose brauch! für seine auf alle Zeiten sanctronirte Aufnahme in den Staatsverband nichts mehr zu fürchten. Und daß er gerade ore Kunst versteht, die Viele für unausführbar halten, ein richtiger Franzose und ein tüchtiger Jude zu sein, davon stellt ja eben Cremreux das beste Zeugnifi aus. Nein, der Grund davon liegt nur in der Art, wie man tn jenem Staate leider zu ofr mit dem bloßen Gedanken sich begnügt, und die Ausführung mit dem Project identlficirt, in ernem Lande (wie der französische Kämpe für Judenthum und GewipeuLfrelheir sich bei einer andern Gelegenheit gegen mich aussprach), „ou chaque jour voit raltre et raourir tant de projets!“ Weit eher noch ist Deutschland zu entschuldigen. Wenn es nicht ausgemacht wäre, daß der Staat eben so wenig befugt ist, die natürliche Rechtsfphäre eines Theiles seiner Angehörigen, aus irgend einem sittlichen oder religiösen Grunde zu überschreiten, als der Einzelne befugt ist, m gleicher wohlmeinender Absicht das Rechtsgebiet des Anderen zu verletzen, wenn alfo alles das, wa§ man in Deutschland von emer religiösen und sittlichen Emanzipation der Israeliten, welche ihrer bürgerlichen vorangehen müsse, spricht, nicht ohnehin ganz unhaltbar wäre, und'darum auch Völkern, d:e, wie die Franzofeu und Engländer ein klares politisches Bewußtsein errungen, nicht in dev Sinn kömmt: so würden wir alö Beweis der sittlich-hohen Bildung der deutschen Israeliten das tiefe Rechtsgefüh! und die Achtung vor der Erhabenheit der menschlichen Natur anführen kön, uen, welche sich m öer Vorstellung der Abgeordneten der Schlesischen Judenschaft an den König von Preußen bckun« det. Dieselben sagen nämlich u. A. - „Fast 30 Jahre sind es nun, daß Friedrich Wilhelm HT-, unser unvergeßlicher König, verkündigt hat. Er setze m unS das Vertrauen, daß wir die Rechte des Bürgers zweckmäßig anzuwenden wissen. Dieses Vertrauens uns würdig zu beweisen, war unser ernstes Streben, und nicht minder, das Wohlwollen unserer Mitbürger zu gewinnen. Die versch«e» densten Gewerbe wurden von uns ergriffen, und unsere Pro» vin; zählt eine verhältmaßige Anzahl jüdischer Handwerker aller Art; nach Kräften für das Wohl des Staates mitzu, wirken war unsere heiligste Pflicht, und in den wichtigen Jahren, in denen Schlesien seinen biedern, treuen Sinn de« währte, fochten jüdische Jünglinge mit in den Reihen ihrer Brüder, und manche Auszeichnung wurde ihnen zu Tbeil, die leider später ihnen verschlossen ward; an den Communalangelegenheiten nehmen wir den lebhaftesten Antheil, und m großen wie in kleinen Städten finden sich Juden mit dem Zutrauen ihrer Mitbürger beehrt durch die Wahl in die Col» legien der Stadtverordneten und der Magistrale. Abgesehen davon, daß, wie schon rn alten Zeiten, jüdischen Aerztenohne Bedenken Leben und Gesundheit anvertraut wird, sprach sich auch in unserer Provinz das Vertrauen zu der Gesinnung wie zur Fähigkeit mehrer unserer Glaubensbrü'der aus da, durch, daß sie zu Schledsmännern, Armenärzten, Depositar rendanten und dergleichen gewählt wurden, wobei sie nur bedauern mußten, ihren Eifer und ihre Brauchbarkeit nicht beweisen zu können, weil die Bestätigung ihnen fehlte. Drei« ßig Jahre, e,ne lange Zeit vorbereitender Entwickelung, sind sicherlich nicht umsonst an uns vorübergegangen, und so ist gewiß unsere Hoffnung jetzt keine vergebliche, daß wir nun voll und ohne Einschränkung in den Bürgerverband eintreten werden. Damit die Juden ihre Anlagen nach allen Seiten ausbllden, wird den Edlern und Bessern unter ihnen der Beruf, zu dem höhere Bildung und höhere Interessen sie drängen, nicht verschlossen bleiben; der Weg der Ehre, nicht bloß der des materiellen Erwerbs, wird ihnen geöffnet wer« den, und in Wissenschaft und Kunst, im Felde wie rm Amre wird dann ihre Thatigkeit bald sich erproben, der Staat wird über bisher unbenutzte Kräfte verfügen können, die Ge, sammtheit der Juden einen neuen Sporn zu immer größerer Veredlung erhalten und zu der schönen Höhe sich erheben, weiche der Bewohner Preußens, der Unterthan Ew. Maj. erklimmen soll. Nur verschiedene Glaubensbekenntnisse vor sich sehend, wird der Staat auch über die jüdische Glaubensge» meinde, die als eine gleichberechtigte neben die andern sich stellen dürfe, die Aufsicht führen, den Cultus und dessen Diener anerkennen." Druck und Verlag von F. Schuster rn HerSfcld.

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