Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1842)
- Date
- 1842-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zsraelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitische» Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. H e r a u s g e g e b e n von Br. M. Heß, Greßher;ogl. Wcimarschen Land-Ravbinen;n Etadr LengSseld, bei Siseuaä». Rr. 4 Sonntag, den 23 Januar 1842. IN. Jahrgang. Stotto: Entschieden, freisinnig, umthvoll und wahr. Schreiben aus Prag, betreffend eine gegen den viQN'-iL'X (S. J\?. 38 Jahrgang II. dieser Blatter unter dem Titel pp rciZTJ erschienene Schrift. (Vorb emerkungen der Redaction.) Wir gestatten dem nachfolgenden Schreiben um so bereitwilliger eine Aufnahme in unser Blatt, als es über eine Schrift referirt, die wegen der antireformatorifchen Grundsätze, die sie enthält, Beachtung verdient. Wie unsere Leser nämlich sich erinnern, so hatten wir in Jfö 2 dieser Blatter darauf hingewiesen, daß erst mit dem Abschlüsse des Schulchun Aruch und der Tephilali und der Verbreitung beider durch die vorher erfundene Bücherpreffe die ftarrrabbl'nische Richtung begann. Wir nannten sie die befangene oder engherzige, weil ihr nun jedes in jenem Codex und Sidder aufgenommene Ritual heilig war, und sie es nicht wagte, an dem nun stereotypen Systeme auch nur ein Jota zu ändern. Diese Befangenheit und Engherzigkeit war jedoch nur eine Figur des Gemüthes, eine fromme Scheu des Herzens; der Verstand, welcher in der bisherigen Geschichte eine Menge Reformen erblickte, und die Berechtigung hierzu im Thalmud selbst ausgesprochen fand, kämpfte noch gegen die Aengstlichkeit des Gemüthes an. Wie aber oft das Herz den Sieg über den Verstand davon tragt, oder denselben ihm dienstbar macht, so auch hier. Man wollte sich doch nicht gestehen, daß jenes ängstliche Festhalten an dem Bestehenden eine Engherzigkeit sei, und darum suchte man die Geschichte und die reformatorischen Aussprüche des Thalmuds selbst anders zu deuten; darum drittelte und grübelte man so lange, bis man herausbrachte, daß das der jeweiligen Reliaionsbehörde zugestandene ReformationSrecht durchaus jetzt keine Anwendung mehr finde, am wenigsten da, wo es sich nicht um Erschwerungen, sondern um Erleichterung, um Defeitung eines einmal bestehenden Verbots handele. So kam zu der verschrobenen Figur des Gemüthes auch eine falsche That des Verstandes, eine Dialektik, vermittelst welcher man so glücklich war, das klar Ausgesprochene zu verdunkeln, das mit Evidenz Vorliegende wieder in Zweifel und Ungewißheit zu ziehen. Diese rabdinifche Dialektik ist in neuerer Zeit so oft hervorgetreten, als man irgend eine zweckmäßige Reform im Gottesdienste, im Schulwesen oder im rituellen Leben verlangte; wir sehen sie noch von der Gelammtheit der israelitischen Geistlichen und Volkslehrer gebraucht, als die ersten Anforderungen einer freieren Gesittung sich geltend machten, als z. B. die Israeliten Deutschlands ansingen, sich nach deutscher Sitte zu kleiden oder ihrem Haare eine modische Form zu geben; wir sehen sie im vibreft Habrith noch von einer großen Schaar rabbinischer Autoritäten angewendet, als man in Hamburg und Berlin daran ging, beim Gottesdienste wichtige Verbesserungen einzusuhren, und wir treffen sie heuriges Tages noch im Einzelnen überall an, wo die Ueberreste der! Vorzeit noch auf dm rabbimschen Stühlen fitzen, und