Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1842)
- Date
- 1842-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von »r. M. Heß, Großer;?gl. W-imarschci, '»'aiid-Ravbilrüii;n Stadr LengsrelS, bei kisena». Rr. 2. Sonntag, den s. Januar I84T. III. Jahrgang. Slotto: Entschieden, freisinnig, muchooll und wahr. o-nuyn ttd Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht, nach dem Gebrauche des neuen israelitischen Tempels rn Hamburg. Zweite Auflage. 18 4 1. Hamburg, bei E. F. Berendsohn. Wer von unseren Lesern an den Bestrebungen zur Veredlung des Gottesdienstes, wie sie in den angesehensten Gemeinden, namentlich in Hamburg, Berlin, Breslau u. a. vor mehr als zwei Jahrzehnten hervortraten, einen Antheil genommen, der wird sich auch noch erinnern, welchen Widerstand jene Bemühungen damals an den Rabbinen gefunden, und wie, während nur einige wenige die Sache der Reform vertraten, die ganze Masse der geistlichen Autoritäten sich ihr widersetzte. Einen Beweis hiervon liefert das bekannte rp-cn n:H (Dibreh Habrith) in welchem nicht weniger als 40 Rabbinen sich vereinten, um den im Hamburger Tempel eingeführten Gottesdienst als widerreligiös, frivol und heterodox zu bezeichnen. So auffallend dieß auch jedem Kenner der israelitischen Religionsgeschichte sein mußte, der da weiß wie dieselbe von jeher entwickelnd und reformirend sich gestaltete, und wie namentlich das, was der Hamburger Tempel beseitigt, lheils nur ein Product der letzten Jahrhunderte war, lheils sich in dem Ritus der portugiesischen Juten (cttsd :r:?;) gar nicht vorfindet, so erklärlich mußte man gleichwohl jenes Verfahren der Rabbinen finden, wenn man sich die höchst unfreie Weise, mit welcher sie das einmal Bestehende betrachteten, vergegenwärtigte. Nachdem nämlich das ganze Ritualgesetz mit allen den hinzugekommenen Lbservanzen, Satzungen und Gebräuchen durch den Sclmlehun Arudi eine feste, compakte Gestalt erhalten hatte, nachdem ferner in der ri^n und dem -nm alle später hinzugekommenen Gebete, ja auch solche, welche wie so viele Piutim von einzelnen Rabbinen nur für einzelne Gemeinden verfahr waren, Aufnahme und Autorität erlangt hatten, und beide, SchuLcliun Avuch wie Thephilah und Machsor, durch die ihnen vorausgegangene Erfindung der Buchdruckerpresse in tausenden von Exemplaren verbreitet worden waren, entstand in den Rabbinen ein solcher engherziger Geist, ein solches ängstliche und kleinliche Festhalten an dem Vorhandenen, wie er früher im ersten rabbinifchen Zeitalter nie stattgefunden. Ritualgefetz und Gebet standen nun als etwas fertiges, abgeschlossenes da, an welchem der schüchterne, kleinmüthige Rabbinismus, wie er in dieser Zeit sich kund gab, kein Jota zu verändern wagte, wenn auch die Reformen im Gerste der israelitischen Religion wurzelten und durch die Geschichte derselben vollkommen gerechtfertigt waren. Dazu kam, daß während in den Gemeinden die fortgeschrittene Gr-