Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 48 (26.9.1841)
- Date
- 1841-09-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566801--0242-2567845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit des ttcttttjftttfro tzaWimdttls. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben ör, M. Heß, Land-Nabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nv. ^-8. Sonntag den 26. September 1841. 11. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. VCr" Indem wir beim Ablaufe des zweiten Jahrgangs unfern verehrlichen Lesern für die gesteigerte Theilnahme, dir sie unserm Blatte bewiesen, danken, ersuchen wir sie, ihre Bestellungen auf den dritten Jahrgang, (den wir jedoch ans bewegenden Gründen erst mit dem Anfänge des Jahres 1842 eröffnen werden) baldmöglichst zu machen, damit die Stärke der Auflage darnach bestimmt werden könne. Die Redaction. Eine neue Ansicht über die Eirtwiclrelungs-! gcschichte des Iudenthums. j (Schluß von M 47.) i Die Vermittelung zwischen Körper und Geist, welche: wir als die Grtntdansicht des Mosaismus dargesteltt haben,! erhält noch größere innere Wahrheit, wenn wir einen' Blick auf das werfen, was man sonst als die Hauptidce des Iudenthums bezeichnte. Die naiv-gläubige! Anschauung setzt den Zweck des Mosaismus darin, seine - Bekenner durch Beobachtung einer besonder« Anzahl göttj licher Vorschriften auch einer besondern Seligkeit (einer! größeren als alle übrigen Völker) theilhaftig zu machen;! NUN an1? n:nn n« rrarV rrspn NL1) | (N1LQ1 sie läßt zwar auf den Grund der prophetischen Verheißungen auch die übrigen Völker sich einst zu dent einigen Gott bekennen, aber sie räumt doch Israel wegen der Befolgung seines Ritualgcsetzcs eine größere Verherrlichung ein. Diese Vorstellung ist schon deßhalb falsch, weil sie nationell und separittstisch ist, weil sie von dem Schöpfer und Vater aller Menschen behauptet, daß er ein Volk vor allen andern Völkern bevorzugt, daß er ihm Gesetze, zu welchen er diese nicht verpflichtet, vorgcschrieben, um ihm eine besondere Belohnung gewähren zrl können. — Eine gleiche Befangenheit zeigt die allegorisirend-philosophische Ansicht, welche in neuester Zeit besonders Hr. Hirsch vertritt. Sie sieht in dem geoffenbarten Religions-Gesetze das Mittel zu einer höheren sittlichen Vollkommenheit, sie will durch Beobachtung des rituellen Theiles der mosaischen Lehre das Volk der Israeliten zum sittlich-frommen Vorbild aller übrigen Völker, zum anschaulichen Beispiele in der göttlichen Erziehung der Menschheit erheben. Aber hier fragt es sich wieder, wie die göttliche Gerechtigkeit in dein Ritualgesetze den Israeliten ein Mittel zur besonderen religiös-sittlichen Vervollkommnung geben konnte, welches sie den übrigen Völkern versagte. Das Unbefriedigende der Maimonidischen Ansicht, welche den Zweck des Mosaismus und also den des menschlich-israelitischen Lebens in der bloßen Gottes er kenntniß setzt, ist bekannt; aber auch die neueste Idee, wonach es die Absicht der mosaischen Lehre und die Bestimmung des israelischen Volkes ist, den Glauben an den einigen Gott nach und nach zum Gemeingut aller Menschen zu machen, genügt nicht, da sie rein nach ihrer ideellen Seite aufgefaßt, nur das Leben des Geistes verklärt, ohne zugleich die sichtbare Welt, welche, wie wir gezeigt, in so inniger Beziehung zu der unsichtbaren steht, zu der möglichsten Vollendung zu bringen. Nur die Idee der rechten Vermittelung, der wahrhaften göttlichen Einheit, wie wir sie dargestellt, kann als Princip des Mosais-