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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-09-12 · Heft 47 (12.9.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 47 (12.9.1841)
Date
1841-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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188 WaS eine hohe Kammer für ihre Pflicht hielt, jedesmal zu verneinen, eben das halten wir für eine Pflicht, jedesmal neu zu fordern. Auch wir haben unsere Gewissen, auch wir haben uns vor einem höheren Richter zu rechtfertigen — und hierin allein liegt unser Trost, wie unser ewig junger Muth. ES giebt eine gerechte Nachwelt, eine gerechte Geschichte. Ueber unS soll fest stehen, daß wir nie aufhörten, muthig unser Recht zu fordern, und daß eine, Gott weiß wie lange Unterdrückung unS staatlich Niederhalten konnte, aber nicht vermocht hat, so in die geheimen Werkstätten der Herzen einzudringen, daß nicht der Freiheit lebendig Gefühl, wo nur ein Sonnenblick strahlte, schnell und kräftig wieder cmporstieg. Wie ein schwarzer Faden zieht sich das Vorurthcil gegen Juden seit undenklicher Zeit durch einen großen Theil der christlichen Welt. Können wir deutsche Israeliten den Faden noch nicht ganz zerreißen, so ist es uns doch schon vergönnt, gute und edle Männer als Vorkämpfer für unser Recht zu sehen. Aber noch ist es die Minderzahl, die sich unserer annimmt, daher ist die Dauer des Vorurtheils nicht zu berechnen, und wenn das Princip, für das wir streiten, selbst rüstige Kämpfer in allen Klassen der Gesellschaft bereits gewonnen hat, so dürfen wir im Streite nicht ermatten, ob nah der Sieg oder fern noch läge. Darum sagen wir auch heute ehrerbietig aber in offener Rede Einer hohen Kammer, daß die mangelhaften, unbestimmten, einer jeden Auslegung fähigen Gesetze über unsere Religionsgen offen Unheil -und Verwirrung stiften, und daß uns heute noch selbst unsere privatbürgerlichen Rcchtsverhältnsse verkümmert sind, weil uns die Wohlthat der Gemeinde-Ordnung nicht zu Gute gekommen ist. Traurig zumal ist es, daß grade die ärmere Klaffe unserer Glaubensgenossen am mühevollsten und kostspieligsten um ihre bürgerliche Existenz kämpft. Ueberall bringt sich der Reiche durch, zumal in unserer materiellen Zeit; er wählt sich den besten und gewissenhaftesten Anwalt, er schafft sich den günstigsten Interpreten des bestehenden Rechts — und leider muß immer iaterpretirt werden — oder der Staat erkennt in der Erhaltung der Reichern seinen eigenen Borthcil, und legt das Gesetz von selbst zu seinen Gunsten aus. Das ist es aber eben, was uns so betrübt, daß die jetzt bestehenden Gesetze den Geringbemittelten noch hülfloser machen, und wir unsere Glaubensgenossen täglich mehr verarmen sehen, im Kampfe mit inneren Schwierigkeiten, die eine Folge des langen Druckes einerseits und der cutgegenstehenden Vorurtheile auf der andern Seite sind, im Kampfe mit der Bestreitung der doppelten Ausgaben für den Cultus und für den Staat; wirschen ihn endlich erliegen, wenn er ein Recht erwerben will, das ihm nach göttlichen und menschlichen Gesetzen gehört, und dennoch — ihm erschwert wird. Wir haben ja schon so oft gesagt: in all' den Ländern, wo man gerecht gegen unsere Glaubensgenossen war, in der vollsten und größten Ausdehnung, hat man cs noch nie bereut; nirgend hat man die Nachkhcile erfahren, die die Schwachen fürchteten, die Ucbelwollendcn prophezeiten, und an die die Freunde der Rechtsgleichheit aller Cvnfessionen ohnehin zu keiner Zeit geglaubt. Entchristlicht wird der Staat nicht, wenn der Jude für seine Pflichten seine Rechte anspricht, und England hat als neuestes Beispiel in seinem Parlamente wiederum gezeigt, wie eine große, besonnen fortschreitende und mit der christlichen Religion innig verwachsene Nation über diese Frage denkt. Wir dürfen, nachdem seit Jahr und Tag unsere Gründe für die Forderung der Rcchtsgleichhett so vielseitig erschöpft und vorgetragen worden sind, nicht wagen, sie zur erneuern; und so sehr wir auch überzeugt sind, daß unsere Sache die Zeit, die Eine hohe Kammer ihr zuzuwenden geneigt sein wird, wcrth ist, dürfen wir doch ihr von diesem edeln und gemessenen Gme nicht mehr rauben als die Roth erfordert. Wir bitten nur noch. Eine hohe Kammer möge die offene Rede, die wir ehrerbietigst an sie richteten, in dem Geist aufnehmen, wie sie selbst wünschen muß, daß innerlich freie Männer reden sollen, ohne Menschenfurcht in einer gerechten Sache.« Betrachtung am Neujahrsfeste. *) «Oeffnet, Thore! eure Flügel! Thut euch auf. ihr Pforten der Ewigkeit! Lasset cintreten den König der Ehren! — Wer ist der König der Ehren? — Der ewige Gott der Sternenheere, Er ist der König der Ehren!" Hallelujah! Ein Jahr, eine Welle im Strome der Zeit, ist uns vorübergegangen. Mit all' den vielversprechenden Ahnungen, mit all' den unbegrenzten Wünschen, mit welchen es dem Menschen eigen ist, der Zukunft entgegenzusehen, sahen Viele auch diesem Jahr entgegen. «Nach einem Jahre, wie Manches wird dann anders sepn! wie Vieles kann sich dann auf das Freudigste gestaltet haben!" So lautet der oft vernommene Ausdruck. Und doch — wenn das Jahr, an das sich so viele Wünsche, so viele Hoffnungen, so viele glückliche Träume knüpften, wenn es uns dahinschwand, und wenn wir nun berechnen, was es uns gebracht, was wir mit ihm im Reiche der Zeitlichkeit gewonnen, so haben sich zwar die Ereignisse um uns her gewandelt, und wir mit und in ihnen, aber wir empfanden dies so wenig und konnten uns meist so wenig daran erfreuen, als an dem Jahres-Umlauf der Erde, den wir, durch die leuchtende Straße der Welten, in fliegender Elle mitgemacht. Selbst der Wunsch, der etwan dir geworden, erfreut dich kaum mehr noch; neue Wünsche haben sich deines Herzens bemächtigt, neue Sorgen finden dich schon minder kräftig, sie zu tragen. Gar Wenige sind durch das neue Jahr ihrem wahren Glücke, aber Alle vem Grabe näher gekommen, und manches Herz um dich her ist mitten unter seinen Hoffnungen, mitten unter seinen schönsten Träumen gebrochen. Gleichwie der Regenbogen uns durch seinen Farbenglanz entzückt — ein Zauber baut ihn in die Lüste, und hochgcwölbt und fest, ein Thor des Himmels, überrascht er unfern Blick; aber bald birgt sich die Sonne die ihn bildete, und farblos sehen wir die Tropfen niederfallen, die allein uns von der schönen Täuschung blieben. — So auch die Hoffnungen des Menschen! Ein Thor des Himmels bauet sich empor, leuchtet vor unserm Bück. Doch es war nur die Sonne unseres Erdentagesdie sich täuschend in den Thränen unserer Sehnsucht spiegelte. — Die Sonne schwand — die Thränen sind geblieben! Darum mahnet dich die Religion, wahre Freude für den Besitz, wahren Trost für den Verlust in dem Gedanken an Gott und die Ewigkeit zu suchen, und was die Erde dir giebt, was der Wunsch dir als lockend zeigt, im Spiegel des höheren Lichts zu schauen und nach seinem wahren Werth zu würdigen. Es stellen sich dir die religiösen Feste rings um das eilende Jahr, als Denkfaulen der Ewigleit, vor Augen, als Erinnerungen an das Verhältniß des Israeliten zu einer höher» Welt, als geistige Monumente aus einer Zeit, in welcher Gott die Institutionen der Menschheit ordnete und den Kreislauf der Zeiten und Ereignisse an den Mittelpunkt eines ewigen, eines unwandelbaren Gesetzes band. Darum sprich heute mit dem Psalmistcn: «Thut euch auf ihr Pforten.der Ewigkeit und möge einziehn der König der Ehren!« Ein fester Halt in dem Rausche weltlicher Freuden, ein leitendes Licht auf den Irrwegen des Lebens, ein Anker der Hoffnung für das schwanke Schiff unserer Wünsche! (Schluß folgt.) Bescheinigung:. Für die Abgebrannten in Aschenhauscn (S. p»L 37 des Israeliten) sind eingegangcn, von der Loge zum Frankfurter Adler in Frankfurt a. M., durch Hrn. vr. M a a S.. 20 fl. «) Aus den Mahnungen an Gott und Eivigkeit von 2. L. Saalschutz. £3^ Wegen des Festes erscheint nächsten Sonntag dieses Blatt nicht. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kcsselring'schen Hofbuchhandlung zu Htldburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 y. rbein. jährlich. Druck von Doll und Schäffer in Kassel.

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