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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-09-12 · Heft 47 (12.9.1841) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 47 (12.9.1841)
Date
1841-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des ncmijchnkcn tzaW««dE Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dp. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Rr. 47. Sonntag den 12. September 1841 II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Eine neue Ansicht über die Entwickelungsgeschichte des Iudenthums. (Fortsetzung von 46.) Die heilige Vermittelung zwischen Aeußerem und Innerem, zwischen dem Leben der Natur und dem^eben des Geistes, welche Moses bewerkstelligen wollte, gelang nur auf kurze Zeit, nur auf so lange, als dem Volke die großen Offenbarungen seiner Geschichte noch neu und gegenwärtig, oder als seine Herrscher selbst, wie der königliche David, von dem heiligen Geiste des göttlichen Gesetzes erfüllt waren. Als aber dieses nicht mehr der Fall war, da vermochte auch das Volk der Israeliten dem sinnlichen Genüsse, dem Leben in die Natur, wie es dem ganzen Alterthum eigen war, nicht zu widerstehen, da hörte es nicht auf die Mahnungen und Warnungen seiner Propheten, da opferte es an den Altären der Sinnlichkeit und der Lust, da verlor es die innere Kraft, den göttlichen Geist, der allein es als Volk erhalten konnte, da erschlaffte es und ward die Beute seiner-Feinde. — Doch die Absichten, welche die göttliche Erziehung des Menschengeschlechtes mit dem Volke der Israeliten hatte, sollten darum nicht verloren gehen. Hatte auch das Volk sich ganz dem äußeren Leben zugewendet, war in ihm auch der heilige und einigende Geist feiner Lehre erstorben, so lebte doch dieser Geist fort in seinen Sehern und 9, eopheten, so bewahrten diese doch im Herzen die heiuge Flamme des Gesetzes, und was sie in den Zeiten des Glückes nicht vermochten, das ward mm möglich in den Zeiten des Trübsals und des Unglücks, als die strafende Gerechtigkeit sich offenbarte, als sie auf die Zerrissenheit des Lebens, auf den schnöden Abfall von dem einheitlichen Leben des Geistes, den Tod und den Untergang des israelitischen Volkes hatte folgen lassen. Da ward es allen seinen Gliedern klar, daß all' ihr Unglück nur von ihrem Verlassen des göttlichen Gesetzes herrühre, und daß kein anderer Weg zu ihrem Heile, zur Erhaltung des väterlichen Erbes, welches die durch Gott erweckte Gnade des mächtigen Cyrus ihnen wieder eingeräumt hatte, vorhanden sei, als die strengste Rückkehr zu dem göttlichen Gesetze, als seine genaueste und buchstäblichste Befolgung, als seine gewissenhafteste Pflegung und Hütung. Die eine Seite des Lebens, die.bloße Aeußerlichkeit, da sie ihre Einseitigkeit auf das Höchste getrieben und dadurch sich selbst vernichtet hatte, mußte jetzt in ihr Gegeutheil, in die strengste Innerlichkeit Umschlagen; es mußte, nachdem durch Esrah nun auch die Bücher des Gesetzes gesammelt und geordnet waren, das Streben entstehen, den Inhalt dieser Bücherja jedes Wort und jeden Buchstaben derselben zu erforschen und kennen zu lernen, da man in der Beobachtung des göttlichen Gesetzes, in dem Widerstreben gegen die Sinnlichkeit des Heidenthums, die Bedingung der ferneren Erhaltung Israels, die Wiedergewinnung der göttlichen Gnade erblickte. Das ist denn der Entstehungsgrund des Pharisäismus und des ihn weiter ausgebildeten RabbiniSmus. Beide beruhen auf Nichts, als auf der, der Innerlichkeit des Geistes zugekehrten Lebensrichtung, nachdem die einseitig äußere sich erschöpft, nachdem das nicht von Gott ge-

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