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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-09-05 · Heft 46 (5.9.1841) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 46 (5.9.1841)
Date
1841-09-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des ntimzchnktn 8aW«ndMs. Ein Wochenblatt die Kcnntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös kirchlicher Beziehung Herausgegeben »r. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Rv. UH* Sonntag den 5. September 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Eine neue Ansicht über die Entwickelungsgeschichte des Iudenthums. (Fortsetzung von M 45.) Gehen wir jedoch tiefer in die Frage über den Entstehungsgrund des Rabbinismus ein, so werden wir finden, daß weder die Jostische, noch die Zunzische Ansicht ganz befriedigt. Bei der ersteren bleibt es noch unerklärt, warum das Element des Rabbinismus, jenes engherzige Brüten über dem Nitualgefetze bald nach Errichtung des zweiten Tempels im Pharisäismus begonnen, da zu jener Zeit noch kein äußerer Druck vorhanden, wenigstens nicht dergestalt vorhanden war, daß alle geistige Thätigkeit sich der Erforschung des Ritualgesetzes zuwenden mußte; bei der Zunzischen Ansicht aber würde umgekehrt die Frage entstehen, warum jenes ängstliche Deuten des göttlichen Wortes, da es auf der charakteristischen Beschaffenheit des jüdischen Volkes beruhte, nicht schon vor Esrah begonnen, nicht eben so stark bei den Propheten sich gezeigt habe. Beide Ansichten befriedigen den geschichtlichen Sinn auch deßhalb nicht, weil dieser sich nicht damit begnügt, die Gründe aufzufi'nden, warum eine gewisse Zeitbildung in's Leben treten mußte, sondern auch gern, da ja stets die Vergangenheit die Gegenwart bildet, wissen möchte, welche Elemente der verflossenen Zeit jene Zeitbildung gefördert und vorbereitet haben. Um also hier zur größeren Klarheit zu gelangen wird es nöthig sein, in die älteste Zeit zurückzugehen, und das Charakteristische des mosaischen Gesetzes selbst zu erörtern. Was man hauptsächlich an demselben, als einem von Gott gegebenen Gesetze, auszustellen bemüht gewesen, war, es hätte als solches sich nicht so mit körperlicher Wohlfahrt befassen dürfen, hätte nicht Vorschriften, die rein jene bezwecken, in so großer Anzahl aufnehmen, nicht auch irdisches Wohl und irdische Glückseligkeit für die Befolgung der Religionsgcsetze verheißen dürfen. Diese Ausstellung diente außerhalb Israels dazu, den Mosaismus als eine unvollkommene Offenbarung, die noch im Irdischen sich bewege, und statt der Liebe die Furcht als Motiv des religiösen Wandels hinstelle, darzustellen. Innerhalb Israels war man natürlich weit entfernt, jenen Vorwurf anzuerkennen, sondern ließ umgekehrt in Verachtung des Irdischen Seitens der stabilen Parthei körperliche Gründe gar nicht als Zweck des göttlichen Gesetzes gelten, und bekämpfte dadurch von vornherein die Ansicht derer, welche dem Ritualgefetze theilweise locale und momentane Zwecke unterlegen. Jene Behauptungen in und außer unserem Bekenntnisse, welche schon vielfältig widerlegt worden sind, stellen sich aber sehr bald in ihrer Nichtigkeit dar, wenn man das sich durchdringende und ganz gegenseitige Berhältniß des Körpers zum Geiste erwägt. Nach diesem Verhältniß ist nämlich geistiges Wohl und Wehe vom körperlichen und irdischen unzertrennlich. Wem der Körper siech ist, wer von Schmerz und Krankheit heimgesucht ist, ja wer auch nur von Sorgen geängstigt wird, der vermag nicht seinen Geist zu erheben, der wird auch in seinem Innern sich beengt fühlen, wird zu keiner höheren Thätigkeit, zu keinem dauernden Aufschwung des Geistes und zu keiner anhaltenden Begeisterung des

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