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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-08-29 · Heft 45 (29.8.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 45 (29.8.1841)
Date
1841-08-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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180 Auch in Böhmen schreitet unter dem Schutze der Regierung das Bessere fort. Bereits in mehreren Gemeinden sind gute Schulen gegründet und ein regelmäßiger Gottesdienst eingerichtet; selbst die deutsche Predigt findet hier und da bereitwillige Aufnahme. Nachstehend geben wir als Fortsetzung des in 3 des ersten Jahrgangs Mitgctheilten die weitere Antwort des Oberrabbincrs Chorin über Verlegung des Sabbaths im Auszuge: „Der Einwurf, den sie gegen die Feier des Sabbaths machen, wenn dieser nur an dem siebenten Tage der Schöpfung gefeiert werden soll, daß es keine zwei Meridiane gibt, die einen bestimmten Tag und Nacht von 24 Stunden zu gleicher Zeit haben? Diesen Einwurf könnte man der heiligen Schrift in der Angabe der Schöpfungsgeschichte machen, wo es heißt: „Es wird Abend, es wird Morgen ein Tag", wie soll das verstanden werden, da doch zu jeder Stunde, in der die Erde sich um ihre Achse dreht, in irgend einem Mittagskreise, da Morgen dort Abend, hier Mittag und anderwärts Mitternacht ist? Wir müssen also annehmcn: die Schöpfung spricht nur von dem Zenith und Nadir, den der erstgeschaffene Mensch Adam auf dem Erdboden gehabt, unter diesem Standpunkte sind für den Menschen sieben Tage, jeder von einem Abend, den darauf folgenden Morgen und bis zum wieder eintretenden Abend abgezählt, und der in dieser Ordnungsfolge siebente Abend und Morgen — also der siebente Tag wurde von Gott gesegnet; dieser soll sonach in ununterbrochener Reihe, durch die göttliche Offenbarung bekannt gemacht, als Sabbath geheiliget werden. Wir schreiten nun zu dem Haupteinwurf, den Sie angeben, daß zu Josuah's Zeit schon ein Unterschied des siebentägigen Wochenlaufes gegen die Zeit der Schöpfungsgeschichte um einen Tag entstanden. Zur Widerlegung dieses Einwurfes könnte ich mich auf die Autorität so vieler nach Josuah folgenden Propheten und Synoden (Sanhedrin) berufen, die trotz der durch Josuah herbeigeführten Veränderung dennoch bei der alten Zeitrechnung blieben. Wollten Sie mir entgegensetzen: Autorität kann wohl abschrecken, aber nicht überzeugen. Ist dieses ihr Einwurf, so könnte ich mich auf eine noch leichtere Art aus der Schlinge ziehen, und Sie fragen: woher wissen wir denn, daß nicht Josuah die Feier des Sabbaths wirklich um 24 Stunden später verlegt hat? Daß die Schrift nichts davon erwähnt, mag daher rühren, weil cs sich — wie Sie angeben — aus der Natur und dem Vorgänge der Begebenheiten schließen läßt. Uns genügt jedoch das unbezweifelte Wissen, daß jener Abend zu Josuah's Zeit (nach der Tradition (lainit 4 «t Abodah Sarah 25.) auch ein Abend schon zu Moses Zeit und der zu Heskyas Zeit um mehrere Stunden später als gewönlich eintrat. Diese Tagesverlängerung hat aber keinen Einfluß auf die Tagesordnung des Wochenlaufes. Nach den Grundsätzen der Religion — Theologie — wird die Dauer von einem Abend bis zum nächstfolgenden Abend nur für einen Tag angerechnet. So hat die heilige Schrift es sechcmal wiederholt, es ward Abend, es ward Morgen, ein Tag u. s. w. Diesem Grundsatz gemäß, wenn auch jener Siegestag zu Josuah's Zeit Monate lang gedauert hätte, in der täglichen Zeitfolge hätte er nicht mehr denn einen Tag eingenommen, und sonach haben die nach Josuah folgenden Gefttzverweser — so wie wir noch heutigen Tages — nach mosaischem Rechte die Tagesordnung und die Feier des Sabbaths den ununterbrochenen siebenten Tag seit der Schöpfungsvollendung beibehalten. Oben schon haben wir die Worte des größten und erhabensten aller talmudischen Gesetzkündigen Maimonides angeführt, daß, um das Wesentliche der Religion zu erhalten, (mn pwrfo und die gesellschaftliche Glückseligkeit zu befördern, (D^iyP! DVp*?) es einer jeder Provinzial-Synode überlassen ist, selbst einige Gebote der heiligen Schrift zu suspendiren; vielmehr die häufigen, strengen und lästigen Regeln, welche — unter dem Titel — von früheren und späteren Rabbinen eingesetzt worden, ganz abzuschaffen. Diesem unerschütterlichen Grundsatz gemäß, wenn wir auch nicht befugt sind, die Bestimmung des Sabbaths-Tages zu verrücken, könne derselbe dennoch so modifizirt und alle Hindernisse weggeräumt werden, so daß der seiner väterlichen Religion treue Israelit mit guten und frommen Gewissen die gesellschaftlichen Wohlanstalten befördern und ihre Früchte mit genießen könne. O möchten die Rabbinen zu Herzen nehmen, was ihnen am Herzen liegen soll, — als Hirten der Heerde sollt Ihr die Schwächlinge stärken, das Verlaufene zurückholen; wollt Ihr dieß durch Euere Starrsinnigkeit crzwecken? Durch Eure Entgegenstrebung verstoßt Ihr so manches gute Schaf aus der Heerde. Der Sabbath ist von Gott als Bundeszcichen zwischen ihm und Israel, und zwischen den Israeliten untereinander eingesetzt, er soll sein ein Ruhe- und Freudenvoller Tag (nnD&1 JTTIJD DV> 3n jenen Zeiten, wo die vielen strengen Regeln (DTVQtiO für den Sabbath cingeführt wurden, mögen sie wohl nützlich gewesen sein, sind sie es nun noch? entsprechen sie noch ihrem einst gehabten Zweck? machen sie nicht vielmehr zweckwidrige Wirkungen? Der Druck, den die so lästigen und beschwerlichen Einschränkungen (DYVDBO »erurfacfren, uni? für den größten Theil der Nation (nicht des Pöbels) den zur Freude bestimmten Tag, in einen der mißvergnügtesten verwandelt hat, dessen mancher sich eigenmächtig entledigt, hat vielleicht auch auf die Moralität einen schädlichen Einfluß ausgcübt. Betrachtet die Geschästsmänner; wieviele derselben, die sonst in minder wichtigen Ceremonialgesetzen, oder unwichtigen Gebräuchen, insofern sie keinen Einfluß auf ihren Geschäftsgang haben, sich sehr streng halten, werden oft durch Zufall einem (wirklichen oder vermeintlichen) Schaden vorzubeugen, oder wieder einzubringen, veranlaßt werden, am Sabbath eine Reise zu machen, oder einen Brief zu schreiben; daß dieser Fall sehr oft eintritt, ist Euch meine Herren Collegen sowohl als mir bewußt; nun glaubt der sonst treue Anhänger der Religion, daß er durch die Entweihung des Sabbaths schon die ganze Religion entweihet hat, dann ist die Folge, daß er wirklich ein Verächter der Religion wird; wäre es nicht heilsamer dem weisen Rath des Gesetzgebers zu folgen, einen Theil des Gesetzes abzusondern, um das Ganze zu erhalten? Besonders das Fahren am Sabbath, welches schon der große Rabbi Samuel mn 'O'2 rQBf 'N'N zu erlauben geneigt gewesen, und das Schreiben mit deutschen Schriftzügen, welches nach der Meinung des n"D Tun 8"22'-in ptm ni:An nrrjnn yy 'n rm ra eben nur zu der Gattung der spätern Einschränkungsregeln (DTYQ20 zu rechnen ist." Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlünq zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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