Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 41 (1.8.1841)
- Date
- 1841-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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164 yützt «erden können; in der Seminaranstalt in Berlin hat man es bereits eingeführt. HD2 oder Betrachtungen und Gebete an dem Grabe entschlafener Eltern, Geschwister und Lehrer, von F. L- Liepmannssohn. Wer da weiß, wie unbrauchbar das in dem jüdisch-deutschen Idiom abgefaßte D'Tin "1E0 geworden, muß es dem, durch Herausgabe mehrerer Borträge schon vortheilhaft bekannten, Verfasser doppelt Dank wissen, daß er hier einem religiösen Bedürfnisse auf so zweckmäßige Weise abgeholfen hat. Seine Gebete sind nicht nur höchst erbaulich, sondern enthalten noch eine Fülle der fruchtbarsten religiösen Wahrheiten, die an den Ruhestätten Heimgegangener Lieben gesprochen und empfunden, eine um so segensreichere Wirkung in dem Herzen der Betenden zurücklassen werden. Eben so lehrreich und wahrhaft Muster gebend ist eine Schrift desselben Verfassers, betitelt: □'Tf! oder ein vollständiger Confirmationsact. '"DO'** Hebräische Sprachlehre für Schulen von I. Johlson. Der Verfasser hat auch in diesem Buche seinen pädagogischen Tact bewährt. Eine sehr zweckmäßige Auswahl in der Theorie, wobei die neuen Forschungen sorgfältig benutzt wurden, sowie eine gute praktische Durchführung zeichnet auch dieses Werk aus. Ein gleiches Urtheil müssen wir über das neu erschienene biblisch-hebräische Wörterbuch desselben Verfassers abgeben. Beide Schriften, ihrem Umfange nach auch billig, werden sich gewiß einer großen Verbreitung crfteucn. Als ein meisterhaft ausgcarbeitetes Ausgabenbuch zur Uebung im richtigen und geläufigen Lesen des Hebräischen empfehlen wir aber das jetzt vou vr. Carl Rehfuß in Heidelberg herausgegebene; es läßt fast alle in diesem Fache erschienenen Schriften hinter sich. Die Schrift Damascia von Loewenstein hat eine außerordentlich starke Abnahme gefunden. Es ist dieses das sprechendste Zeichen für die allgemeiner gewordene bessere Ansicht über jenes unglückliche Ercigniß. Wir sehen daher dem Erscheinen eines zweiten Theiles von jener ausgezeichneten Schrift mit Verlangen entgegen. Die Juden in Algier.*) Die Vermittelung zwischen alle dem bildet der Jude, unglücklich hier wie allerwege. Der Prophet schon, dem Christenthume viel geneigter und näher, hat sie gehaßt, und dieser Haß, dem sie überall begegnet sind, ist ihnen treu geblieben wie ihr Glaube, eins gewiß zur Unterstützung des andern. Sie wurden von den Türken und Arabern behandelt wie bei uns im Mittelalter, es war ihnen Farbe und Schnitt des Kleides vorgeschrieben, sie durften kein Pferd reiten, ja nicht auf einem Esel durften sie zur Stadt kommen. Wenn der Christ die Bastonade bekam, wurde der Jude verbrannt oder gehenkt. Wie überall rächten sie sich durch den Erfolg überlegener Klugheit; in neuerer Zeit war Ben Durand ihr Triumph und ihr Stolz. Dieser aftikanische Talleyrand, der dem Abdel-Kader und dem Gouverneur von Algier gleichzeitig zu dienen wußte, der Wasser und Feuer vereinigte, war bei meiner Ankunft eben um's Leben gekommen, da er von Abdel Kader nach Algier zurückkehren gewollt. Es erregte dieser Todesfall unter den algier'schen Juden große Trauer und Bestürzung, einige schrieben ihn einem beigebrachten Gifte zu, andere einer akuten Landeskrankheit. Man glaubte am Ende den letzteren; aber das milderte die Trauer nicht: der Stolz Israels war dahin! Ein aus Europa ausgewanderter Jude beschrieb mir diesen Ben Durand als eins der gelungensten Menschenbildern: groß, schön, wohlig und üppig und sauber habe er Alles an sich gelöst, wenn er Abends auf dem Place du Gouvernement — vorherrschend in Algier //Regentschaftsplatz" geheißen — erschienen sei, und die süßeste Rede sei ihm wie Honigseim von den Lippen geflossen, allen Nationen verführerisch, allen eine Erquickung durch Sinn und Geist. Wo ftanzösische Fahne weht, da strömt der Jude hinzu, und in diesen unbefragt gleichen Rechten, welche nicht nur das Gesetz, sondern die Sitte Frankreichs gewährt, geht er mit jüdischer Absonderung in Frankreich am ersten unter. Ich habe mit Erstaunen in Paris gesehn, daß unter de» zahlreich dort lebenden Deutschen drei Viertheile Juden sind, und daß von ihren Nationalfehlern nur die leichteren bei ihnen geblieben waren in dieser völligen Emanzipation. Einige israelitische Kanfleute aus Deutschland, die in Algier tüchtig und glücklich gearbeitet, nahmen uns mit deutscher Gastlichkeit auf; es verschlingen sich auf diesem afrikanischen Gestade die Nationalitäten dergestalt, daß man sich am Ende gewöhnt, immer nur vom Menschen zum Menschen zu fragen, und daß man oft nach längerer Bekanntschaft erst erfährt, der Bekannte habe diese oder jene wildfremde Sprache als Muttersprache geredet. *) Aus H. Laube's ftanzösische Lustschlösser. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Poftamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hrldburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, l Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.