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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-07-11 · Heft 38 (11.7.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 38 (11.7.1841)
Date
1841-07-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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152 und Ausschließung von menschlichen Rechten, wie weh dies thut, und wie weh ihnen selbst zu Muthe gewesen, als sie und unser deutsches Vaterland einst unter fremder Herrschaft gestanden — daß sie uns nicht menschenfreundlicher, nicht liebreicher, nicht gerechter begegnen würden? Gewiß, sie würden menschlicher sein, wenn auch weder unsere, noch ihre Religionc lehre ihnen cinschärste: T2yn N*? TGrft *00 -jfyn Nv "Was dir zuwider und verhaßt ist, das thue auch deinem Nebenmenschen nicht.'! *) Hört die in dieser Absicht euch erthcilten Lehren, hört sie, Israeliten! und möchten sie auch alle Nicht-Israeliten hören und befolgen! Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken, denn ihr wisset, wie den Fremdlingen ums Herz ist, dieweil ihr auch Fremdlinge wäret im Aegyptenlande, (2. Mos. 23, 9). Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, so sollt ihr ihn nicht drücken; er soll bei euch wohnen wre ein Einheimischer unter euch, und sollt ihn Lieben wie euch selbst. Wir wollen uns freuen, Israeliten! das wir Gottes Absicht erfüllen, daß wir den Honig der Tugend dem Gifte der Leiden abzugewinnen verstanden. — Ein Feind Israels — ein Menschenfeind — denn in der Regel sind das sinnverwandte Begriffe — verglich uns einmal in einer gegen Israel gerichteten Schrift-Den Bienen. Israeliten! wir sind es und wollen es sein! Auch wir wollen, wie diese Gottesgeschöpfe, selbst aus den Giftblumen Honig zu ziehen suchen, wie es unser Gott gelehrt: Daß gerade das Andenken an das Elend in Aegypten uns zur Beglückung und Unterstützung unserer Mitmenschen, wes Standes und Glaubens sie auch sein mögen, zur sittlichen Gediegenheit und religiösen Vollendung verhelfen soll."_ Der Hamburger Correspondcnt enthält über die dort stattgefundene Jubelfeier des israelitischen Vorschußinstituts einen Artikel, aus welchem wir folgende Stellen hervorheben: Am 28. Mär; fand hieselbst eine Jubelfeier statt, welche es wohl verdient, dem größeren Publikum mitgethcilt zu werden. Es ward nämlich an diesem Tage zugleich das fünfundzwanzigiährige Bestehen des hiesigen israelitischen Vorschuß-Instituts, so wie durch die gleich lange Wirksamkeit des einen Stifters dieser heilsamen Anstalt, des Hrn. E. Michaelis, als unermüdet thätigen Verwalters derselben, gefeiert. Einer der jetzigen Verwalter, Hr. S. Robinow, eröffnete die Feier mit einigen einleitenden Worten und trug daraufden auch dem Druck übergebenen Bericht über den gegenwärtigen Zustand des Instituts vor. Es erwähnt dieser Bericht kurz der Entstehung und des Zweckes, ausführlich aber der bisherigen so sehr erfreulichen Wirksamkeit der Anstalt, nennt die vielen Wohlthäter, welche durch Geschenke, Legate und Darlehen das Bestehen und die Ausbreitung des Instituts möglich gemacht; führt vielfache Beispiele an, denen zufolge dies Institut als eine der segensvollsten Wohlthätigkeits- Anstalten sich bewährt hat, und berichtet endlich über die Denkmünze, welche eigends zu dieser Feier höchst paffend geprägt worden ist *). Hr. Robinow verlas darauf die auf Veranlassung dieser Feier von der Verwaltung der (christlichen) Vorschuß-Anstalt für Hülfsbedürftige und der Zweiten wohlthätigen Vorschuß- Anstalt, an die Verwalter des israelitischen Vorschuß-Instituts gerichteten Schreiben und hob am Schluffe seines Vortrages noch mit herzlichen Worten die Verdienste des -Hr. E. Michaelis um das Institut, zu welchem er die erste Veranlassung gegeben, und welchem er seit 25 Jahren als Verwalter die größte Thätigkeit widmete, hervor, und überreichte ihm Namens der Anstalt ein goldenes Exemplar der Denkmünze. Die anwesende Deputation der patriotischen Gesellschaft begrüßte darauf Namens dieser Gesellschaft den verdienten Greis und übergab ihm das Diplom als Ehrenmitglied derselben. Hr. E. Michaelis dankte mit einer von Rührung fast erstickten Stimme, und machte bemerklich, daß, wie glücklich auch der Gedanke gewesen sein möchte, eine solche Stiftung ins Leben zu rufen, doch nur wenig damit geschehen sein würde, hätten nicht edle Menschenfreunde durch Darlehn, Geschenke und Vermächtnisse dessen Ausführung gefördert, und wiederum andere durch ihre Thcilnahme die Organisation des Instituts vervollkommnen helfen. Hiezu bemerkt ein Schreiben aus Hamburg von sehr achtbarer Hand: Obgleich die Schriftstelle Jes. 41, 6, nicht die ihr hier gegebene humane Bedeutung hat, so drücken die Worte als Umschrift der Denkmünze doch ganz die Tendenz des Instituts aus. Die Rabbinen haben eine viel freiere Anwendung von biblischen Versen gemacht und sie hätte also den Herrn geistlichen Beamten nicht aus der Fassung bringen sollen, ein Paar Worte in der Versammlung zu reden. Nämlich Herr Berneys sagte: Er wäre Willens gewesen, eine Rede zu extemporiren, als er aber die falsche Anwendung bemerkte, die man von derBibelstclle in Jesaias gemacht —das er rYlDT)p*2N! nannte! — da wäre ihm die Lust zn reden vergangen. Derselbe zeigt sich jetzt auch in anderer Weise thätig, er machinirt nämlich gegen den Tcmpelbau, was ihm freilich nicht gelingt; indessen wollen wir ihm den Willen als That anrechnen. — Der Tempel war bei der kürzlich stattgefundenen Consirmation übermäßig voll und besondere Theilnahme fand die Handlung bei Christen und Christinnen; sie erfuhren es zum erstenmal, wie sie gestanden, daß die israelitische Religion so große erhabene Lehren enthielte. Der Tempel in Charlestown (fährt unser Berichterstatter fort) ist nun ins Leben getreten. Englische Predigt und englische Gesänge fehlten der Einweihung nicht. Es ist das Gotteshaus ein herrliches Gebäude. Am Tage der Einweihung waren 3000 Personen in dem Tempel. Die Narrheit der Rabbinen ist auch bis übers Meer in die neue Welt gedrungen, denn es sind viel Briefe von (Rabbinen) angekommcn gegen die Orgel, aber ohne Erfolg. Auch hat sich dort eine kleine Gemeinde (vermuthlich als Opposition) unter dem Namen rYHNtP gebildet, doch mehrentheils aus Europäern. *) Tractat Sabbath. S. 3l. *) Die Denkmünze enthält auf der Vorderseite daS Siegel der Anstalt »den Bienenkorb - mit der Umschrift: 5. B. M- Cap. 15, V. 8 - Thue ihm deine Hand auf und leihe ihm. soviel er bedarf" und auf der Rückseite -1841" mit der Umschrift: Zcs. Capnt, V. 6 ..Einer half dem Andern und sprach zum Bruder: sey getrost!- Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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