Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 37 (4.7.1841)
- Date
- 1841-07-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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148 losophieen und alle Religionslehren sind nicht im Stande, befriedigende Antwort zu geben auf diese Fragen." (Schl, f.) Der deutsche Jude. *) Ich stand auf deutscher Berge Gipfeln Und sah der Sonne Morgenrauch; Da kam von fernen Cedernwipfcln Zu mir ein fast vergeßner Hauch. Ich träumte von dem heil'gen Strome, Vom Tempel, der so herrlich war. Und schaute, statt der hohen Dome, Nur Zions stürzenden Altar. Da flüsterten die alten Sagen; Am Libanon da hat's gebraust. Wie in der Urwelt grauen Tagen, Als meine Ahnen dort gehaust. Und als im Sturm die Flammen glühten, Worin die Welt sich hat erneut, Ward auch das Volk von Sturmes Wüthen Nach allen Winden hin zerstreut. So ward ein Flüchtling ich verschlagen Vom Jordan bis zum alten Rhein; Und wo die Ritterburgen ragen. Da muß ich nun ein Fremder sein. Es haben sich in goldne Halmen Die deutschen Felder eingchüllt; Allein von Palmen und von Psalmen Ist ganz mein Sehnen angefüllt. — Doch wie sich auch ein lautes Mahnen Roch regt an die vergeßne Zeit, Sind meine Dienste stets den Fahnen Des edlen, starken Kampfs geweiht. Und wie aus längst verfallenen Vesten Noch Moos und Bäume blüh'n hervor. So steigt auch aus den alten Resten Der Drang zum neuen Licht empor. So regt sich's mir im Busen heftig: Die Zeit vollendet ihren Lauf! Es steht der Geist des Lebens kräftig Aus modrigen Gesteinen auf! Drum lassen wir uns nichts verkümmern. Sink'»auch die alte Herrlichkeit; Denn -och ersteht aus Schutt und Trümmern. Oer Lebensbaum der neuen Zeit! Aufruf. Glaubensgenossen, Brüder! Der Mittag des 30. Aprils d. I. war vorüber. Die meisten männlichen Bewohner unserer Gemeinde waren auswärts. Da stand plötzlich unser Backhaus in hellen Flammen. Schon nach wenig Minuten, ehe noch Hülfe möglich war, hatte der scharfwehende Ostwind, den flackernden Brand unserer Synagoge, unserer Schule mitgetheilt. Es geschah alles, was angestrengte Thatigkeit der Ortsbewohner, was von nah und fern herbeieilende Hülfe, bei dem drückenden Wassermangel, andern wir leiden, zu leisten vermochten; ach, dcmungeachtet sanken unsere Synagoge, unser Schulhaus, die Wohnungen zwei unserer Glaubensgenossen, 2 Scheuern und das Wohnhaus eines christlichen Bewohners in Asche. Fast nichts konnte gerettet werden; doch wir danken dem, der den Elementen gebietet, daß wir den Verlust keines Menschenlebens zu beklagen haben. Aber uns're Gemeinde ist sehr arm, und leider sind sämmtliche Gemeindcgebäude, welche abbrannten, nach Landesgesetz nur mit 288 Thlrn. in der Assecuranz versichert. Wie soll es also ermöglicht werden unsere Synagoge wieder aufzurichten, dem wackern Lehrer uns'rer Kinder ein neues Obdach zur Fortsetzung seines segenbringenden Berufes zu schaffen, und unfern um Hab. und Gut gekommenen Glaubensgenossen in ihrer Noth aufzuhelsen, wenn wir nicht die Mildthätigkeit unserer näher und ferner wohnenden Brüder in Anspruch nehmen. An Sie wenden wir uns daher in uns'rer tiefen Bedrängniß; und gewiß wir bitten nicht vergebens um Beistand, denn noch belebt warmes Mitgefühl bei fremdem Schmerz die Brust der Söhne uns'rer ge. meinsamen Väter, noch ist edle Mildthätigkeit in den zerstreuten Gemeinden Israels nicht erloschen, noch steht der feste Glaube an die vergeltende Hand des Ewigen unerschüttert. Ja, er wird die Gaben segnen, mit welchen Ihr Edelmuth uns're Noth zu lindern suchen wird, und die wir mit dankbar gerührtem Herzen empfangen werden. Die Unterzeichneten Vorsteher uns'rer Gemeinde werden nicht verfehlen, den Empfang der Unterstützungen öffentlich zu bescheinigen und seiner Zeit Rechnung darüber ablegcn. Möge der Allmächtige alle unsere Brüder mit gleicher oder ähnlicher Heimsuchung verschonen. Mit diesem Wunsche unterzeichnen wir Aschenhausen, bei Kaltennordheim, im Großherzogthum Weimar, den 20. Mai 1841 Der israelitische Gemeinde-Vorstand. Löser Katzenstein, Vorsteher. Abraham Friedeman. Levi Stern. Jsaac Cahn. ObigeS Gesuch bestätigt und empfiehlt Aschenhausen, b. 21. Mai 1841. Stadtlengsfeld, d. 22. Mai 1841. Der Gerichtsdirector Der Land-Rabbiner Brieglcb. vr. Heß. (L. 8.) Wir sind gern bereitwillig, uns dem Empfange und der Ablieferung der Unterstützungen zu unterziehen. Die Rcdaction des Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts. *) AuS den jüdischen Gedichten von Theodor Creirenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schcn Hofbuchhandlung zu Hildburghauseu und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.