Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 36 (27.6.1841)
- Date
- 1841-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des miiUhnlk» Saßrtzunhms. Ein Wochenblatt für die Kcnntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben Dr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthmn Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. SG. Sonntag den »7. Juni 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden^ fteisinnig, muthvoll und wahr. -PIN Stunden -er Weihe für israelitische Consirmanden, in einer Reihe von Betrachtungen über die wesentlichsten Punkte der mosaischen Lehre von M. Creizenach, Nebst einem Anhänge jüdischer Gedichte von ®r. Th. Creizenach. Frankfurt a. M. 1841. Was alle israelitischen Religionslehrer und Erzieher in unfern Tagen auf das Lebhafteste beschäftigt, was nicht minder der Gegenstand der angelegentlichsten Sorgfalt gewissenhafter Eltern bildet, ist die Frage: Auf welche Weise ist der Religionsunterricht in der Schule, ist er namentlich beim baldigen Verlassen derselben in den Stunden der Confirmation zu ertheilen, damit dem in's Leben eintretenden Israeliten seine Religion ferner die Quelle und der Mittelpunkt seines Trachtens und Strebens bleibe. In früherer Zeit war dieses nicht schwierig. Das religiöse Bewußtsein und das religiöse Leben des Israeliten war damals noch nicht entzweit; es herrschte unter allen damals noch die gleiche religiöse Anschauung; alle waren mit gleicher Verehrung dem Bestehenden zugewendet, wie es der Thalmud und die Rabbinen geordnet und festgeftellt haben, alle sahen in den Schriften derselben die Richtschnur für ihr Wirken und Leben- und man hatte daher nur die Jugend mit dem in jenen Schriften Gegebenen, je nach ihren Fähigkeiten, bekannt zu machen, um der heiligen Fürsorge auf ihre religiöse Erziehung zu genügen. Jetzt ist aber das ganz anders. Nicht nur in den religiösen Ansichten, sondern auch im praktischen Leben, wird unter den israelitischen Eltern eine so gewaltige Verschiedenheit angetrosten, daß es eine sehr schwierige Aufgabe für den Religionslehrer ist, wie er den Unterricht zu geben habe, daß seine Lehre nicht in Widerspruch mit dem Beispiele und dem Leben der Eltern trete. Zwar findet auch unter Christen noch keine Uebereinstimmung in den religiösen Ansichten statt; allein! dort tritt die Verschiedenheit lange nicht so im Leben her-;i'or, eö handelt sich mehr um Auffassung gewisser Dogmen und Glaubenssätze, und die Eltern treten, wenigstens sichtbar, nicht entgegen, wenn auch der Unterricht : in der Schule von ihren Ansichten abwcicht. Aber im : Judenthume unserer Zeit, wo die Divergenz der Grundsätze hauptsächlich das Leben, die Ausübung des Rituali gesetzes, betrifft, kann das Beispiel der Eltern auf eine i sehr auffallende Weise dem Unterrichte des Lehrers ent- : gegentreten, und es sind dann folgende zwei gleich nach- . theilige Fälle vorhanden: Entweder das Kind wird in der - Schule zu der strengen Ansicht über die Helligkeit der t Ritualgesetze geführt, sicht aber seine eigenen Eltern sie U täglich übertreten, oder es erhält dort eine freiere Ueber-