Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 34 (13.6.1841)
- Date
- 1841-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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136 Gekauert, kroch, als Du entschlummert, -in Zu Deinem Haupt und fragte Gott, warum Des Vaters Stirn so feindliche Gedanken Dem Sohn und treuen Diener bergen mag? Saul. Ist es auch David? Spricht er wahr? Mein Sohn, Gott gab in Deine Hand mich und Du schontest Des Greisen, den ein rascher Streich des Schwertes Aus Deinem Pfade hätte fortgeräumt? Michal. Er ist's! Wär ich der Wind, der ftohlich ihnk Zn seinen flatternden Gewändern spielt! David. Willkommen all' Ihr Lieben, Thcuren! Flosse Doch zwischen uns ein wilder Bergsturz nicht Bon jähem Haß und schäumender Verfolgung! Saul (sinnend.) Mein Leben stand in seiner Hand, und spielend Schnitt er von meinem Rock sich einen Zipfel Wie zur Erin'rung ab! David. Gebt mir die Harfe, Daß ich dieß Wiedersehn, so schön und schaurig. Mit ihren klagenden Accorden fei're! (Nimmt die Harfe und spricht mit Begleitung derselben.) Warum verfolgst Du mich? Den Frühling siehst Du blühen. Die Abendsonne glühen; Die Vöglein siehst Du springen Von ihrer Liebe singen — Und was verfolgst Du mich? Warum verfolgst Du mich? Zm Wald die Blätter rauschen. Du kannst den Hirsch belauschen, Aus seinen frommen Augen Dir Lieb' und Treue saugen — Uud was verfolgst Du mich? (Saul verhüllt sein Gesicht.) Warum verfolgst Du mich? Gott gab der schönen Erde Doch darum nur Beschwerde, Daß wir zusammenrücken. Die warme Hand uns drücken — Und was verfolgst Du mich? Warum verfolgst Du mich? Wenn sie der Haß vertriebe Die treue Kindesliebe, _ _Wer soll den Segen sprechen, .. durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandluna »u Hrldburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Doll und Schaffer in Kassel. Wenn einst die Augen brccheu? Warum verfolgst Du mich? Saul (wehmüthig sinnend.) Mir bricht das Herz entzwei, die Brust stürmt wie Das wilde Meer, mein Wille leidet Schiffbruch. (Laut.) Mein Sohn! Du kannst die Wetter bänd'gen! Komm! An Deinem Herzen bricht die Welle sich Und Himmelsbläue deckt den klaren Spiegel! (David stellt die Harfe zurück und kömmt allein vom Felsen herab und spricht:) David. Der Jäger pfeift, der Falke fliegt zurück; Doch schneller noch flieg ich zu Deinen Füßen! Saul (ihn umarmend.) Laß', treuerfund'ner Sohn, an Deinem Busen Mich bergen meine Scham und Reu'! Vergiß, Vergiß die bösen Stunden, die mir Gott Und deiner Harfe süßes Klingen wieder Zn Sonnenblicke umgewandelt hat! Hier ist Dein Weib! Hier Jonathan, der treue, Da, stillt den Durst des lechzenden Verlangens, Das Euch verzehrte; nehmt mich alten Mann Mit Kindesliebe auf und laßt auch ihm Ein kleines Plätzchen in dem Freundeskreis! David. Ich seh' euch wieder, Michal, Jonathan? Michal. Von Todten stehst Du auf. Jonathan (mit zurückgehaltener Freude). Des Freundes Gruß Ist kurz; doch liegen Welten drin. Saul. Nun kommt; Wir bleiben einig — dorten ist das Lager! Nehmt eine Zeder für das Königszelt; Spannt es so hoch wie's Firmament! Denn Sonnen Und Sterne — ja das seid Ihr mir fortan — Die wollen Raum für ihre Bahnen haben! (Ab mit Jonathan, Michal, David.) Abner. Er sicht die blutigen Gespenster nicht Der siebenzig Priester, die mit hohlen Augen Jndeß aus alle» Felsenspalten schielten. Was hat er sie getödtet, wenn die Saat, Die ihm aus ihren Gräbern sprießen sollte. Ein Harfenton erstickt! Mich trifft's nicht. — Kommt! (Ab mit den Uebrigcn.)