Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 34 (13.6.1841)
- Date
- 1841-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des nciwzchnlcn Mrtzmchttt». Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nv. 34L Sonntag den 13. Juni 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. CI i fl I der hochbegeisterte Prophet des Herrn, der Kämpfer für Licht und Wahrheit. Ein heiliges Lebensgemälde. Zn neunzehn Kanzelvorträgen gehalten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg von »r. Gotthold Salomon. Hamburg, 1840. (Bei Perthes-Besser und Maucke.) (Fortsetzung von Nr. 33.) Hier richtet sich unser Blick zunächst auf den bescheidenen Weisen ans Dessau, auf den unsterblichen Mendelssohn. Er war der erste, welcher in Verbindung mit Wessely durch einereine deutsche Uebersetzung des Pentateuchs und einiger andern biblischen Bücher, vorzüglich aber durch den hicmit verbundenen Commentar, Ctwq) den Weg zu einer besseren Auslegung des göttlichen Wortes wieder eröffnete. Diese edlere Richtung verdankte Mendelssohn bloß seiner philosophischen Bildung, dem Geiste der europäischen Wissenschaft, an welcher sich der seinige erhoben hatte; sie nnlßte daher in seinen Freunden und Schülern um so mehr fortwirken, als dieselben, von ihm angeregt, sich gleichfalls mit europäischer Bildung befreundeten. Der Geist der Wissenschaft mußte aber von selbst den sittlich-hohen der Propheten und der erleuchteten Lehrer des göttlichen Wortes wecken, und wie nun schon dadurch die übermäßig gesteigerte Verehrung der äußeren Religionsgesetze geschwächt ward, so mußte auch der Geschmack an den dialektischen Kunststücken der Chilukim und Deraschoth schwinden. Dazu kam die freiere äußere Stellung, welche auch den deutschen Israeliten nach dem Ausbruche der ersten französischen Revolution zu Theil ward; sie erweiterte die ganze bisherige Lebensanschauung, welche sich in der Hütung und Pflege des Wortes der Bibel und — was man nicht zu trennen vermochte — der Folianten der thalmudischen und rabbinischen Literatur conccntrirt hatte, sie führte mit dem fteieren Gebrauch, den sie den Kräften des Israeliten gestattete, ihn zu der Ueberzengung, daß er feine Lebensaufgabe auch in anderen menschlichen Tätigkeiten zu suchen habe. Am unmittelbarsten auf eine bessere Vortragsweise in der Synagoge wirkten nun aber in Deutschland diejenigen Rabbiner:, welche durch die Verfassung des ehemaligen wcstphälischen Reiches plötzlich eine ehrenvolle Stellung erhielten und nun es attch als eine Ehrensache ansahen, der edleren deutschen Gesittung durch ordentliche deutsche Vorträge in der Synagoge nach dem Muster der christlichen Predigten zu huldigen. So wurden schon regelmäßige Vorträge in Cassel, dem Sitz des israelitischen Consistoriums, gehört und fanden bald auch anderwärts Nachahmung. Besonders förderte dieses der edle Jacobsohn auch nach der Auflösung des wcstphälischen Consistormms, durch den veredelten Gottesdienst, den er in seinem Bethause in Berlin entführte. Allein jene Zeit, so groß sie auch war und so mächtig sie auf den religiösen Fortschritt in unserer Mitte einwirkte, hatte doch, namentlich in Beziehung auf die Vortragsweise des gött-