Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 31 (16.5.1841)
- Date
- 1841-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566784--0157-2567743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit des Ntimzktznlm MWlmdttts. Ein Wochenblatt für die Kcniitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nv. AR. Sonntag den IS. Mai 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Gedanken eines Israeliten über die Lehren Jesu und deren Berhältniß zur mosaischen Lehre. *) (Bon A. in L.) Es kann deshalb schon nicht gesagt werden: Religion Christi, da derselbe im ganzen Umfange an der Lehre Mosis hielt. Nicht allein war ihm, wie wir aus dem N. T. ersehen, der Schöpfungstag heilig, er muß ihn sogar mit pharisäisch-jüdischer Strenge gefeiert haben. Die Schriftgelehrten, die ihn so eifersüchtig und so scharf bewachten, konnten in diesem Betreff weiter nichts gegen ihn aufbringen, als daß seine Schüler einige Aehren abgcrupft, und auch dieses billigte er nicht selbstständig aus eigner Machtvollkommenheit, sondern zeigte und berief sich auf einen analogen Fall in der Geschichte des A. T., und da er am Sabbath einen Lahmen heilte, waren die Pharisäer mehr gespannt, wie er, der hochgelehrte, hochgefeierte, Mann, in diesem Falte sich benehmen werde, als daß sie ihn darüber getadelt hätten, wie es auch in den Schriften Jener, im Thalmud, unbedenklich erlaubt wird, am Sabbath einem Kranken bewährte Heilmittel zu reichen, wenn sein Zustand es erfordert. — Den Aussätzigen wies er selbst in den Tempel, um dem Gesetze Moschehs (3. B. K. 14.) zu genügen. — Das Paschahfest feiert er nicht *) Auszug aus einem uns mitgetheilten größeren Aufsätze. Bergl. hiermit den Aufsatz über den reinen Mosaismus in Nr. 1 — 5 dieser Blätter. Red. «allein nach der in der heil. Schrift angegebenen Weise, j er unterläßt auch nicht nach der Bestimmung der mündllichen Ucberlieferung Wein dabei zu genießen. — Er spricht nach Vorschrift derselben Autorität den Seegen vor dem Genüsse des Brodes, was auch die Apostel thaten, und die Israeliten heute noch thun. Was aber mehr für die Anerkennung der mosaischen Lehre spricht, als diese und andere specicllen Fälle, ist die feierliche Erklärung Jesu, daß er nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzuheben, sondern es vielmehr zu bestätigen; ferner: „Die Schriftgelehrten und Pharisäer sitzen auf dem Lehrstuhle Mosches, beobachtet und thut daher Alles was sie sagen." (Math. 23.) — Die Stellen, die angeführt worden, das Gcgentheil zu beweisen, sind ungefähr folgende: ()oh. 4, 24.) „Gott ist ein Geist und die ihn anbeten müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten.„ Nun das wird auch der eingefleischteste Werkheilige zu leugnen sich nickt entblöden, wenn er auch, sich selbst und andere täuschend, sich nicht daran hält, und es sagen dieses die so hart mitgenommenen Schriftgelehrtcn schon vor Jesus, z. B. N2122 21v* "ninD nSi rmno 1 "Besser Weniges mit Bewußtsein und Andacht, als viel und Vieles andachts- und bewußtlos." Bekannt ist'ö, daß die Propheten darüber auch keine Worte sparten. Ein gewichtigerer Beweis wäre Math. 15, 11.: Nicht was durch den Mund geht, verunreinigt re. Aber schon die angeführten speziellen Fälle und die erwähnte Stelle aus der Bergpredigt zwingt uns, um den Widerspruch auszugleichen, anzunehmen, daß Jesus damit keineswegs die Speisegebote hat arch heben wollen, es war ihm vielmehr nur darum zu thun,