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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-05-09 · Heft 30 (9.5.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 30 (9.5.1841)
Date
1841-05-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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120 Rein, es giebt keine unbedingte Große in der materiellen Welt. Denn was ist am Ende gegen das endlose Universum gerechnet, die Erde selbst mehr, als ein Tropfen, der nach sei- **«t Maßstabe Oceane mit darin schwimmenden, Welttheile benannten Stäubchen umfaßt? Einem Geiste, der außerhalb der Erde in die Unendlichkeit mit einem Auge blicken konnte, das dem Maßstabe der Geschwindigkeit des Lichtes gewachsen wäre, wie unseres dem Fluge des Adlers würde gewiß unser Erdball nur als ein belebter Tropfen erscheinen, dessen Bewohner er auch nur durch Bergrößerungsmittel für sein Auge wahrnehmrn könnte. — Und dieser Tropfen, dieser Erdball selbst, ist doch wieder nur auf seiner Oberfläche mit organischen Geschöpfen belebt. Was sind aber diese Urwälder und die darin wohnenden Riesenthiere gegen die kubische Erdmassc selbst? Ein dünner Ucberhauch des Lebens über eine Kugel von 9z Millionen Quadratmeilen im Umfang! Wie soll ich mir ein so unbegreifliches Uebergewicht der materiellen Grundlage zu dem wechselnden individualisirten Leben erklären? Doch — deute ich es eben nicht selber an? Ich nannte sa wechselndes Leben. Stellt sich nicht jenem materiellen Uebergewicht in den unaufhörlich vergehenden und wiederkehrenden Bildungen, in den unermüdlichen Entwicklungen des Lebens, eine andere Uebermacht entgegen, und hält Gleichgewicht? Gewiß sind nicht nur die Anziehungskräfte der Weltkörper unter einander, sondern auch auf jedem einzelnen das Gewicht der Masse zur Kraft des Lebens abgemessen." Nur die Gedanken, die Gefühle, der Wille des Menschen haben ein unbedingtes Maß, das nach der einzigen absoluten Größe gestempelt ist, die es giebt, — nach der Gottheit selbst. Dann hat Pascal Recht, wenn er ausruft: Das Weltall umfaßt, ja verschlingt mich wie ein Pünktchen; mit meinem Geist aber umfasse ich das Weltall." Ein neues Lügengewebe scheint sich in Damaskus zu cntspinnen. Die Augsburger Allg. Ztg. enthält hierüber folgenden Artikel: "(Alexandria, 7. Febr.) Augenzeugen erzählen uns folgende Thatsachen aus Damaskus. Drei Tage nach dem Abmarsch Ibrahims aus Damaskus ging ein arnautischer Soldat zu der Bude eines Christen und schoß, ohne ein Wort zu sagen, eine Pistole auf ihn ab. Die Kugel hatte ihn mitten in's Herz getroffen, der Christ war auf der Stelle todt; man ergriff den Mörder, er ward befragt, man gab ihm eine Bastonade, und dann sagte er aus, daß ihm drei Juden, worunter ein Farkhe, 3000 Piaster gegeben haben, diesen Christen umzubringen, er habe M00 andere Piaster erhalten, um einen andern Christen, mit Namen Juffuf Paniel, zu ermorden. Beide hatten sich während des bekannten Prozesses durch ihre Thätigkeit gegen die Juden ausgezeichnet; Jusuff Paniel war derjenige, der im August vorigen Jahres, im französischen Consulat über die Jntriguen der Juden dreponirte, wie Ihnen dieß damals aus Damaskus auch geschrieben ward. Der Mörder ward in's Gefängniß geivorfen, die Jnstrnirung des Prozesses soll aber erst dann erfolgen, sobald der wirkliche, vom Divan in Konstantinopel ernannte Gouverneur angelangt sei. Wir sind neugierig, was das Ergebniß dieser Untersuchung sein wird, und man überhaupt gegen die Juden zu verfahren wagt, nachdem ihnen Montesiore und Comp, den von Gerechtigkeit und Menschlichkeit zeugenden Ferman in Konstantinopel ausgcwirkt haben, die Juden nicht mehr wegen Verbrechen zu verfolgen, sobald es sich dabei von ihrer Religion handelt. Wie dem auch sei, diese Geschichte wird neuen Lärm machen." — Ein französischer Beamte, der Commissär in Algerien war, sagt über die dortigen Israeliten u. A. Folgendes: „Durch ihre guten, wie durch ihre schlechten Eigenschaften, ist die israelitische Bevölkerung berufen, in Afrika eine bedeutende Rolle zu spielen. Mächtig durch ihre Zahl, ist sie es noch mehr durch ihre Intelligenz, durch ihre Einigkeit, durch ihre Verbindungen. — Von der einen Seite verschaffen ihre Sprachkenntniß, die alten Gewohnheiten, die Geringachtung selbst, der sie sich unterwerfen , den Juden einen leichten Zutritt bei den Muselmännern, der uns noch lange fehlen wird. Von der andern Seite verstehen sie alle unsere Verlegenheiten zu begreifen, ihre Biegsamkeit schmiegt sich all unfern Ansichten an, sie sind die fast unvermeidlichen Unterhändler bei den Verbindungen zwischen Europäern und Eingebornen, sie haben im Augenblicke des Bedürfnisses alle Mittel nützlich zu sein, und wenn sie uns nicht zuvor kämen, müßten wir selbst sie aufsuchen. Sie waren die Agenten bei mehr als einer politischen Unterhandlung. Gegenwärtig aus dem Bereiche der Regierung verbannt, bemächtigen sie sich als Makler des Handels nach dem Innern. Ihre Kinder besuchen unsere Schulen, sprechen unsere Sprache, nehmen unsere Kleidung an, und die Erwachsenen sind bereits in unsere Gesetzgebung eingeweiht. Ein englisches Journal enthält über die jetzigen Verhandlungen im Unterhause in Betteff der vollständigen Emancipation der Israeliten, (welche wir noch ausführlich mittheilen werden.) Folgendes: Was die Israeliten verhindert Civil- und Gemeindeämter zu erlangen > ist die in der abzulegenden Declaration enthaltenen Worte: „Bei dem wahren Glauben eines Christen " Die Corporattonen können jedoch den israelitischen Candidaten davon dispcnsiren, wie dieß auch schon mehrmals geschah. — Der Antrag der Bill ging nun dahin, diese Worte zu entfernen, wo sie denn alle Aemter erlangen könnten. Der Hochtory und bigotte Inglis widersetzte sich der Bill. Unter Andern stützte er sich darauf, daß die Israeliten sich eine Nation nennten (in Deutschland und Frankreich ist es schon laugst nicht mehr der Fall) und daß ein Rabbi zu Cambridge ihm geschrieben habe, daß er nicht Engländer und Jude zugleich sein könne. (Die deutschen und französischen Rabbiner werden über diesen Rabbi lachen.) Der Minister I. Ruffel erwiderte unter Andern:, daß Jnglis die Frage auf ihren wahren Charakter, zurückgeführt habe: Religiöse Freiheit — oder Intoleranz. In demselben Sinne hätten die Gegner der Katholiken und Dissenters gesprochen, daß nur die Anhänger der anglikanischen Kirche wahre Anhänger der englischen Constitution wären u. dgl., daß die Katholiken einen andern Legaten, den Papst, hätten und das Amt daher nicht auf ihre Anhänglichkeit bauen könne. Ob wohl jemand im Ernste sagen würde: die Hrn. Rothschild, Montesiore, Goldschmidt wären nicht geeignet, alle Pflichten eines bürgerlichen Amtes zu erfüllen. Was Hr. Jnglis über die Prophezeiungen angeführt, gehöre nicht hierher, er glaube nicht, daß die göttliche Macht und ihre Absichten die Unterstützung einer menschlichen Gesetzgebung brauchten, um sie in Erfüllung zu bringen. Was die Furcht des Hrn. Jnglis betreffe, die Israeliten möchten dann auch ins Parlament kommen, so werde er (Hr. R.), wenn solches zur Sprache kommen sollte, es ebenfalls unterstützen, man habe kein Recht, nach den religiösen Meinungen eines Candidaten zu fragen, wenn er sonst zu dem Amt - geeignet ist und seine Pflichten als Bürger erfüllt. Die Bill wurde mit 137 gegen 24 angenommen. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Htldburghausen und Mernrngen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. l6 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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