Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 28 (25.4.1841)
- Date
- 1841-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des «mitzetzutm Wrhundtrks. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Land-Rabbineu zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Rr. 28. Sonntag de» 23. April 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Rabbinenwahl, oder Fehde zwischen »r. Lowositz und»D. Holdheim. (Fortsetzung von Nr. 26.) Indem wir heute wieder auf die obige Schrift zurückkommen, gewährtes uns eine sehr überraschende Empfindung, daß Herr Lowositz selbst im Verlaufe derselben seine Argumente, gleichsam als sei es ihm nicht Ernst damit gewesen, nicht achtet, und die Achtserklärung welche er gegen die wissenschaftlich gebildeten Rabbinen aussprach, dadurch wieder aufhebt, daß er nur noch Bedenken gegen einen Th eil der Funktionen derselben äußert, sonst aber selbst zugesteht, daß unter gewissen Modifikationen auch sie seegensreich für das Judenthum wirken könnten. Wir wollen auch hier seine Ansichten (insoweit sie nicht schon durch das Vorhergehende ihre Widerlegung gefunden haben) prüfen und sie zu diesem Behufe wörtlich wiedergeben: „Es fordert nämlich solche jüdisch-religiöse Gesetzkunde (in Hinsicht der rabbinisch-rituellen Vorschn'ften) sowohl für die Theorie als bei der Anwendung auf concrete Fälle ein so genaues und mühevolles Eingehen auf eine unermeßliche Menge der anscheinend geringfügigsten Einzelheiten, und oft mit einem ganz unverhältnißmäßigen Aufwand von Zeit und Kraft, daß es gewissermaßen der ganzen religiösen Begeisterung und Hingebung, wie sie namentlich noch den Männern der alten Schule eignet, bedarf, zum mindesten aber des vollen Glaubens an die Würdigkeit und das Wesenhafte dieses Studiums, der Liebe und eines sehr lebhaften Interesse für dasselbe, um darin auch nur über die ersten Anfänge hinaus zu gelangen. Wenn nun auch bei Einigen die Aussicht auf die Vortheile des vom Rabbinate zu gewährenden äußern Lebensverhältnisses diese Gesinnung und Gefühle ersetzen möchte, so würde dieß doch jedenfalls nur ganz nothdürftig und unvollständig erfolgen, und dabei doch eine gewisse Bürgschaft für die Tüchtigkeit und Zulänglichkeit der verlangten Gesetzstudien verloren gehen, welche eben nur allein darin liegt, daß diese Studien aus innerem Berufe, mit dem innigen Glauben an ihre hohe und heilige Bedeutung und mit dem intensivsten idealen Interesse daran betrieben werden. Uebrigens würde die Voraussetzung von Studien dieser Art, unter so erschwerenden Umständen bloß für äußere Zwecke unternommen, selbst wieder im Allgemeinen das Vertrauen zu dem Rabbinen aufheben und den Glauben an eine würdige Persönlichkeit derselben gewaltig erschüttern müssen, wenn er in der That auf einen inner» Werth seiner so angestrengten und umfassenden Thätigkett zu verzichten weiß!" „In hohem Grade befremdlich muß es demzufolge erscheinen, wenn den von religiösem Ernst durchdrungenen Gläubigen zugemuthet wird, in jüdisch-religiösen Angelegenheiten den Aussprüchen eines Rabbinen zu vertrauen, welcher diese Aussprüche vor Allem mit der ihm nothwendigen Rücksicht auf äußerlich-sociale Bedürfnisse in Einklang haben möchte, welcher im Uebrigen an die Gültigkeit und Wichtigkett dieser seiner Aussprüche gar nicht glaubt, welcher nur mit großem Widerwillen auf den Gegenstand dieser Aussprüche eingeht und die Zett