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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-04-18 · Heft 27 (18.4.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 27 (18.4.1841)
Date
1841-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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108 auf dem Scheidewege zweier Richtungen. Soll ich dem Wesen vorwärts in seinen Entwicklungen folgen, oder soll ich rückwärts nach seiner Herkunft forschen? Nach Letzterem hat der Mensch einen dunkeln Zug. Obschon es eine unergründliche Tiefe ist, geht es ihm doch wie Einem, der in einen Schacht fährt: er weiß, daß auch der tiefste Schacht nur ein kleiner Spalt in die Schale des Erdapfels ist, und daß es unmöglich bleibt, bis hinab in das Gchäus der Kerne zu dringen; dennoch kann er nicht widerstehen, einen Blick in das Innere zu werfen, und den gehcimnißvollcn Lebenskräften einen Schritt, wie er glaubt, ent« gegeu zu thun. Warum soll ich es nicht auch versuchen? Knospend, verhüllt brechen die zahllosen, frühlingenden Wesen hervor, und locken uns zu ftagen: Woher kommt ihr nur, verhüllte Gestalten? Du, Veilchen, mit aufbrechendem Dufte, du, Knäblein mit jauchzender Seele, — woher kommt ihr? Euern Entwicklungen nachzugehen, bleibt mir ein langer Sommer; jetzt hallt in der Frühlingsstille unter jedem meiner Schritte das dumpfe Geheimniß des Lebens wieder. Doch will ich nicht, über das um mich: her keimende Leben hinaus, etwa gar bis zum ersten Schöpfungs-Akte zurück räthseln. Diese Träume sind uralt: es find die Linderträume der ftühesten Völkern (Fortsetzung folgt.) Ein, wie es scheint, sehr klarer Bcurtheiler der morgenländischen Zustände meint, israelitische Schulen nach europäischem Schuitte im Orient anlegen, wäre eine fruchtlose Treibhauspflanze, die aus ihrer ganzen Umgebung keine Nahrung ziehen könnte Das Höchste, was dadurch erlangt würde, wäre, die Schüler kramen etwas mehr im Gedächtniß zusammen, um es im Leben schnell wieder zu vergessen; sondern das geeignetste Mittel sep, Jünglinge, die das Leben im Oriente schon kennen, nach Europa zu bringen und hier ihnen eine angemessene nicht gelehrte, sondern lebendige, lebensgemäße Ausbildung zu verschaffen. Diese würden dann unendlich viel in ihrer Hcimath wirken können. Immer mehr hört man von dem neu-erwachten geistigen Leben in Ungarn und zur Einführung der dringendsten Reformen will man jetzt eine Synode aus gebildeten Rabbinen und andern angesehenen Männern zusammcnberufen. Kämen auch manche dem Fortschritt nicht zugethanen Rabbinen hinzu, so würden fie schon durch angemessene Diskusfioncn nachgiebiger gestimmt werden. Am rüstigsten schreitet aber die dritte Stadt Ungarns, Arad, fort, nnd das hat fie Niemanden, als ihrem Rabbinen Chorin, der noch im hohen Alter seinen jugendlich-anstrcbenden Geist bewahrt, zu danken. Sein letzter Wunsch ist die Erbauung einer Orgel, auf welche er auch in jeder seiner Predigten anspielt. Die Negierung von Unterfranken und Aschaffenburg hat zum Zweck gemeinschaftlicher Berathung über den Unterrichtsplan und die einzuführenden Lehrbücher in den israelitischen Schulen eine Versammlung der Bezirksrabbinen, bei welcher der in Würzburg (!) die Berathungen leiten soll, angeordnet. In Cassel ist der durch seine Schriften vortheilhaft bekannte vr. Moses Büdinger, mit Tod abgegangen. Er hatte fich um das israelitische Schulwesen in Cassel und mittelbar des ganzen Landes viele Verdienste erworben. Mose und das Lamm. *) Als Mose noch auf fremder Erde Ein Führer war von Iethro'S Heerde,' Kam einst ein Lamm von seiner Seite: Da macht sich auf der treue Hirte, Daß er das Thierchen, das verirrte. Den rechten Weg zurückgeleite. Er eilte über Thal und Höhen, Doch könnt' er nirgend es erspähen: Da fand er endlich ein Gefilde, Und sah das Thierchen an der Quelle, Mit dessen silberklarer Welle Es seines Durstes Feuer stillte. "Und wußt ich, daß du mir entronnen. Den Durst zu löschen an dem Bronnen- Wie müde sind nun deine Schritte!" Und faßt das Thierchen voll Erbannen Und trägt es liebend auf den Armen Zurück in seiner Heerde Mitte. Da schallt die Stimme aus den Höhen: ',Die Liebe hat der Herr gesehen, Die du geübt an deinen Thicren; Wohlan verlasse diese Erde, Denn weiden sollst du Gottes Heerde: Du sollst das Volk des Höchsten sichren!" Schammai und Hillel. *) "Ich will zu deinem Glauben mich bekehren, Kannst du dein ganz Gesetz mich lehren, Indeß ich hier an deiner Seite Auf einem Fuße stehe!" spricht ein Heide Einst zu Schammai. Dieser nimmt die Elle Und jagt den Heiden über seine Schwelle. Der Fremdling aber geht von dorten Zu Rabbi Hillel mit denselben Worten. "Du kannst, mein Sohn, spricht der zu ihm gelassen. Des Herrn Gesetz in wen'ge Worte fassen: Was du nicht willst, das man dir thu Das füg' auch keinem andern zu! Das andre Alles ist Erklärung; Nun geh' und suche drin Belehrung!" •) Aus dea jüdischen Sagen und Dichtungen von Krafft. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Keffelring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein.- jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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