Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 26 (4.4.1841)
- Date
- 1841-04-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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103 Rechtsachtung unv GewisseuSfteiheit auch io abfolutea Staateo ihre Verwirklichung finden können! Ehre der Gemeinde Wollstein (im Ghzih. Posen). Dieselbe hat fich nicht nur ein neues Gotteshaus erbaut und auf eine erhebende Weise eingeweiht, sondern auch mehrere Verbesserungen darin eingeführt; als namentlich die Einrichtung des Choralgefanges, die Herstellung einer besonderen Gallerie für Mädchen, welche nun fleißig die Synagoge besuchen; ferner das Abschaffen des skandalösen Mizwotversteigern während deS Gottesdienstes und der störenden "yoßf iq, welche aber auch nicht einmal auf die nächsten Verwandten hatten reducirt werden sollen. A«S dem Trauerspiele ,,König Saulvon Karl Gutzkow. Entdeckt Abuer. Dort hat man eine Höhle Saul. So gehen wir hinein! Abner. Nicht wer, sie schien' ihm nicht geheuer? Sauls Waffenträger. War drin: Man kann mit Augen ihre Tiefe Nicht ermessen; doch ein Rascheln bemerkt ich wohl. Als huschte schnell was in die Nacht, auch blitzte 3m Hintergründe etwas Glänzendes. Abner. 'S find Füchse wohl. Saul. Wie? Pfaffen Lberall? Mit diesen wag ich's. Kommt; der Tag ist heiß. (Alle in die Höhle.) Ich Wie soll ich es Dritte Gerne. Jonathan. Michal. Michal. Das find die Luftigen! Jonathan. Verstehn, daß Davids Spuren hieher auch Auslaufen? Michal. Ach, der Berggeist »eckt uns so Und giebt statt des Geliebten trauter Brust Uns nur des Echos spottende Umarmung. Jonathan. So war die lange Wanderung vergebens. War Täuschung nur, daß öfters hinter Felsen Ich Davids Stimme deutlich hören konnte. Michal. Und hört er uns, wer weiß, ob nicht fein Fuß Bor unserm Wiedersehen floh! Jonathan. Ein Weib Spricht so. Die Freundschaft, wisse, zweifelt nicht. Ihr Glaube ist auf einen Fels gebaut. Michal Gab er uns irgend Lunde? Jonathan. Sonnt' er es? Ist in dem Dienste, dem ein schmähliches Geschick ihn hat verkaufen müssen, nicht Der Arm gebunden? Weiber wissen nur Den Werth des Mann's nach dem zu schätzen, was Bequem für sie. Wann gäbe wohl ein Weid, Wenn ihrem Freund die Wahl gelassen bliebe. Ob er an ihrem Busen feige heißen. Ob Mann von ihr gettennt er wolle fein. Den Ausschlag dorthin, wo Entsagung fich Mit ihres Freundes Lorbeern trösten muß? Michal. O Bruder sei gerecht! Dich reizt der Schmerz, Bon Deinem Freunde dich gettennt zu sehen. Zum Zorne gegen Frauenliebe auf. Zerlegen kannst Du, wie das menschliche Gehirn des WeibeS Herz, kannst Fasern, Nerven, Kannst alles zeigen, drauS ein Frauenherz Besteht; doch was drin LebenSfunke ist. Was unsrer Liebe innerstes Gemüth, Das weist kein Messer nach, kein Spottender Vergleich. Jonathan. Mit Worten kannst Du viel versichern; Doch Thaten sind's, die hier entscheiden. Männer, Die sich einander lieben, folgen nicht Dem Zug natürlicher und Thieren selbst Gemeiner Neigung, nein, der fteien Wahl, Die aus deS Menschen tiefstem Innern stammt! In Frauenliebe muß sich Thorheit mischen, Verliebte Schwärmerei und kindisch Tändeln! Des Freundes Liebe ist erkannter Werth DeS Mann's, ist Stolz, der uns zu Göttern macht. Michal. Vernichte nur dies Herz! Gieß' in die Flammen Noch Deines Zornes Oel! Ich ttage still Und dulde — Jonathan. Liebe schwächt, die Freundschaft stärkt. Wenn jene ttäumt, ist diese wach, sie hebt Die Fackel lauschend überm Freunde hin, Wenn er im Grase schläft, sie spähet rings Und setzt ein Leben für das andre ein. Michal. Ans Grab des Gatten, es mit ihren Thränen Zu netzen, fiedelt fich die Liebe an. Jonathan. Den Todten rächt der Freund und stirbt. Michal. Die Liebe Ist wie der Nachtthau, der mit Zephprküssen Sich auf des Tages welke Blumen senkt. Jonathan. Zwei Freunde sind wie Feuerrosse, die Dem Sonnenwagen eingeschirrt, die Wett Mit diamantbeschlagnem Huf durchmessen! Michal. Die Lieb enssagt, fie bricht das Brod der Armuth In lächelnder Genügsamkeit mit Ihm. Jonathan. Die Freundschaft, Kind, geht betteln für den Freund! Doch laß! Ich will ihm deine Liebe gönnen. Wenn sie auch mehr als halb sein Herz mir stiehlt! Michal. Wir streiten uns, wer ihn besitzen soll; Und Gott, der ihn uns nimmt, giebt Beiden Recht. (Fortsetzung folgt) Wegen des Festes erscheint nächsten Sonntag dieses Blatt nicht. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.