Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 26 (4.4.1841)
- Date
- 1841-04-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit veS ncunzchntcn tzMuuhms. Ei« Wochenblatt die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung- Herausgegeben von vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu StadtlengSfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nv. 28. Sonntag den 4 April 1841. LI. Jahrgang. M<mo: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Rabbinenwahl, oder Fehde zwischen »r. Lowositz uuM»r. Holdheim (Fortsetzung von Nr. 25.) Herr Lowositz geht nun auf den Widerspruch der Wissenschaft mit der rabbinischen Ansicht über und läßt sich hierüber folgendermaßen vernehmen: „Eine andere Zeitbildung ist namentlich die der Wissenschaft, und zwar für jeden wissenschaftlichen Zweig eine besondere, in sofern darunter die derzeitige Entwickelungs- und Bildungsstufe eines solchen zu verstehen. Es giebt also eine Zeitbildung der Mathematik, der Naturwissenschaften, der Philosophie re. und natürlich auch der Theologie. Ist nun solche Zeitbildung als eine europäisch-wissenschaftliche ihrem Ursprünge nach eine christlichgermanische, so möchte bei einer Zeitbildung der Theologie zunächst wohl kaum an eine andere, als an die der christlichen Theologie zu denken! seyn. Gleichwohl ist dieses nicht in einem so beschränkten Sinne zu nehmen, sondern bezeichnet auch die, mittelst der derzeitigen Bildungsstufe bestimmte und dann begründete Auffaffungs- und Anschauungsweise der religiösen Gegenstände überhaupt und die Gesammtheit der auf dem gegenwärtigen Standpunkte der allgemeinen Religionswissenschaft als Ergebniß der Letzter» anzuerkennenden theologischen Grundideen und Begriffe. Eine jüdische, muhamedanische:c. „Theologie" haben bekanntlich auch christliche Gelehrte der früheren Zeit anerkannt. In sofern ist denn auch eine christlichgermanische Gestaltung und Zeitbildung der jüdischen Theologie im Allgemeinen nicht nur nicht abzuweifen, sondern sogar als ein nothwendiges, integrirendes Moment der gesammten Wissenschaft zu betrachten. Die christlich-germanische ist eben nur die europäisch-wissenschaftliche Gestaltung, so wie, um ein Beispiel anzuführen, die Geschichtsschreibung des osmanischen Reiches von I. v. Hammer unstreitig eine christlich-germanische ist und, da sie sich doch einer eigentlich christlich-dogmatischen Anschauung der Dinge enthält, von der Geschichtsschreibung des osmanischen Reiches moslimischer Autoren vor Allem dadurch sich unterscheidet, daß sie eben eine wissenschaftliche, jene aber bekanntlich eine ganz unwissenschaftliche ist. Aber nicht zu leugnen ist, daß bei der großen, innen, Verwandschaft der christlichen und jüdischen Theologie, das Streben nach der europäisch-wissenschaftlichen Form für die letztere, was sogar gemeinschaftliche Studien für Beide begründet, großer Behutsamkeit und Besonnenheit bedarf, wenn nicht die eigentlich christlich-theologische Anschauungsweise auf speciell jüdisch-theologischem Gebiete Einfluß m,d Geltung erhalten soll, wo sie namentlich gegen die eigenthümlüh jüdisch-religiösen Satzungen, gegen die sie nicht weniger die, man möchte sagen so natürlichen, Einwendungen des gemeinen Verstandes (so z. D. das Gleichgültige im Unterschiede der Speisen für das sittliche Moment) als dogmatische Gründe kehrt, von durchaus negirendem und destruktivem Erfolge wäre, wiewohl bekanntlich in der christlichen Urzeit sehr viele Bekenner des christlichen Glaubens und später selbst ganze christliche Secten mit der neuen Lehre die alte jüdisch-religiöse Praxis glaubten verbinden zu müssen. Nun braucht aber kaum noch da-