Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 23 (14.3.1841)
- Date
- 1841-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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D er Zsraelit des ncunzchnkcn Wrhimhms. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogihum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 2» Sonntag den 14. Marz 1841. LI. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Messias nimmer fern: Sein Volk Israel ruft Jehova l) - Jesus in Sein neues Jerusalem. Unter diesem obstrus-komischen Titel erschien voriges Jahr in Tübingen eine Schrift, welche die Verlagshandlnng uns in Auftrag des Herausgebers zum! Zweck einer beurtheilenden Erwähnung in diesen Blättern j zusendete. Jene Schrift gehört nun, wie schon der! Titel verräth, zu den vielen Versuchen weichlich-mysti-! scher Seelen, die Bekenner der mosaischen Religion mit! literarischen Waffen zu bekämpfen, und für die christliche! Ansicht zu gewinnen; aber in der Literatur dieser Schule! liegt so ungemein wenig Verstand, daß sie, man darf! es mit Bestimmtheit sagen, noch keinen einzigen verständigen Israeliten zu sich herüber gezogen hat; sondern daß die Wenigen, welche sich zu ihrer Fahne schlugen, phantastische, in ihrer religiösen Erziehung ganz vernachlässigte, Jünglinge, oder eben solche schwache, empfindsame Frauengestalten waren. Die israelitische Geschichte würde daher kaum von jenen Bestrebungen eine Notiz nehmen, wenn nicht dieselben auch eine achtungswerthe Seite darböten, und ohne es zu wollen, für die Förderung einer reinern Gottes-Erkenntnis wirksam wären. Es liegt nämlich in dem Streben jener Frommen, für das Seelenheil der unglücklichen Israeliten thätig zu si'pn, doch eine Gesinnung, ein Princip der Liebe. Man hat doch die gute Absicht für das Wohl des Nächsten zu sorgen, und wenn dieses auch zunächst das geistige Wohl, das ewige Lebendesselben angeht, so liegt doch der Gedanke sehr nahe, daß man den, dessen ewiges Heil man befördern will, auch zeitlich nicht zurücksetzen dürfe, daß man sein Menschenrecht achten, seine Ansprüche an die Gesellschaft ehren und ihn erst zum Bürger der Erde machen müsse, will man ihn zum Genossen des Himmels erheben. — Das proselptische Sweben der Mystiker, der wohlgemeinten Absicht nach gewiß achtungswerth und darum auch von der rationellen Parthei der Kirche getheilt, giebt aber der letzteren einen neuen Grund, zur Förderung der auch von ihr gehegten Bekehrungs-Hoffnungen auf reinere Gottes-Vorstellungen zu dringen, wodurch sie, natürlich ohne es selbst so anzusehen, mit dahin wirkt, daß die Idee der absoluten Einheit Gottes, wie sie dem Mosaismus zu Grunde liegt, *) und alle großen Wahrheiten, die sich an diese Idee knüpfen, auch anderwärts itnmcr mehr Aufnahme finden. — Jenes Streben hat aber auch das Gute, daß man veranlaßt wird, mit Israeliten umzugehen, sich ihnen freundschaftlich zu nähern und den Ansichten derselben, besonders denen der Gebildeten, Achtung zu zollen, llnd wenn man dem allem auch einen andern Titel giebt und das, was dem Mosaismus inwohnt, zur christlichen Ansicht verklären möchte, so finden wir das sehr natürlich und erinnern nur an die Antwort, welche Lessing seinen Nathan auf die Anrede des Klosterbruders: i *) S. 5. Mos. 4, 15 und 39; 6, 4.