Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 21 (28.2.1841)
- Date
- 1841-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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84 welche Sie dann Ihre Mitbürger werden nennen können, werden sehen, ob Ihre Herzen sich nicht mic ihren Herzen verbinden.« (Schluß folgt.) Den Dank aller Menschenfteunde hat sich Montefior« dadurch erworben, daß er auf völlige Abschaffung der Tortur bei Mehemed Ali angetragen, bei welchem er auch geneigtes Gehör fand. Sein Mitreisender, Dr. Loewe, predigte am Feste der Gesetzfreude in der Synagoge zu Galata, die von einer großen Menschenmenge angefüllt war. Herr Loewe erklärte den Inhalt seiner Rede den Einheimischen und Gelehrten hebräisch, den andern Eingeborenen spanisch, den Freunden aus dem Süden italienisch und den Polen und Deutschen deutsch. Der Zweck seines Vortrages über 5. B. Moses 33, 2. war darzuthun, daß nur derjenige wahre Tugend und Bildung, erlangen könne, der das Gesetz nicht blos ausübe, sondern gehörig verstehe, und daß zum Berständniß desselben und Beförderung richtiger Erkenntniß tiefe wissenschaftliche Bildung nöthig ftp. — Die belgischen Journale theilen unter der Anzahl Anreden, welche von den verschiedenen Behörden am Neujahrstage an den König gehalten wurden, auch die des Oberrabbinen mit. Derselbe sagte: Der Regierung Ew. Majestät danken wir den Genuß jener vollkommenen Gleichheit mit allen Bürgern, welche die Constitution uns verbürgt hat. Wir dürfen aber auch sagen, daß Ew. Majestät keine treuern Unterthanen, der Staat keine eifrigem Bürger zählt als die, in deren Namen ich spreche. Der König erwiderte: (es ist die einzige Antwort des Königs, welche die Journale mittheilen.) Es ist mir lieb. Sie bei Gelegenheit des neuen Jahres wieder zu sehen. Ich kann diese Feierlichkeit nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen meine Zufriedenheit auszudrücken, daß es ausgezeichnete Männer unter Ihnen gibt. Sie können auf meinen Schutz, sowie auf den meiner Regierung rechnen; wir werden immer Alles, was in unserer Kraft steht, für das Wohl Ihrer Gemeinde thun. — Folgende Schilderung einer Reift nach Deutschland, aus der Feder eines Franzosen *), dürste auch für die Leser unseres Blattes nicht ohne Interesse sepn: «Zuerst verweilte ich in Strasburg, wo die Israeliten gleich ihren Mitbürgern der andern Culte, den deutschen Charakter durch Sprache und Sitte, den stanzöfischen hingegen, durch eine glühende Vaterlandsliebe verrathen. Die Synagoge in Strasburg, vor einigen Jahren erbaut, ist ein Denkmal, welches denen, die es errichtet, Ehre macht, sie bildet ein langes Viereck, von einfacher Ausschmückung und einem imposanten Ganzen. Unser kurzer Aufenthalt in jener Stadt hat uns nicht gestattet, ein Urtheil über die Wirkung einer guten Predigt, an diesem majestätischem Orte zu fällen. Der Herr Oberrabbine, dessen Aeußeres und dessen Sprache, ganz mit dem heiligen Charakter übereivstimmen, welchen er bekleidet, scheint sehr geliebt von seinen Pflegbefohlenen zu sepn. Herr Ennerp, Direttor der israelitischen Schule, (Bruder des Oberrabbinen in Paris) *) Ztt de« Arch. Isr. kennt die ganze Wichtigkeit seines Berufes. Es ist ein unterrichteter Mann, in der wissenschaftlichen Welt durch ein -geographisches Wörterbuch, dessen Veröffentlichung einen guten Fortgang hat, bekannt. Aber was vor Allem die Aufmerksamkeit eines israelitischen Reisenden in Anspruch nimmt, das.ist die Arbeitsschule für unbemittelte Israeliten des Niederrheins. Das Comitv, welches diese interessante Anstalt verwaltet, wird von Hrn. Achille Ratisbonne, Banquier in Strasburg, präsidirt. Der Eifer des würdigen Präsidenten ist über alles Lob erhaben. Dasselbe müssen wir von Hrn. Hirsch, Kassirer bei Hrn. Ratisbonne, sagen, welcher die Funktionen eines Aufsehers bei dem Comitä dieser Schule versieht. Wir besuchten diese Anstalt, und es gereichte uns zur außerordentlichen Beftiedigung, diese jungen Leute dem Schacher entrissen zu sehen. Alle sind von Liebe zur Arbeit und Ordnung beseelt. Man zeigte uns sehr gut ausgeführte Zeichnungen der Schüler, und wir bewunderten die Ordnung, welche in diesem Asyl herrscht, das den Elsässer Israeliten gute Handwerker, geschickte Meister, geben wird. Ehre dem Somit«, dessen Andenken von den spätesten Nachkommen gesegnet sepn wird! Ehre auch denen, welche durch Geldopfer schon seit so vielen > Jahren die Anstrengungen dieser edlen Männer unterstützt haben. In Carlsruhe hatte Herr Epstein, Mitglied des Oberrathes, die Güte, uns in die israelitische Schule zu führen, und wir waren überrascht, über die Leichtigkeit, mit welcher die kleinen Kinder den Tert der Bibel analpsirten und erklärten. Wenn in unfern israelitischen Schulen, in Frankreich, das Studium des Hebräischen mehr vernachlässigt ist, so hat dieses in der Verschiedenheit der betreffenden beiden Länder seinen Grund. In Deutschland, wenigstens in einigen Gegenden, ist die Zulassung der Israeliten zu den bürgerlichen Gewerben mehr, oder weniger, erschwert. Nur die Funktionen eines Lehrers gewähren sichere Aussichten, da ist eS denn nöthig, daß der junge Israelit das Hebräische ftudire. In Frankreich hingegen sind die israelitischen Schulen reine Elementarschulen, und die Kenntniß der hebräischen Sprache hat für die größere Anzahl keinen Werth. Dieses erklärt jedoch nicht ganz die Hülflosi'gkeit, in welche das Studium des Hebräischen, selbst bei den wohlhabendsten Israeliten in Frankreich versunken ist. Mannheim hat zwei Rabbinen: Herr Traub, der zu den Stabilen, und sein College Herr Nosenfeld, der zu den Männern der Bewegung gezählt wird. In dieser Stadt ist noch ein berühmter israelitischer Lehrer, Herr Di-. Wolf. Er stellte uns als einen sehr gelehrten Mann seinen Collegen, Di- Wagner vor. In Heidelberg sahen wir unter anderen Gelehrten, den Dr. Paulus, diesen Veteran der orientalischen Literatur, in dessen leutseligem Wesen wir gar nicht den beständigen Gegner der israeltischen Cmancipation erkannten, und den Dr. Umbreit, bekannt durch seine trefflichen biblischen Uebersetzungen, welche wir den Schülern der rabbinischen Centralfchule empfehlen. — Herr Rabbiner Fürst wird für einen Mann des Stillstandes gehalten; dieses verhindert ihn jedoch nicht, ein fleißiger Besucher des Museums zu sepn, eines Ortes, wo man sich zum Lesen öffentlicher Blätter versammelt. Ein frommer Mann in Deutschland, gilt wahrscheinlich für einen Neologen in der Arsenal-Straße in Metz! — Samstag wohnten wir mit Interesse der Predigt des Herrn Dr. Nehfuß bei. Diese Predigt, zu deren Anhörung sich nicht nur die Kinder beider Geschlechter, sondern auch Männer und Frauen cingefunden hatten, ward mit einem ausdrucksvollen religiösen Gesänge eingelcitet und geschloffen. Den letzteren betreffend, möchte es nicht schwer halten zu beweisen, daß, solange der öffentliche Gottesdienst die Verbesserungen, welche die Zeit gebieterisch fordert, nicht erhält, es von Wichtigkeit ist, daß zum Besten der Kinder, der Frauen und auch derjenigen Männer, welche eine Neuerung beim Gottesdienst im Interesse der Religion zulassen, besondere Prediger eristiren. Man muß zum Herzen sprechen, und was erhebt da mehr als der religiöse Gesang, Worten angepaßk, die Alle verstehen? (Fortsetzung folgt.) Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandluog zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Popto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von D öll und Schäffer in Kassel.