Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 21 (28.2.1841)
- Date
- 1841-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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83 dem thalmudischen, den Israeliten von seinen Mitbürgern ab-1 sondernden Ceremonienwesen bekennen, haben das Judenthum dadurch geehrt, indem sie gezeigt haben, welchen lebendigen Antheilsie an dem Wohl aller ihrer Glaubensgenossen nehmen, und da Herr Cremieur derselben religiösen Ueberzeugung wie sie zugethan ist, (derselbe hat seinen Sohn der Ceremonie der Beschneidung entzogen) so war kein Grund vorhanden, das Festmahl.nach thalmudischer Vorschrift zu machen. *) Der Religionslehrer und Prediger, welcher an demselben Theil genommen, hat dadurch seinen achtnngswerthen Charakter beurkundet; er hat gezeigt, da) eine solche Handlungsweise der ächten israelitischen Religiosität — wie sie in diesen Blättern in dem Aussatz »des frommen Israeliten Lehre und Leben", von ihm dargestellt ist — keinen Eintrag thne, obwohl er in seinem Unterrichte mit der größten Umsicht verfährt und die Rücksicht auf die Gesinnung aller Aeltern seiner Schüler stets im Auge hat. Wir können übrigens dem Correspondenten der »allgem. Jndenzeitung" versichern, daß keine Speise aufgetragen wurde, welche nach der biblischen Bedeutung des Wortes nSlb — d. h. von einem Raubthicre zerrissen — gewesen wäre, und eine, nach dem mosaischen Gesetze »trevcne Zubereitung", gibt es in der jetzigen Kochkunst gar nicht. Ein Mitglied der Gesellschaft zur Morgenröthe. Die unfern Lesern bereits mitgetheilte Adresse der Wiener Israeliten beantwortete Cremieur in einer improvisirten Rede, die nicht minder bekannt zu werden verdient: »Meine Herren, (sprach er) meine Rührung ist groß. Sie begreifen es und werden sich nicht wundern, wenn es mir an Worten gebricht, meine Gedanken auszusprechen. Ich konnte meine Thränen nicht zurückhalten beim Anblick dieser köstlichen Theitnahme meiner Glaubensgenossen, der unermeßlichen Belohnung einer so einfachen, so natürlichen Handlung. Ich bin Advocat und sah Unglückliche zu retten; ich bin Jude und sah^ religiöse Verfolgung zu bekämpfen; ich bin ein Mensch und sah barbarische Tortur zu zerbrechen; durfte ich ohne Verbrechen zaudern? Ich tyat meine Pflicht und solcher Lohn! Die Israeliten umgeben mich auf meiner Reise wie in einem endlosen Triumphzuge. In Korfu wurde ich von Acclamationen, von Glückwünschen empfangen; in Triest war ich von der süßesten, der rührendsten Theilnahme umgeben; in Venedig vervielfältigten sich die herzlichsten Feste um meinetwillen; hier endlich erliegt mein Herz den Gefühlen, mit denen Sie es berauschen. Ich habe, sagen Sie, vor den Gerichtshöfen und in der Presse die heilige Sache der Judenemancipation geführt; ich vertheidigte ja aber den eignen Herd und das Princip der Freiheit des Cultus, das große edle Princip, das den Himmel an die Erde knüpft, indem es jeden Menschen Gott nach seinem Glauben die Huldigung seiner Liebe darbringen läßt. Ich ergriff die Feder, als die Verläumdung ihr Gift gegen die jüdische Religion verbreitete, ich rief alle Spmpathieen edler Menschen zu Hülfe; aber ich fühlte die Stärke des guten Rechtes und der Energie der Seele; wäre mein Die Mitglieder der - Gesellschaft zum Adler» haben sich bei mehreren wichtigen Veranlassungen zu derselben religiösen Denkweise bekannt, und es waren keine religiösen Motive, weshalb sie das Souper für Hrn- Cr. bei einem jüdischen Restaurateur machen ließen. Schweigen nicht eine unwürdige Feigheit gewesen? Ich habe den persönlichen Gefahren getrotzt, mit denen fanatischer Haß nnd ein mörderisches Klima mir drohen mochten. Aufrichtig gestanden, ich habe an diese Gefahren nicht gedacht; ich würde Dem, welcher mich hätte damit schrecken wollen, geantwortet haben: der Tod ist überall, aber glücklich der, welcher einen großen Tod findet! Unsere Aufgabe ist mit Erfolg gekrönt worden; die Ketten sind gefallen, die Gefängnisse haben sich den Gefolterten geöffnet, den Flüchtigen ist ihre Familie wicdergegeben worden. Aber unsere Sache war auch eine so gerechte und unser Recht ein so großes! Ich habe auch im Oriente Schulen für die armen bis jetzt verlassenen Kinder gegründet. Aber ich habe dabei nur das Verdienst, Ihren Gedanken verstanden und zu mir gesagt zu haben: es ist gut, daß die Juden des Abendlandes sich mit den Juden des Morgenlandes durch die Bande eines heiligen Schutzes verbinden, dessen Folgen für die Sache rer Civitifalion und die Fortschritte in den Ländern des Fanatismus und der Unwissenheit unermeßlich sein können. Ach, wie richrig fühlte ich, als ich vor zwölf Jahren bei einer Bertheidigungorede über den Eid, an die Sie mich eben erinnerten, sagte: die Juden kennen die Undankbarkeit nicht! Wer hätte mir damals gesagt, daß ich selbst ein so glänzender Beweis dieser Wahrheit werden würde? Lassen Sie mich also vor Ihnen das ganze Glück aussprechen, das ich unter Ihnen fühle. Was wollen Die, welche uns mit ihrem bittern Hasse verfolgen, mit ihren albernen Vorurcherlen? Warum wecken sie in unserm Jahrhunderte der Philosophie und der Aufklärung jene armseligen Verläumdungcn des Mittelalters und den lächerlichen Aberglauben roher Zeiten wieder? Besitzen Die, welche noch in so vielen Ländern außerhalb des Gesetzes der Völker stehen, unter denen sie leben, nicht alte Tugenden freier Menschen, wenn sie für Den, welcher das gemeinschaftliche Recht und die sociale Freiheit für sie fordert, eine so ausdruckvolle, so rührende, so einmülhige Dankbarkeit zu erkennen geben? Und ist nicht die Theilnahme, welche mit Einem Male wie durch einen elektrischen Schlag auf allen Punkten der Erde für die gehässig verfolgten Brüder geweckt wurde, eine große Tugend? Verdient nicht diese jüdische Bevölkerung, deren Her; so voll ist von den schönen Gefühlen der Verwandtenliebe, unter andern Menschen zu leben und ihnen gleich zu stehen? Welche Tugend fehlt uns? Die älterliche Liebe, die kindliche Ehrfurcht, diese ersten Tugenden der Familie, sind in unfern Herzen wie in unfern heiligen Büchern mit unverlöschlicher Schrift eingeschrieben. Der Gott Jsrael's verheißt Abraham, seinem Auserwählten, zum Lohne das Glück seines Sohnes Isaak und seiner fernsten Nachkommenschaft; der Gott Jsrael's schreibt mit seiner Hand auf die heilige Tafel jene göttlichen Worte: "Ehre deinen Vater und deine Mutter!" Die Vaterlandsliebe! Wir französische Israeliten, wir Bürger eines freien Landes das uns ein Vaterland gegeben hat, wir steigeren bis zur Begeisterung jenes Gefühl, das Völker gründet und groß macht, und Sie, meine Herren, die Sie das Vaterland nur ahnend kennen, denn das Vaterland ist die Gleichheit der Rechte und der Pflichten, sind Sie nicht alle bereit, Ihr reinstes Blut für das Glück des Bodens zu vergießen, auf dem Sie das Licht erblickten? Ach, Sie werden es erlangen, meine Herren, Sie werden einst dieses theure Vaterland, dieses Leben im Leben erhalten! Und Die