Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 13 (3.1.1841)
- Date
- 1841-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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52 Man zählt 15,138 Geistliche, oder einen aus ungefähr 1000 Einwohner. Auch die Juden sind ungefähr der tausendste Theil der ganzen Bevölkerung in Frankreich; sie betragen dort den Theil. Die besondere Bevölkerung der Juden ist demnach dreimal so stark in Frankreich, als in den Vereinigten Staaten. Diese 26Secten (und wahrscheinlich sind noch mehrere ausgelassen) leben ruhig eine neben der andern. Dieses kömmt daher, weil die Regierung sich gar nicht einmischt, keine bezahlt und keine drückt; das untrüglichste Mittel, den religiösen Frieden bei neuen Völkern zu erhalten. ES sollte nach und nach und mit vieler Klugheit auch bei den alten Völkern angewendet werden. _ 2 tflittcv Abraliam de Cologrna *) Abraham Cologna, Präsident und Ober-Rabbiner des Centralconsi'storiums der Israeliten von! Frankreich, Ritter der eisernen Krone, ward geboren in Mantua im Jahre 1755, in einer anständigen Familie. Seit seiner frühesten Jugend sich dem Studium der jüdischen Theologie und Philosophie widmend, ward er zum Mitglied des Colleges der Dolli von Mantua ernannt, im Jahre 1806 aber als geistliches Mitglied der von Napoleon versammelten israelitischen Notabeln nach Paris berufen. Im Jahr 1S08 ward er zu einem der drei Oberrabbinen des Central- Confistoriums bestellt. Als Präsident des Consistoriums im Jahre 1812 ernannt, bekleidete er diese Funktionen bis zum Jahre 1826, wo er, obgleich als Franzose naturalisirt, dennoch Paris verließ, um in Triest die Funktionen eines Oberrabbinen zu übernehmen. Er starb daselbst im Jahre 1832. Mehrere ftavzösische Reden, welche der Oberrabbiner Cologna in Paris gehalten, sind gedruckt. Man nimmt an ihnen eine reine und dem Gegenstände, welchen er entwickelt, stets angemessene Diction wahr. Er war einer der vorzüglichsten Mitarbeiter an dem »Israeltte frangais«, eine periodische Sammlung, welche eine Zeit lang in Paris er-, schien. Man hat auch von ihm eine Broschüre über das Werk von Bail: "Die Juden des neunzehnten Jahrhunderts" und eine andere, denselben Gegenstand betreffend und an den Baron Silvestre de Sacey gerichtet. Zu verschiedenen Zeiten gab er poetische Stücke in hebräischer Sprache heraus. Er hatte den Thalmud nicht zu einem tieferen Studium gemacht; aber er war ein guter Grammatiker und verstand mehrere Sprachen. Man bedauert, daß er sich nicht bemühte, den Cultus der Israeliten zu reinigen, die wichtigste Wirkung, welche ihm sein Alter, sein Character und seine Einsichten verliehen **). Es ist wahr, um seinen Namen an diese nützliche und heilsame Reform zu knüpfen, müßte er im Thalmud sehr bewandert sepu. Auch die Arbeiten eines Chorin, eines Creiznach, eines Jost, eines Geiger, fesseln deßhalb mit Recht die Aufmerksamkeit aller unterrichteten Israeliten. Es ist an uns, in ihre Fußstapfe» zn treten. S. C. *) A»s der Encrclopedie de gens da monde, mitgethkilt lN dein Archive* fsnelifcs de France. *•) Das Folgende findet sich nicht in der Ency.lopedie de gens da lnonde. Avertissement. Mit dem 1. Mai 1841 wird der Unterzeichnete ein Institut eröffnen, das die höhere Bildung des künftigen Kanfmannes, des Künstlers und überhaupt aller derer, welche dereinst in einen solchen Beruf, der keine eigentlichen Universttätsstudien erfordert, treten wollen, zum Zwecke hat. Die Unterrichtsgegenstände werden daher seyn: Religion und Erklärung der Bibel, die neueren Sprachen, kaufmännische Buchhaltung, Arithmetik, Geometrie, Geschichte, Logik und Psychologie, Geographie, Statistik, Naturwissenschaften, Technologie, Zeichnen und Musik, sowie für diejenigen, welche sich dem Universitäts-Studium widmen wollen, griechische und lateinische Sprache, so weit, daß sie später in die ersten Klassen eines Gymnasiums eintreten können. Die auswärtigen Zöglinge erhalten zugleich Kost, Logis und Wäsche, und zahlen hiefür, wie für den sämmtlichen Unterricht, (mit Ausnahme der Musik) im Ganzen nur 200 preuß. Cour, jährlich, in vierteljährigen Raten. Ihrer Erziehung, wie ihrer Bildung, wird die möglichste Sorgfalt gewidmet werden, und um diesen Zweck vollständig zu erreichen, und die Zöglinge schon nach wenigen Jahren für ihren künftigen Beruf zu befähigen, werden einige tüchtige und erprobte Lehrer der Anstalt vorstehen, während diese selbst nur auf eine verhältnißmäßig geringe Anzahl von Schülern beschränkt bleiben soll. Das Haus (ein früheres adeliges Schloß), in welchem der Unterzeichnete wohnt, bietet die nöthigen Räumlichkeiten auf das Bequemste und Anständigste dar, und die erforderlichen literärischen Hülfsmittel können jeder- Zcit billig und prompt von den benachbarten Städten Eisenach und Meiningen bezogen werden. Alle diejenigen Eltern, welche ihre Kinder dieser Anstalt anvertraucn wollen, werden daher ersucht, die deßfallsigen Anmeldungen (auf welche die näheren Bedingungen noch mitgetheilt werden) baldmöglichst und spätestens vordem ersten März 1841 zu bewirken, da sie später nicht auf die Annahme derselben rechnen können. Stadt - Lengsfeld (im GroßherzogthumWeimar). M9r. m. Heß, Großherzogl. Weimarscher Land-Rabbiner. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zn Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer.