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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-12-27 · Heft 12 (27.12.1840) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 12 (27.12.1840)
Date
1840-12-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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48 fuag der Tortur erlangen und würden sie erlangt haben. Auf den ersten Ruf Eropa's befahl er den Verfolgern menschlich zu verfahren. Aber in diesem Augenblicke, wo er allein so vielen Feinden gegenüber steht, ist es bei seinem Alter genug, über die Vertheidigung seiner Staaten zu wachen; für die Ausführung seiner Verbesserungen bedarf er des Friedens und der Ruhe. Er hat Alles gethan, was er konnte; er sagte: "Sie sollen frei sein!" Wie Vieles habe ich Ihnen bei meiner Rückkehr nach Frankreich zu erzählen. Konnte ich Ihnen heute von etwas Anderem als von Damaskus sprechen?" Sir Moses Montefiore ist nun auch (nach einer Nachricht im Journal des Debats) in Konstantinopel angekommen und hat Bewohner von Damaskus und Rhodus mitgebracht, um eine Revision der dort erhobenen Anklage gegen die Israeliten vor dem Tribunale des Großveziers vornehmen zu lassen. Wie Montefiore schreibt, hatten sich mit den Muselmännern die angesehensten Katholiken, Protestanten und Griechen vereinigt, um den Vorstehern der israelitischen Gemeinde zu jenem allgemein ersehnten Resultate Glück zu wünschen. Sobald man erfuhr, daß unter der jetzigen preußischen Regierung die Ausschließung der Israeliten vom Dienste in der Garde nicht mehr stattfindet, find mehrere junge Männer, welche sich besonders durch Gestalt und Haltung auszeichnen, freiwillig in den Militärdienst getteien. Das Unternehmen mehrerer gelehrten Israeliten in Berlin, den Thalmud ins Lateinische zu übersetzen und mit kritischen und historischen Anmerkungen zu begleiten, scheint nach den Aeußeruvgen der Archiv Israelitcs auch in Frankreich viele Theilnahme zu finden. Dasselbe Journal veröffentlicht als einen merkwürdigen Beweis religiöser Hingebung auch in unfern Tagen folgenden Vorfall: "In Avignon brach im Tempel in der Nähe des Allerheiligsten (tJHpn 'YliO eine Feuersbrunst aus. Schon wollten die Thoras ein Raub der Flammen werden, als eine junge Israelitin, Mademoiselle Blanquettc, mitten in die Flammen stieg und die heiligen Rollen rettete." Aus der Schrift von H. Heine über L. Vorne. »Die Gegenstände, womit Börne in zufällige Berührung kam, gaben seinem Geiste nicht bloß die nächste Beschäftigung, 'sondern wirkten auch unmittelbar auf die Stimmung seines Geistes. Als wir in Frankfn.rt a. M. durch die Judcngassc gingen, und das Gespräch 'über die Insassen derselben wieder anknüpften, sprudelte die Quelle des Börne'schen Geistes um so heiterer, da auch jene Sttaße, die am Tage einen düsteru Anblick gewährte, jetzt aufs ftöhlichste illuminirt war, und die Kinder Israel an jenem Abend, wie mir mein Cicerone erklärte, ihr lustiges Lampenfest feierten. Dieses ist einst gestiftet worden zum ewigen Andenken an den Sieg, den die Makkabäer über den König von Sprien so heldenmüthig erfochten haben. »"Sehen Sie," sagte Börne, "das ist der 18te Oktober der Juden, nur daß dieser makkabäische 18te Oktober mehr als zwei Jahrtausende alt ist, und noch immer gefeiert wird, statt daß der Leipziger 18te Oktober noch nicht das fünfzehnte Jahr erreicht hat, und bereits in Vergessenheit gerathen. Die Deutschen sollten bei der alten Madame Rothschild in die Schule gehen, um Patriotismus zu lernen. Sehen Sie hier in diesem kleinen Hause wohnt die alte Frau, die Lätitia, die so viele Finanzbonaparten geboren hat, die große Mutter aller Anleihen, die aber trotz der Weltherrschaft ihrer Söhne noch immer ihr kleines Stammschlößchen in der Judengasse nicht verlassen will, und heute wegen des großen Freudenfestes ihre Fenster mit weißen Vorhängen geziert hat. Wie vergnügt funkeln die-Lämpchen, die sie mit eigenen Händen anzündete, um jenen Siegestag zu feiern, wo Judas Makkabäus und seine Brüder eben so tapfer und heldenmüthig das Vaterland befreiten, wie in unfern Tagen Friedrich Wilhelm, Alexander und Franz IN Wenn die gute Frau diese Lämpchen betrachtet, treten ihr die Thränen in die alten Augen, und sie erinnert sich mit wehmüthiger Wonne jener jüngern Zeit, wo der seelige Meper Amschel Rothschild, ihr theurer Gatte, das Lampenfest mit ihr feierte, und ihre Söhne noch kleine Bübchen waren und kleine Lichtchen auf den Boden pflanzten, und in kindischer Lust darüber hin- und hersprangen, wie es Brauch und Sitte ist in Israel!"" „„Der alte Rothschild," fuhr Börne fort, „der Stammvater der regierenden Dynastie, war ein braver Mann, die Frömmigkeit und Gutherzigkeit selbst. Es war ein mildthätiges Gesicht mit einem spitzigen Bärtchen, auf dem Kopf ein dreieckig gehörnter Hut, und die Kleidung mehr als bescheiden, fast ärmlich. So ging er in Frankfurt herum, und beständig umgab ihn, wie ein Hofstaat, ein Haufen armer Leute, denen er Allmosen ertheilte oder mit gutem Rath zusprach; wenn man auf der Straße eine Reihe von Bettlern antraf mit getrösteten und vergnügten Mienen, so wußte man, daß hier eben der alte Rothschild seinen Durchzug gehalten. Als ich noch ein kleines Bübchen war, und eines Freitags Abends mit meinem Vater durch die Judengasse ging, begegneten wir dem alten Rothschild, welcher eben aus der Synagoge kam; ich erinnere mich, daß er, nachdem er mit meinem Vater gesprochen, auch mir einige liebreiche Worte sagte, und daß er endlich die Hand auf mcinen"Kopf legte, um mich zu segnen. Ich bin fest überzeugt, diesem Rothschild'schen Segen verdanke ich es, daß späterhin, obgleich ich ein deutscher Schriftsteller wurde, doch niemals das baare Geld in meiner Tasche ganz ausgiNg."" Berichtigung. — S. 39. Sp. 1. Z. 2. v. u. muß es heißen „an Kraft" statt "der Kraft". S. 46. Sp. 2. Z. 10. v. u. »sinkt" statt "finkt." Zu beziehe» durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung in Hildburghausen und Meiningen. ' Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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