Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 11 (20.12.1840)
- Date
- 1840-12-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44 aus Katholiken, zu bilden, die sich mit den Angelegenheiten deS israelitischen Cultus befassen soll. — In Italien giebt sich gleichfalls die innere Bewegung durch eifriges Streben nach dem Bessern immer mehr kund. Besonders soll sich Venedig hierin auszeichnen. In denhöheren Klassen zählen daselbst die Israeliten 4 Advokaten, 5 Aerzte und Wundärzte, einen jungen ausgezeichneten Componisten und manche von der Regierung anerkannte Lehrer. In den öffentlichen Schulen, die von Christen und Israeliten ohne Unterschied besucht werden, zeichnet sich die israelitische Jugend besonders aus. In der k. k. Akademie der schönen Künste wurde dieses Jahr beim großen mailändisch-venezianischen Concurs die goldene Preis-Medaille in der Kupferstecherkunst einem Israeliten zuerkannt. In den Elementarschulen bekamen dieses Jahr unter 21 israelitischen Kindern 3 die Prämie, 4 das Accessit; — im Gymnasio wurden unter *15 Knaben 3, in der k. k. Mädchenschule unter 5 israelitischen Schülerinnen gar 4 öffentlich belohnt. Arme Knaben werden auf Kosten der Gemeinde zu verschiedenen Handwerken erzogen, und damit der Erfolg noch mehr gesichert werde, hat sich eine sogenannte Leihgesellschaft gebildet, deren Fond dazu bestimmt ist, jungen Handwerkern die nöthigen Werkzeuge und Materialien zu verschaffen. — Wie schon ein schwacher Freiheitsschimmer, den die Regierungen unseren unglücklichen Glaubensbrüdern aufgehen lassen, von diesen mit dem lebhaftesten Danke ausgenommen wird, beweist eine Rede, welche der ungarische Rabbine Königsberger bei der Einweihung der Synagoge in Güssing gehalten, und in welcher derselbe u. A. Folgendes sprach: «Nicht glücklicher rpar Eure Wahl des heutigen Tages, zur Einweihung dieses Tempels, als es die gegenwärtige Zeit überhaupt ist. — Können wir nur mit besonderem Hochgefühle heute am Namensfeste unseres edelmüthigen Wohlthäters, unseres Fürsten Philipp von Bathjriry, das durch dessen Gnade und Beistand begründete Haus Gottes betreten: so können wir auch zugleich, bei der gegenwärtig gesetzlichen Erhöhung unserer Nation, der Weihe dieses Hauses unsere Selbstweihe anreihen. Gott sprach durch Jeremias: Ist denn Israel etwa ein Knecht, oder ein hausgeborner Sklave — warum verachtet man ihn? — Dieses werden einst die Löwen brüllen — diese werden einst ihre Stimme darüber erheben.« — Die Zeit, von welcher Jeremias dieses prophezeiete, scheint nun da zu sein. Die Löwen Ungarns erheben ihre Stimme für das gedrückte Volk Israel. Mit beispiellosem Edelmuthe, wollen sie uns die verweigerten Rechte der Menschheit einräumen. Wir sollen nichts mehr die Mißkanten, die. Gedrückten, die Verachteten sein. Sie fühlen des Volkes Schmerz, dessen Stammvater zuerst den einzigen Gott erkannte und nun das einzig Verworfene sein soll. Sie wollen die Söhne des zehnfach Geprüften nimmer mit Mißtrauen und Unliebe geduldet sehen. Heil Dir, König Ferdinand! Wie groß muß nicht das Haupt sein, wo die Glieder so edel wirken. Die Berathungsergebniffe Deiner Edeln Ungarns, werden bestimmt die lichtesten, ewig glänzenden Punkte in der Geschichte Deines glorreichen Lebens ausmachen. Heil Euch, Ihr edeln Stände undZMagnaten! Von Euch sagt IesaiaS im 58. Kapitel: «Eine solche Versammlung, spricht Gott, achte ich würdig. Diese sprengen die .'bösen Fesseln, diese lösen die Banden des Joches, diese wollen die Gedrückten frei machen und jeden Druck verbannen." Heil Dir, Synagoge Güssing's! Alle Deine Schwestern in Ungarn stehen in keinem gleichen Range mit Dir. Sie wurden von sogenannten Ketzern und Kammerkncchten eingewcihet; du aber, durch von allen Ständen Ungarns anerkannte LandeSkinder. Sind wir also als Landcskinder anerkannt, so müssen wir auch gegen unsere Obern kindliche Gefühle hegen. Der, Mensch ist zu klein, um sich biszum Höchsten erheben zu können. Ehrfurcht, Untcrwürsigkeit, Aufopferung sind die schönsten Gefühle eines Unterthancn. Werdet Ihr diese üben, Euch der Rechte würdig zeigen, die man Euch angeboten, — Euer Blut willig dem Lande opfern, das Euch als seine Kinder betrachtet, den König verehren, der das Haupt des edelsten Gesetzes ausmacht: so werden sicher diese schönen Tugenden zu der höchsten aller Tugenden, zur Gottesvcrehrung führen. Ihr werdet von selbst auf den zürück geführt werden, der das Herz der Könige wie Wasserströme leitet, der die Quelle aller edeln Triebe, und der Vater aller Länder und Völker ist. Vaterlandsliebe ist also der stärkste Pfeiler der Gottesverehrung, stützet diese nicht das Gotteshaus, so ist dieMühe der Bauenden vergeblich."- Hingegen klagen die Israeliten im Kirchenstaate fortwährend über die fürchterlichen Bedrückungen, die sie erleiden. Sie sind ganz der Willkühr der Inquisition preisgegeben, und namentlich steht es dem jeweiligen Localinquisitor ganz frei, sie mehr oder weniger zu necken und einzuschränken, zu drücken und zu mißhandlen. Die Furcht vor der Inquisitions-Willkühr ist so groß, daß selbst die jüdischen Unterthanen auswärtiger Staaten es nicht wagen würden, ihre Kinder allein, oder mit einer christlichen Magd, aus dem Ghetto gehen zu lassen, weil sie besorgen, dieselben könnten getauft und ihnen entzogen werden, wovon bei hier einheimischen Israeliten sich allerdings Beispiele sinden. (DaS ist ein Hauptgrund, warum die Kinder so frühzeitig in die fteilich nicht am besten eingerichteten und unbeaufsichtigten Äleinkinder-Bewahransialten geschickt werden.) Erst vor einigen Tagen ist die Frau eines seit vielen Jahren hier etablirten östreichischen Kaufmannes in der größten Eile mit ihren Kindern abgereist., well der kürzlich engagirte christliche Knecht, bei einer Bürgersfrau, die ihn geftagt, wie er mit seiner neuen Herrschaft zufrieden sep, gesagt, daß er es nie so gut gehabt, daß es ihn aber im Herzen jammere, daß die guten Leute, besonders die lieben Kinder des Teufels werden sollten; er habe sich daher vorgenommen, dieselben zu taufen, in der Ueberzeugung, kein besseres Werk thun zu können. Literarische Noch. Von dem unfern Lesern bereits bekannten Ltucl. zur. Alexander Friedländer ist Florian's historischer Roman: Elieser und Nephthalp ins Deutsche übersetz! worden. Die Uebersetzung ist rein und ansprechend und verdient eine um so größere Verbreitung, als das Werk selbst den Beweis abgiebt, wie würdig von edlen Geistern der Zustand der Israeliten schon zu einer Zeit beurtheilt worden ist, wo die Idee der rechtlichen Gleichstellung aller Religionen auch in Frankreich noch nicht zum Bewußtseyn gekommen war. und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung » Hildburghausen und Meiningen. Preis,^einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od 3 fl. rhein. jährlich Druck von Doll und Schäffer in Kassel.