Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 9 (6.12.1840)
- Date
- 1840-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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36 können, den uns hierüber zugckommenen Bericht unseren Lesern vollständig mitzutheilen: *) Brilon, den 25. Oktober 1840. Schon am 3. August, als an des höchstseligen Königs Friedrich Wilhelm Hl. Maj. Geburtstage, verordnete unser Land-Rabbiner Herr Joseph Friedländer eine Synagogen- Trauer, ließ die Psalmen 89, 132, 138, 144 und 148 absingen und legte den Anwesenden in einer ergreifenden Predigt, der Ezechiel Cap. 21, B. 6. und 7. zum Texte diente, das Herbe des Verlustes, des Besten der Könige, an's Herz; in einer passenden Allegorie hinzufügend, daß Fr. Wilh. Ul. ,»nicht gestorben, sondern nur zu seinen Vätern gelegt sey,» da Er ja in einem Ihm ähnlichen Sohne fortlebe. Dieser Gedanke, der mit dem ganzen Preußischen Baterlande auch uns beseelte, rief das in Folgendem zu schildernde Fest hervor. Der 15. Oct. war für uns das Doppelfest der Huldigung und^es Geburtstags unseres Allergnädigsten Königs Friedrich Wilhelm IV. Die Gemeinde, welche alle zn einer würdigen Begehung dieses Tages nothwendigen Kosten aus ihren Fonds bereitwillig herschoß, übertrug die Anordnung des Ganzen einem Comitee, das unter Vorsitz des Land-Rabbiners, aus dem Synagogen-Vorstand und den Herren Laz. Strauß und stud. jur. Al er. Friedländer bestand. Man verfaßte darin beifolgendes Programm **) und übertrug die äußere und innere Dekoration der Synagoge dem Hrn. L. Schöndorf, dessen Verdienste hier noch besonders hervorzuhcben sind. Die Feier selbst schloß sich!, nach einer Verabredung, an die der beiden christlichen Confesfionen an, von denen sich daher eine große Anzahl Morgens 11 Uhr in der Synagoge versammelte. — Der heiligen Lade gegenüber prangte in einem Epheu- und Lorbeer-Kranze ein großer von Hrn. re. Schöndorf trefflich gemalter Adler, mit Scepter, Krone und Reichsapfel, unter feinen Flügeln die Inschrift: (5. B Mose, Cap. 32., V. 11.) ■, links von derselben am Eingänge des Gotteshauses waren aus einem Epheu-Gewinde die Ramenszüge des Hohen Herrscherpaares, inmitten derselben eine Krone mit der Devise angebracht: (Spw, Cap. 29, V. 14.) "P*? 18Y2 ' ED’fyü nDN| tDÖitf Vor der heil. Lade verbreiteten in schönen Vasen die verschiedensten Blumenarten einen angenehmen Wohlgeruch, und der Kcrzenschimmcr cootrastirte prächtig mit dem in dem Gotteshause gleichmäßig vertheitten grünen Laubwerk. Der Land-Rabbiner im Festornate, gefolgt von dem Synagogendiener, trat vor die von letzterem geöffnete h. Lade und sprach die Segensformel: n"D"N '."LZ"2 •) Die Verspätung dieses Berichtes wolle man mit den meistens ,u spät «nd dis jetzt noch nicht ganz eingelaufenen Antworte« der einzelnen Gemeinden an das hiesige Rabbinat entschuldigen- D- Ref. ••) Wir werden dasselbe, sowie die Gesänge in der nächsten Rr. mittheilen. Redaktion. D"T1t, die Gemeinde antwortete: Amen, und nach Schließung der h. Lade sang man responsenweise die Psalmen 21. und 72. Die hierauf eintretende Stille wurde durch den auf der Gallcrie befindlichen Chor unterbrochen, der das von Hrn. stud.jur. Alex. Friedländer gedichtete Lied I. des Programms, nach Mel. 51. des Johlson'schcn Gesangbuchs absang. — Während dessen hat der Land-Rabbiner die Kanzel bestiegen. Sein trotz seines Alters von 84 Jahren noch sehr feuriges Auge, und sein freundliches Lächeln fesselte schon zum Voraus alle Anwesenden, und seine Predigt über Jesaias Cap. 11, V. I bis 10. in der er entwickelte, wie ein Regent sein Volk beglücken könne, und in deren Einleitung er darauf hindeutete, daß dieser Tag ihm noch wichtiger werde bei dem Gedanken, daß er schon zum Drittenmale (das erste Mal Ludwig l. von Hessen, das zweite Mal Hieronymus Napoleon von Westphalen) als Vertreter einer Gemeinde die Huldigung eines Regenten feiere, brachte einen sich auf allen Gesichtern unverkennbar abspiegelnden tiefen Eindruck hervor.*) In das Amen seines darauf folgenden Gebetes für König und Staat stimmten selbst die christlichen Zuhörer mit ein. Das von Hrn. stud. j,».A. Friedländer gedichtete und Hrn. Laz.Strauß in Musik gesetzte, vom Chor angestimmte und von allen Anwesenden ohne Unterschied des Glaubens unwillkührlich mitgesungcne Lied 11 des Programms schloß diese wirklich erhebende Feier, die.durch eine des Abends ftattgefundene Illumination von Seiten der meisten hiesigen israelitischen Einwohner, namentlich des Land- Rabbiners, sowie durch die sehr passend erleuchtete Synagoge, an deren Eingang sich in einem durch ein Bousquet gezierten Transparente die Worte befanden: (Ps. 118, V. 24.) nfry QiTl 71t 12 Nslyrr^l ” vervollständigt wurde. Von den 37 Gemeinden des diesseitigen Rabbinats-Sprengels, an welche bezüglich dieser Feier ein gedrucktes Circular ergangen, verdienen rühmlicher Erwähnung: Menden, Geseke, Anröchte, Winterberg, Berleburg, Hüften, Warstein, Obermarsbcrg, Arnsberg, Neheim, Werl, Rüthen, Madfeld, Laasphe, Medebach. Nachschrift. Brilon, den 7. Nov. 1840. So eben geht die Nachricht ein, daß auch in der Synagoge zu Soest das Huldigungsfest in derselben Weise wie hier begangen worden ist, wobei sich abermals, wie bei jeder Gelegenheit, unser rühmlichst bekannter und wohlthätiger Herr Obervorsteher Hellwitz nicht nur dadurch, daß er Alles nach Anordnung desMbbinats auf das Schönste und Beste leitete und ausführte, sondern auch dadurch vor allen Andern hervorthat, daß er hundert Arme, ohne Unterschied des Glaubens, mit Essen, Wein und Musik regalirte. F. *) Die Predigt wird später -.'vielleicht auf vielseitiges Verlangen im Druck erscheinen- Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung in Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Doll und Schäffer in Kassel.