Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 6 (15.11.1840)
- Date
- 1840-11-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566759--0032-2567593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit des ncunzchnkcn tzahrhundcrls. Ein Wochenblatt für die Kcimtniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Hcrausgcgeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld K im Großherzoghum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nv. G. Sonntag den IS. November 184«. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Wir geben nachstehend einen Aufsatz, aus der Hand ' unseres Veteranen der jüdischen Theologie, der in mancher Beziehung zu unseren Betrachtungen über den reincn Mosaismus steht, und daher unseren Lesern gewiß willkommen seyn wird. Redaktion. Des fromuren Israeliten Lehre und Leben, allen Bekennern der mosaischen Religion zur Prüfung und Be-' herzigung vorgelegt von M. Creizenach. Vorwort. Der transitorische Zustand, in dem sich die religiösen Angelegenheiten der Juden bereits seit dem Anfänge dieses Jahrhunderts befinden, zieht sich zur großen Gefahr der Religion selbst sehr in die Länge. Jedes Jahr vermehrt die Anzahl derjenigen, welche dem Veralteten unmuthig den Rücken zukehren, ohne auf das Hervorrufen einer neuen Gestaltung bedacht zu seyn, und die, welchen es obliegt, sich der heiligen Sache anzunehmen, sehen sich gar oft durch Machtgebote als Neologen gebrandmarkt und in ihren auftichtigen Bestrebungen gehemmt. Mit dem besten Willen können uns die Rabbincn nicht den Weg zeigen *), den wir einzuschlagen haben, und Alles, was wir uns von ihrer Thätigkeit versprechen können, beschränkt sich auf dürftige Reformen * *) Was berechtigt den geschätzten Verfasser zu dieser Behauptung? Ich dächfe, die Schriften von Geiger, Aub u. a. zeigten vom Gegentheil. S. besonders des Elfteren Aufsatz über Formglaube im 4. Bande seiner Zeitschrift. Re-d. 'der Svnagogenliturgie und Erbauungsreden, in welchen mit gewandter Behutsamkeit gerade die wichtigsten Fragen umgangen werden, die einer befriedigenden Erledigung harren — die Fragen, was für die Juden Pflicht, was für die Juden Wahrheit sey. Die Beantwortung dieser Fragen bildet den Inhalt dieses Aufsatzes, welchen ich meinen geliebten Glaubensbrüdern zur Prüfung und Beherzigung vorlege, mit dem heißen Wunsche, es möchte bald möglich werden, die in demselben zusammengestellten Sätze dem Religionsunterricht in Schulen und auf der Kanzel zu Grunde zu legen, damit das unwürdige Verschleiern und Accommodircn einer freien und tiefer Ueberzeugung entströmenden Sprache Platz mache. So lange dieses Ziel nicht erreicht ist, können wir Juden uns nicht mit Wahrheit rühmen, in religiöser Beziehung vorwärts geschritten zu seyn. Des frommen Israeliten Lehre. 1. Der Mensch kann sich mit Hülfe seiner Vernunft und feiner Sinnesorgane und ohne eine übernatürliche Offenbarung vom Daseyn Gottes überzeugen. - 2. Es ist nur ein einziger Gott, in dessen Wesen keine Art von Zusammensetzung Statt findet. 3. Die Eigenschaften, welche die Religionslehre 'der Gottheit beilegt, setzen keine Mehrheit in ihrem Wesen voraus. 4. Die Religion belehrt uns nur über das Verhalten Gottes gegen seine Geschöpfe, aber nicht über sein Wesen» 5. Der Mensch kann Gott nur geistig erkennen, aber nicht mit Hülfe seiner Sinnesorgane anfchauen.