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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-11-01 · Heft 4 (1.11.1840) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 4 (1.11.1840)
Date
1840-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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16 des Tages angemessen — matt beleuchteten uub' schwarz drapirten Synagoge. Die Beleuchtung war so eingerichtet, daß die Morgenseite mtt dem Allerheiligsten ganz in Dunkel gehüllt blieb, nur von einem über dem heiligen Schranke zunächst der beiden Bundestafeln angebrachten altdavidischen Schilde Tn ^Qging ein falber Schimmer aus, der die Umgebung einigermaßen erhellte , gleichsam sinnbildlich andeutend, w o der einzige Hoffnungsstrahl für Israel noch glänzt! — Der Vorbetcr hatte das gewöhnliche Abendgebet verrichtet und setzte sich dann zu den Füßen der schwarz behängten Kanzel, rczitirte die Klagelieder Jeremiä, deren Schlußverse n22*? HD1? und 122'L'N der Chor in rührenden Tönen wiederholte. Es folgte dann das Sieb’Vlp plDIlP ]nn; der Reftain '2218 NLirr'2 pz-sn 712^71^ ward so charattcristisch ausgeführt, daß, als die sanfterküngcndcn Kinderstimmen von der düstern Höhe herab jene Worte vernehmen ließen, man wirklich einen unsichtbaren Klageruf von Zions wüster Stätte zu hören glaubte: »Mein Haus ist verbrannt!" In wehmüchiger Begeisterung stimmte nun Alles mit dem volltönenden Männerchore ein '7s ^2 UDNTVl* — Es ward an diesem Abende noch das p'22' 7IT und ]V22 7P22 713N “!J? mit Chorbegleitung erecutirt, worauf der Gottesdinst schloß. — Am folgenden Morgen folgte nach Einhebung der Tora n2ty. YYID, vom ersten Vorbeter ohne Schnörkelci angemessen rezitirt, sodann noch mehrere ausgewählte rV)3p, die sich theils durch größere Sprachreinheit, theils durch ihren Inhalt (besonders in Bezug auf die jüngsten Ereignisse im Orient) zur Rezitirung eigneten, von beiden Vorbettrn abwechselnd, bis gegen 8 Uhr das sNN pnoittf wieder wie gestern Abend abgesungcn wurde. Der Oberrabbine vr. Frankel bestieg nun die Kanzel und hielt einen sehr angemessenen und hinreißenden Vorttag über den Text 5 Mos. 4, 30, worin er vorzüglich darauf drang, daß Festhaltung an den jüdischen Glauben und an den jüdischen Namen die Hauptaufgabe inderjetzigen bedrängten Zeit, wo die grellen Anklagen des Mittelalters sich wiederholen, für uns sein müsse. Das Schlußgebet des Oberrabbinen, eine sinnvolle Paraphrase des 123'L'7t, ließ kein Auge der zahlreich versammelten Gemeinde trocken, und bei solcher Stimmung konnte die nun folgende treffliche Rezüirung des (durch die Uebersetzungcn Mendelssohn's und Herder's auch dem deutschen Publikum bekannt gewordenen) klassischen N*?7I '72, verfaßt von R. Jehuda halcvi, ihre Wirkung nicht verfehlen. — Die Absingung des jv2 abwechselnd vom Vorbeter und Chor, beschloß diese würdige Traucrseier, Vormittags gegen halb zehn Uhr. Aus einer Predigt eines evangelischen Geistlichen Lu Ungarn. *) "Nachkommen, der jüdischen Nation giebt es noch heute zerstreut über das Erdenrund, und auch unter uns wohnen und lebe« Luden. Sie leben, ja wohl, wenn cs leben heißtbezahlen die Lust, die mau athmet, wenn es leben heißt —eine Handbreite Landes nicht sein nennen können, wenn es leben heißt — beraubt *) Veranlaßt durch die jetzt im Werke gehende Verbesserung der israelitischen Verhältnisse in Ungarn. sein jedes bürgerlichen Rechtes, ausgeschlossen sein von jedem Amte, und seinen Namen als Schandmahl herumzuttagcn, wenn das lebenheißt, ja dann leben sie. Aber solch ein Leben ist ärger als der Tod, und wer bürgerlich todt ist, mag immerhin sich sein Grab höhlen, um in ein besseres Leben cinzugchen, wo es keinen andern Unterschied giebt, als den zwischen gut und bös. Richtig nannte ein deutscher Geschichtschreiber die Juden "lebendige Mumien", und wahrlich so oft der Menschenfreund einen Juden sieht, muß er crröthen, crröthen als Mensch, Christ, und Bürger, weil jeder Jude in bürgerlicher Beziehung in den zweiten Theil des Tripartitum, der von Sachen handelt, gehörend, ein lebendiges Muster der beleidigten Menschheit, weil jeder Jude eine lebendige Satpre über die christliche Religion, d. h. über die Religion der Liebe ist. -- Und wenn wir fragen dürsten, warum müssen sie alles das dulden? Können wir eine einzige Antwort geben, anit der wir vor dem Richterstuhl Gottes und unseres Gewissens bestehen können? Ich meines theils glaube nicht. Denn was pflegt ihr gewöhnlich vorzubringen? Würdig, sagt ihr, sind sie ihres Schicksals unter den Christen, weil das erste Haupt der Christenheit durch sie am Kreuze geblutet. Das ist der Vorwurf, die Sprache des blinden Fanatismus. Oeer soll etwa der späte Nachkomme des neunzehnten Jahrhunderts seiner Väter Sünden büßen? In diesem Gedanken liegt eine Hölle. Warum werden Sie nicht Christen? —Warum werdet ihr nicht allesammt Katholiken, oder Protestanten, oder Altgläubige? Warum bekennt die ganze Welt sich nicht zum Christenthum? Warum schreibt ihr nicht eine gleiche Schrift, ihr müßt ja' nur einige und zwanzig Buchstaben zeichnen? Beruht nicht alle Religion auf Geschichte, und müssen wir die Geschichte nicht so nehmen, so glauben, wie sie uns von unfern Vätern überliefert wurde? Und warum sollte ich meinen beseligenden Glauben, oder wenn ihr wollt meine beseligenden Träume für eine Wahrheit hingeben, die mich zu Boden drückte? Oder sollten die Juden sich darum taufen, damit ihr sie getaufte Juden heißt? O wahrlich! wenn du Schuft bist, sei lieber Schuft ganz einfach, als Schuft im Namen Gottes des Vaters, Sohnes, und des heiligen Geistes." — „Warum betriigen sie? warum bekleiden sic kein Amt? warum treiben sie kein Handwerk?—Weil sie gebunden sind, weil sie ausgeschlossen sind von allen Beamtungen, und wer sollte mich zwingen das Feld zu bauen, wenn ich zu etwas Anderem Beruf fühle? Entziehen wir'unsern christlichen Mitbrüdcrn jene Grundrechte, um welche die Juden noch immer vergebens flehn, und Ströme Bürgerbluts würden auf der Erde fließen; und doch behielten die Juden unter allen Bedrückungen Tugenden, 'die wir bei den Christen in ihrer Lage vergebens suchen würden. Dürste es uns wundern, wenn der Sklave in seinen Ketten, in seinem Herzen Grimm gegen seinen Henker ttägt? — Reißen sie nicht, sagt ihr, zur großen Beeinträchtigung der Christen den Handel ganz an sich, und zählen sie nicht vom Thron herab bis zum armen Bauern Tausende, und Tausende von Schuldnern? —Diese Anklage spricht gegen uns selbst. Denn hiermit sprechen wir nur der Geschicklichkeit der Juden das Wort, und wenn wir unfern Vortheil verkennen, müssen wir die Juden nicht rühmen, daß sie auf dem ihnen offen stehenden einzigen Feld, nämlich dem des Handels, die allgemeine Wohlfahrt befördern? Ueberdieß wissen es die Juden zu gut, daß die Christen wol einen Gott glauben, aber zwei Götter anbeten: im Himmel das ewige Wesen, hier unten das Geld; sie wissen, daß so lange sie letzteres im Sacke tragen, auch der allcrchristlichste Christ seinen Hut vor ihnen hebt rc." Z« beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselrjng'schen Hofbuchhandlung in Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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