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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-10-04 · Heft 1 (4.10.1840) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 1 (4.10.1840)
Date
1840-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 melden; unverkauft gebliebene, sowie an den Wochentagen ff. werden nach den SteUcnnummern von den Sindicis vertheilt." Eine Curiosität nannten wir diese Vorschriften deßhalb, weil Hamburg jetzt erst anordnct, was in kleinen deutschen Gemeinden schon vor 10 Jahren geschehen. —Da muß mau die Polen loben, die Polen, welche früher dazu bestimmt schienen. Finsterniß über die deutschen Juden zu verbreiten. Sun Geburisiage der Kaiserin n veranstalteten sie in'Warschau eine Feierlichkeit, bei der vr. Goldschmidt eine Festrede hielt, und an deren Schluß der neu organisirre Sängerchor der Schüler der Rabbinenschule mehrere Gesänge sehr gut durchführte. — Dagegen hat das baierische Ministerium die von dem Rabbinen Levr in Fürth zur großen Erbauung der Gemeinde seit längerer Zeit eingcführten Conffrmationen untersagt. — Mit Beruhigung für die Zukunft schauen wir da nach Preußen. Dort scheint die Negierung keineswegs den inneren Fortschritten ihrer israelitischen Unterthanen entgegentreten zu wollen. Davon giebt ein Schreiben von Streckfuß an I),-. Geiger einen Beleg, und es verdient eine Stelle darin um so mehr unsere Aufmerksamkeit, als sie uns auf's Neue überzeugt, wie es nur eines fortwährenden bessern Strebens von unserer Seite bedarf, um auch die Gegner der Emancipation milder zu stimmen. Die Stelle lautet: "Möge der Gott, der uns allen derselbe ist, wenn wir ihn auch unter verschiedenen Formen anbeten, Zhncn die Kraft geben, die edleren Herzen und gebildeteren Geister Ihrer Gemeinde zu beftiedigcn, zu erbauen und in allem Guten zu stärken, die schlcchtern und rohern aber zu sich cmporzuziehcn, ohne, daß sie selbst es merken und sich deßhalb zum Widerstand aufgefordert finden. — Nur. auf diesem Wege und durch Männer Ihrer Art kann cs gelingen, die Christen zu zwingen, daß sie ihre Meinung gegen die Juden als Vorurtheil anerkennen und aufgeben, und sie in jeder Beziehung als Gleiche anerkennen müssen. Mir würde es die größte Freude sehn, dieses Resultat zu erleben, was ich jedoch nicht zu hoffen wage." — Die verschiedenen Gesandten in London haben alle dem Lord- Mahor in den freundlichsten Ausdrücken ihre Verwendung für die unglücklichen Juden in Damaskus zugesagt. Auch sind schon früher zehn von den Angeklagten in Freiheit gesetzt worden, und nur einer noch im Gcfängniß zurückgeblieben. In Manchester ward, wie früher in London, ebenfalls eine Versammlung über diesen Gegenstand unter Theilnahme einer großen Anzahl von Kauflcutcn, Fabrikanten, Gelehrten und Geistlichen verschiedener christlicher Confcssionen gehalten, bei welcher sich der Geist der Gerechtigkeit und Humanität, der die Versammlungen in London beseelte, in gleich hohem Grade aussprach. Freudig hallt die Antwort, welche der König von Preußen der Deputation der Berliner Judcnschaft gab, in der ganzen Monarchie wieder: "Mit Vergnügen, (crwiedcrte der Monarch) habe ich die schönen Worte vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie^sollen bei mir gut aufgehoben scpu. Bei dem Pattiotismus, den die jüdischen Gemeinden meines Staates und besonders die Berlins zeigen, läßt sich schon weiter bauen, und cs soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der seelige König das Werk, das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unterthanen, wie z. B. in Posen, noch zurücksteheu, so lag dies in Umständen, die mau ohne ungerecht zu sehn, nicht beseitigen konnte.' Doch freut cs mich, daß, wie ich höre, auch dort die Jiwen sich immer imehr der bürgerlichen Gleichstellung würdig machen.' Meine Herren, ich bin, glauben Sie cs mir, kein Anhänger der blinden Vorurthcile früherer Jahrhunderte." —! Wir dürfen nach diesen treffenden Worten des Königs gewiß Vieles von der Zukunft erwarten. Der bisherige Zustand in Preußen war allerdings nicht geeignet, die jüdischen Unterthanen zurberuhigen. Das Edikt von 1812, welches die völlige Rechtsgleichhett aussprach und den Israeliten selbst Lehrämter an Schulen und höheren Dildungsanstalten einräumte, war in vielen Fällen nicht angewendct worden; in den SRpeinpvovinten ward die bisherige gesetzliche Gleichstellung der Juden ebenfalls factisch i beschränkt, und in den übrigen Provinzen sollte die Verschiedenheit der früheren Gesetze noch fortbestehen. So war denn der Zustand der Israeliten überall schwankend, und bange Zweifel mußten darüber entstehen, ob sich nur Bedenken in einzelnen Ausführungen des Edictes gezeigt, oder ob die Regierung wirklich das Princip desselben, die rechtliche Gleichstellung der Israeliten, aufgegeben habe. — Die Aeuß-rungen des jetzigen Königs müssen aber, Dank der göttlichen Vorsehung, diese bangen Zweifel Niederschlagen. Er hat es deutlich ausgesprochen, daß die spätern Beschränkungen nur durch die Umstände geboten worden wären, und daß bürgerliche Gleichstellung fortwährend die Tendenz der Negierung bliebe; er hat die Gleichstellung nur an die Würdigkeit der Israeliten selbst geknüpft, und dadurch die Erklärung abgegeben, daß das Neligionsbekenntniß an sich wenigstens kein absolutes Hinderniß dersclbnn seyn solle, und darin liegt schon viel, unendlich viel; an dieser edleren Ansicht des Monarchen knüpfen sich tausend freudige Hoffnungen für die Zükunft der preußischen Israeliten. Aus Kalkars Vorlesungen über biblische Geschichte *). "Das Volk," (bemerkt der Verfasser über die Inden) "dessen Geschichte sich in den vorigen Stunden vor unfern Augen entfaltet hat, dem wir von seiner Wiege bis zu seinem Grabe in Babplon gefolgt sind, hat sich eine Merkwürdigkeit vor allen andern Völkern-der Erde erworben; seine heiligen Bücher sind die Lehrer der Welt geworden, und wie sehr auch die Weisen nachgedacht und die Thoren gespottet haben, sic haben es doch nicht vermocht, einen einzigen Buchstaben dieser heiligen Geschichte auszulöschen. — Ist dieses ein Zufall, so daß wir es anders beschließen können?—Das Volk, dessen Begebenheiten wir bewachtet haben, ist ferner verschieden von Allem, was sonst den Nationen ihre Merkwürdigkeit gibt. — Die Wissenschaft fand keine absonderliche Pflege unter ihm, keine ausgezeichnete Berstandcsbildung wohnte in seiner Mitte; kein künstlerisches Bestreben bezeichnet seine Thaten, kein Messet erklang unter ihm, um den bewunderten Statuen Leben einzuhauchcn, keine Farben zauberten der Verstorbenen Gestalten auf die Leinwand, der Hammer und die Feile waren armselige Werkzeuge in seiner Hand; keine Erfindungen bezeichnen seine Spur in der Geschichte. Israels Volk war auch keine handelnde Nation; seine Flagge wehte nicht in fremden Häsen, weit entfernte Länder öffneten ihm nicht ihre Neichthümcr, berühmte Entdeckungen haben den Namen Israels nicht in die Jahrbücher der Geschichte eingeschrieben. Nur ein einziges Mal sindeu wir in Jahrtausenden die Schätze des Handels erwähnt, aber es sind fremde Schiffe, diesem kleinen Volte Waarcn bringen. Noch weniger hat cs seinen Namen durch stolze Eroberungen verewigt, nur selten tönte die Trommete des'Kriegs im Lande der Nachbarn; wo wir sonst vom Kriege hören, ist's entweder Verteidigung wider Gewalttätige, die den Unterdrückten ein eisernes Joch anflcgen wollen, oder es sind die Leichen der Brüder, die das Feld bedecken." Aber Israels Geschichte ist die Geschichte des Reiches Gottes. — Zur Beachtung. Diejenigen Israeliten, welche zur Zeit der nächsten Michaeli- Messe an den Neujahrstagcn und am Versöhnungsfeste ihre Andacht au der von dem Hamburger-Leipziger Tempel-Vereine hier geweihten Stätte halten wollen, werden hiermit ersucht, sich bei Zeiten bei den Comitcc-Mitglicdern Hrn. Gobert oder Hru. Saatfeld, zu melden, um sich eine Stelle im Voraus zu sichern, widrigenfalls aber den Israeliten während dieser j Festtage der Zutritt durchaus nicht gestattet werden kann. Es ist diese Anordnung durch die Feier dieser Tage bedingt und höchst nöthig, und muß wegen des beengten Locats aufs Streng.stc beachtet werden. Leipzig im Sept. 1840. Die Direction. (Eingesandt durch Alexander El kan in Weimar.) *) Wir werden unfern Lesern noch mehrmals Auszüge aus diesem trefflichen Werke geben. Red. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.

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