Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 13 (10.6.1866)
- Date
- 1866-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2566634-2566635-2566642--74-2566736- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 132 — Aus dem Tagebuche eines gewesenen Pressburger Bachur's. (Fortsetzung.) Antwort auf den in Nr. 11 enthaltenen Brief. Preßbnrg am 15. März 1866. ^Ltiam tu Uli tili Lrute?" Endlich, endlich hast du eingekehrt so vormärzlich, wie es weiland Fürst Metternich in seiner Blütezeit nicht vollkommener that. Ich habe dein Raisonnement noch gut im Kopfe. Du sprachest damals mit Entzücken von dem Bachurstande, hieltest dich gleich Crösus für ein glückliches Menschenkind, Talmud, was sag' ich? Alussarsekorim waren dein Losungswort, Wissenschaft hieltest du als Gewährsmänner eine Reihe von Rabbinen, die in ihren Deraschoth und bei sonstigen Angelegenheiten förmliche Kreuzzüge gegen jeden Fortschritt veranstalten, du beriefest dich auch auf die Rabbinerversammlung zu Paks, wo Schwab wegen seinen heterodoxen Ansichten in den Hintergrund gedrängt wurde, eine ganze Rubrik obscurer Namen führtest du für dich ins Treffen. Ich ließ es dir am Ende gewähren^, ich wollte der Zeit nicht vorin den Gebeten durch kabalistische Deuteleien Engelnamen hineinschmuggeln, hieltest du allerheilig. Ich sagte einmal scherzweise zu nichts Anderem fähig, als die Faseleien dieser Caricaturen aufzunehmen. Deine Ansicht über die menschliche Gesellschaft, dein Exterieur entsprach in der That den in den bezeichnten Werken ausgesprochenen Lebensregeln; du trügest eine Büßermiene zur Schau, dein Blick war düster, die Erde galt dir ein Jammerthal, der Mensch ein sündhaftes Geschöpf. Die Märchenlectüre hatte solches Unheil in deinem Gehirn angerichtet, und vollends dein Aufent-